Unser Wasserschatz unter Druck – Oberösterreich im Dürre-Stress bringt erneut Tiefstwerte beim Grundwasser

„Wir sehen es an den Daten und wir sehen es an den Flüssen und Bächen. Unser Wasser wird immer knapper und das ist kein einmaliges Ereignis mehr, sondern ein Muster”, sagt Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder. „Der Boden ist momentan wie ein Schwamm, der schon ausgetrocknet ist – da rinnt das Wasser einfach oben drüber, statt nachhaltig einzusickern.”

Schon 2025 kamen nur etwa 80 Prozent der durchschnittlichen Regenmenge vom Himmel. Heuer sind es bisher sogar nur 70 Prozent. Am stärksten betroffen waren im vergangenen Monat das Linzer Feld sowie erneut das Inn- und Hausruckviertel. Dort fiel besonders wenig Regen, doch eigentlich liegt jede Region in Oberösterreich spürbar unter ihrem üblichen Niederschlag.

Einzig der Februar brachte eine kleine Verschnaufpause: Überdurchschnittlicher Regen ließ das Grundwasser kurz aufatmen, nachdem es vielerorts bereits historische Tiefststände erreicht hatte. Seither geht es aber wieder bergab – die Pegel nähern sich erneut den Februar-Werten.

Niedrige Grundwasserpegel quer durch Oberösterreich
Besonders niedrig stehen die Grundwasserpegel derzeit im Innviertel, Hausruckviertel und Traunviertel. Auch im übrigen Oberösterreich ist die Lage angespannt, wenn auch nicht überall gleich dramatisch: Im Mühlviertel etwa hat es zuletzt mehr geregnet, dort bewegen sich manche Pegel noch im mittleren Bereich.

Bei den Flüssen und Bächen zeigt sich ein ähnliches Bild: Überall in Oberösterreich führen die Gewässer weniger Wasser als üblich. Im südlichen Innviertel, etwa entlang der Mattig, fallen einzelne Abschnitte bereits trocken. Nur dort, wo Gletscherwasser nachfließt – etwa beim Hallstättersee oder Traunsee – hält sich der Wasserstand stabil.

Mit den steigenden Temperaturen wird es paradoxerweise nasser und trockener zugleich: Warme Luft nimmt mehr Feuchtigkeit auf, was Gewitter und Starkregen wahrscheinlicher macht. Für die kommenden Tage sind solche Ereignisse in einzelnen Regionen angekündigt – mit der Gefahr von Hangwasser und kleinräumigen Überflutungen.

„Ein Wolkenbruch fühlt sich nach viel Wasser an, hilft dem Grundwasser aber kaum”, erklärt Kaineder. „Wenn der Boden so ausgetrocknet ist wie jetzt, läuft das meiste Regenwasser nur oberflächlich ab und landet direkt im Bach – statt im Boden zu versickern, dort wo wir es brauchen.”

Die niedrigen Grundwasserstände wirken sich auch unmittelbar auf die Trinkwasserversorgung aus. Vereinzelte Wasserversorger haben daher bereits zu Wassersparmaßnahmen aufgerufen, etwa in Grieskirchen. Auch bei Hausbrunnen gibt es immer öfter einen Wassermangel und Feuerwehren müssen zunehmend Nutzwassertransporte durchführen.

Auch oö. Seen unter Druck
Die Hitze setzt auch den oberösterreichischen Seen zu. Je wärmer das Wasser, desto schneller vermehren sich Algen und andere Kleinstlebewesen – das verändert die Lebensbedingungen für Fische und andere Gewässerbewohner. Gleichzeitig zieht das schöne Wetter mehr Badegäste an die Ufer, was zusätzlichen Druck auf die empfindlichen Uferzonen bringt.

„Unsere Seen müssen bei dieser Hitze zwei Belastungen aushalten: die hohen Temperaturen selbst und den Ansturm an Badegästen”, so Kaineder. „Bei nährstoffarmen, gesunden Seen steckt die Natur das meist gut weg. Bei Seen, die ohnehin schon stärker belastet sind, kann so ein heißer Sommer aber zur echten Belastungsprobe werden.”

„Was wir gerade erleben, ist keine einzelne Dürre, sondern zwei Jahre in Folge, die uns zeigen: Wasser ist in Oberösterreich ein Schatz, den wir hüten müssen und keine Selbstverständlichkeit mehr”, sagt Kaineder abschließend. „Wir müssen lernen, mit dieser neuen Normalität umzugehen – beim Schutz des Grundwassers genauso wie beim respektvollen Umgang mit unseren Seen und Bächen.”


Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder bei einem Lokalaugenschein in einem trockengefallenen Flussbett. Fotograf:in: Werner Dedl, Bildrechte: Land OÖ

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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