Bei medizinischen Untersuchungen fallen immense Mengen an Daten an, sodass man bei der Auswertung und Interpretation an Grenzen stößt. So ist der Mensch z. B. bei Messungen von Gehirnströmen – insbesondere bei Langzeit-EEG – sehr gefordert und schnell überfordert. Hier helfen moderne Verfahren der Datenaus-wertung, wie die am AIT entwickelte EEG-Analysesoftware „encevis“. Fortschrittliche Algorithmen liefern objektive Ergebnisse und minimieren überdies menschliche Fehler. Ärzte und medizinisches Personal werden entlastet und können sich verstärkt auf die Patientenversorgung konzentrieren. Dies führt zu einer effizienteren Ressourcennutzung und ermöglicht eine schnellere Diagnosestellung und Therapie.
Bei Epilepsie bringt das medizinisch entscheidende Vorteile. Die schnelle Verarbeitung großer EEG-Datensätze gewährleistet, dass kritische Entscheidungen ohne Verzögerung getroffen werden können. Die präzise Erkennung z. B. von nicht-konvulsiven Anfällen oder anderen typischen Mustern (Seizure Burden, Status Epilepticus usw.) minimiert das Risiko von Fehldiagnosen oder verzögerten Behandlungen, wodurch langfristig die Kosten für Komplikationen und Folgebehandlungen gesenkt werden.

EEG-Untersuchung, © AIT/Fabian Purtscher
Entlastung für Patient:innen und Kliniken
Durch die Kombination von encevis mit anderen Technologien entwickeln Forschende am AIT gemeinsam mit drei führenden europäischen Epilepsiezentren derzeit auch eine neue Lösung, die wesentliche Teile von Diagnose und Therapie in den ambulanten Bereich verlagert. Dies entlastet Patient:innen und Kliniken gleichermaßen. Die Lösung basiert auf encevis und der etablierten Telehealth-Plattform des AIT, die um ein digitales Anfalls- und Ernährungstagebuch erweitert wird und vielfältige Möglichkeiten zur Datenerfassung sowie zur Kommunikation zwischen Patient:innen und Fachpersonal bietet. Diese Kombination bildet die Grundlage für eine moderne, patientennahe und datenbasierte Epilepsieversorgung der Zukunft.
Neben den technologischen Vorteilen hat encevis auch einen signifikanten wirtschaftlichen Impact. Durch die Automatisierung der EEG-Analyse reduziert die Software den Zeit- und Kostenaufwand erheblich. Dies erlaubt eine effizientere Ressourcennutzung.
In der neuesten Version der Software wurde 2025 ein innovativer KI-basierter Algorithmus für die Erkennung von Schlafstadien aus dem EEG integriert. Außerdem wurde eine Anfallsdetektion entwickelt, die erstmals eine zuverlässige Erkennung der Anfälle von Kindern und Jugendlichen ermöglicht. Im Rahmen eines Forschungsauftrags der Firma UNEEG Medical wurde die automatische Anfallserkennung auch für subkutane EEG-Signale (SubQ-EEG) grundlegend weiterentwickelt. Die Erfüllung der höchsten regulatorischen Standards, wie der MDR und FDA, sowie die Validierung mit umfangreichen klinischen Daten von führenden medizinischen Zentren in Europa und den USA unterstreichen die Zuverlässigkeit und Innovationskraft der Software.

EEG-Beurteilung am Computer, © GettyImages-827663664
AIT ist Brücke zwischen Wissenschaft und Innovation
Die Fähigkeit, neue Erkenntnisse rasch in marktfähige Technologien und anwendbare Lösungen zu überführen, wird zunehmend zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor für Europa. An dieser Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Technologie und Anwendung kommt der angewandten Forschung am AIT Austrian Institute of Technology eine zentrale Rolle zu. Österreichs größte Research and Technology Organisation orientiert sich bei seiner Forschung eng an den Bedürfnissen der Industrie und an aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Forschung des AIT wirkt und schafft Lösungen – für Unternehmen, die Gesellschaft und letztlich für uns alle.
AIT Impact Report
Der AIT Impact Report 2026 zeigt anhand von rund 30 Beispielen, wie das AIT gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand Forschung in konkrete Lösungen übersetzt. Die vorgestellten Projekte reichen von der Digitalisierung industrieller Prozesse über resiliente Infrastruktur und nachhaltige Energie- und Industriesysteme bis hin zu Gesundheit, Mobilität, Sicherheit und Kreislaufwirtschaft.







