Warum zweifeln so viele Menschen an der Wissenschaft?

Diese Frage stand im Zentrum einer Diskussion in Bad Ischl am vergangenen Samstag. Ein hochkarätig besetztes Podium rang um Antworten – und das Publikum lauschte konzentriert.

Wie man über kontroversielle Themen zivilisiert debattiert, das demonstrierte eine prominente Runde rund um Moderator Günter Kaindlstorfer am Wochenende im Ischler „Kongress- und Theaterhaus“. Die „Wissenschaft“ steht ja schon seit längerer Zeit unter Beschuss; aus der „Querdenker“-Szene ebenso wie vonseiten populistischer Politiker und ihrer Anhänger. „Zunächst einmal muss man sagen: DIE Wissenschaft gibt es gar nicht“, stellte der Philosoph Konrad Paul Liessmann zu Beginn der Veranstaltung klar: „Es gibt verschiedene Wissenschaften, die zum Teil nach unterschiedlichen Logiken funktionieren.“

Dass die Wissenschaften, wie sie sich im westlichen Kulturkreis seit den Tagen Heraklits und Pythagoras entwickelt haben, gegen den Ansturm eines neuen, oft esoterisch unterfütterten Irrationalismus verteidigt werden müssen – darüber war man sich auf dem Podium rasch einig. Schauspieler Cornelius Obonya las Texte berühmter Forscherinnen und Forscher – von Aristoteles bis Galilei, von Marie Curie bis Karl Popper; dabei wurde deutlich, dass diese Geistesgrößen in der Regel von ungeheurer Bescheidenheit waren, dass sie ihre eigenen Erkenntnisse immer wieder kritisch hinterfragt haben und weit von jener triumphalistischen Selbstgewissheit entfernt waren, die sogenannten Querdenkerinnen und Querdenkern oft antreibt. „An allem ist zu zweifeln“, so Konrad Paul Liessmann: „das ist eine der Maximen der abendländischen Wissenschaft. Und jener Mensch, der am leichtesten zu täuschen ist, ist man selbst. Da heißt es immer vorsichtig sein.“

Die Journalistin Susanne Mauthner-Weber, Wissenschaftsredakteurin des „Kurier“, hob die Bedeutung einer qualitätsvollen Medienlandschaft hervor, und der Historiker Hannes Leidinger betonte die enge Verbindung von Wissenschaft und Demokratie: „Gute Wissenschaft kann nur in demokratischen Gesellschaften gedeihen“, so Leidinger: „Diktaturen mögen in einzelnen Bereichen, vor allem in technischen Disziplinen, gewisse Erfolge feiern, aber wissenschaftliche Freiheit – und damit auch nachhaltige Erkenntnis – braucht offene, demokratische Strukturen.“

Eine Einschätzung, die der Europaabgeordnete Hannes Heide – Mitveranstalter des „Historicums Salzkammergut“ – teilt, und ergänzt im Hinblick auf die erfolgreiche Diskussion: „Je mehr wir verstehen, desto weniger müssen wir uns fürchten, hat Cornelius Obonya Marie Curie zitiert. Das Historicum Salzkammergut hat mit seiner Themenwahl auch dieses Mal viele Zuhörerinnen und Zuhörer ansprechen und vermitteln können, warum die Verteidigung der Freiheit der Lehre und Wissenschaften für eine demokratische Gesellschaft unverzichtbar ist.

Gut zwei Stunden wurde lebhaft, unterhaltsam und auf hohem Niveau diskutiert. Am Ende des Abends streute Konrad Paul Liessmann dem Ischler Publikum Rosen: „Das war eine gelungene, unaufgeregte, aber hochqualifizierte Veranstaltung.“ Es wäre schön, so der bekannte Philosoph, wenn sich das „Historicum Salzkammergut“ in den nächsten Jahren als feste Größe in der österreichischen Festivallandschaft etablieren könnte. Hannes Heide beruhigte: „Daran wird gearbeitet.“

Auf Initiative von Europaabgeordneten Hannes Heide (links) diskutierten Konrad Paul Liessmann, Günter Kaindlstorfer, Susanne Mauthner-Weber und Hannes Leidinger sowie Cornelius Obonya (von links nach rechts) über Querdenker, Wissenschaftsskepsis und die Auswirkungen auf die Demokratie.

Foto: Karin King

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

error: (c) by salzTV