OÖ Handelskongress: Künstliche Intelligenz ist längst im Handel angekommen

Sonntag: „Im Handel lautet die Frage nicht mehr online oder offline,  sondern wie verbindet man beide Welten intelligent miteinander“

Der OÖ Handelskongress unter dem Titel „#HANDELdigital“ bot den rund 150 teilnehmenden Händlern in der WKO Oberösterreich praxisnahe Einblicke in Innovation, Digitalisierung und künstliche Intelligenz und eröffnete die bundesweite „Zukunftsfit Tour 2026“. „Der Handel steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und neue Geschäftsmodelle verändern Märkte, Kundenverhalten und Berufsbilder nachhaltig. Im Handel lautet die Frage nicht mehr online oder offline, sondern wie verbindet man beide Welten möglichst intelligent miteinander. Die Verbindung von stationärem Einzel- und Onlinehandel ist eine strategische Notwendigkeit“, sagte Martin Sonntag, Obmann der Sparte Handel in der WKOÖ, einleitend.

„Der stationäre Handel wird auch künftig ein zentraler Bestandteil bleiben, aber das Geschäft entwickelt sich zunehmend zu einer Erlebniswelt und die Potenziale des Vertriebs über mehrere Kanäle müssen gezielt genutzt und ausgeschöpft werden. Gleichzeitig eröffnen Digitalisierung und E-Commerce neue Chancen auf internationalen Märkten. Allerdings braucht der Handel praktikable und KMU-geeignete Rahmenbedingungen, keine zusätzliche Bürokratie oder neue Regulierungslasten. Nationale Alleingänge wie bei der Paketsteuer sind kontraproduktiv und sollten vermieden werden. 

Künstliche Intelligenz verändert den Handel: Vom Helfer zum digitalen Kollegen

„Künstliche Intelligenz ist längst im Handel angekommen und sie entwickelt sich rasant vom einfachen Werkzeug zum vielseitigen digitalen Assistenten. Vor allem bei repetitiven Aufgaben spielt sie ihre Stärken aus. Texte schreiben, Kundenanfragen beantworten oder Inhalte für Webseiten erstellen, vieles läuft inzwischen automatisiert“, erklärte Mathias Strafinger. Strafinger war Geschäftsführer eines Tochterunternehmens der XXXLutz Digital, hat sich 2023 selbstständig gemacht und in den USA ein KI-Unternehmen gegründet. Mittlerweile ist er wieder in Österreich tätig und berät Unternehmen bei der Entwicklung von KI-Strategien sowie der Umsetzung konkreter Projekte.

Ein zentraler Trend ist laut Strafinger die Kombination verschiedener KI-Systeme. So entwickelt sich etwa „Claude“ zur sogenannten Super-App, die strategische Aufgaben übernimmt und direkt mit Plattformen wie Shopify verbunden ist. In Kombination mit Tools wie ChatGPT für Bilder und Videos entsteht ein leistungsstarkes Gesamtpaket. Während Claude plant und strukturiert, liefern andere Systeme visuelle Inhalte. „Auch im Marketing zeigt sich das Potenzial deutlich. KI kann komplette Homepages programmieren, Landingpages erstellen oder sogar fertige E-Mail-Templates designen, die direkt in Mailprogramme übernommen werden können. Für Händler bedeutet das weniger Aufwand und schnellere Umsetzung“, so Strafinger. Besonders spannend sind für Strafinger sogenannte KI-Agenten. Sie können beispielsweise Immobilien oder Produkte automatisch „inszenieren“, indem sie hochgeladene Bilder optimieren oder neue Produktbilder generieren. Gleichzeitig übernehmen sie regelmäßige Aufgaben wie das tägliche Verfassen von Blogbeiträgen oder das Beantworten von Kundenanfragen rund um die Uhr.

„Ein weiterer entscheidender Faktor ist die  Sichtbarkeit in KI-Suchmaschinen. Damit Unternehmen dort empfohlen werden, müssen Inhalte klar formuliert, aktuell und gut vernetzt sein. Auch externe Quellen und eine starke Reputation spielen eine wichtige Rolle. Wenn die Inhalte und konkreten Vorteile, etwa die fünf wichtigsten Produktvorteile, klar dargestellt sind, dann haben sie besonders gute Chancen, von KI-Systemen aufgegriffen zu werden. Trotz aller Innovation bleibt ein Klassiker unverzichtbar, die Suchmaschinenoptimierung (SEO). Wer online sichtbar bleiben will, muss weiterhin auf hochwertige Inhalte und eine saubere Struktur achten, denn auch KI greift auf diese Grundlagen zurück“, empfiehlt Strafinger. 

„Fest steht, die KI verändert den Handel grundlegend. Wer die neuen Möglichkeiten nutzt, kann effizienter arbeiten, schneller reagieren und seinen Kunden ein besseres Erlebnis bieten“, resümiert Spartenobmann Sonntag.

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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