Finanzbildung ist Kompetenz fürs Leben: WKOÖ setzt Schwerpunkt an Handelsakademien

Branchentreffen der Sparte Bank und Versicherung: Finanzbildung und digitaler Euro im Fokus

Erstes eigenes Geld, erste Wohnung, erstes Auto: Finanzbildung ist für junge Menschen der Schlüssel zur Selbstbestimmung. Beim Branchentreffen der Sparte Bank und Versicherung der Wirtschaftskammer OÖ sprach sich Spartenobfrau Michaela Keplinger‑Mitterlehner, Generaldirektor‑Stellvertreterin der Raiffeisenlandesbank OÖ, für mehr Finanzwissen an heimischen Schulen aus. „Finanzbildung ist kein trockenes Schulfach, es ist eine Kompetenz fürs Leben. Wer Budget, Verträge sowie Chancen und Risiken versteht, trifft in jeder Lebenslage fundierte Entscheidungen“, betont Keplinger‑Mitterlehner.

Ein Schwerpunkt der Sparte ist daher die praxisnahe Finanzbildung. Konkret unterstützt die Branchenvertretung sechs heimische Handelsakademien im Ausbildungsschwerpunkt Finanz- und Risikomanagement (FiRi). Derzeit absolvieren in Oberösterreich 385 Schülerinnen und Schüler diesen Ausbildungsschwerpunkt. FiRi wurde entwickelt, um gezielt Fachkräfte für die Banken- und Versicherungsbranche auszubilden, und ist ein strategischer Baustein zur Fachkräftesicherung in der Branche. Der Schwerpunkt vermittelt bank- und versicherungsspezifische Inhalte mit hoher Praxisrelevanz, also Wissen, das im Beruf wie auch im Privatleben direkt anwendbar ist.

Praxiswissen für den Schulunterricht
Damit Unterricht nicht nur theoretisch bleibt, setzt die Sparte zusätzlich auf regelmäßige Coachingseminare für Lehrkräfte. Auf dem Programm stehen praxisorientierte Einblicke in Immobilienfinanzierung, Bewertung und Besicherung von Krediten sowie zentrale Bereiche des Versicherungsrechts wie Haftpflicht, Schadenersatz und Rechtsschutz. Expertinnen und Experten aus Banken und Versicherungen bringen aktuelle Entwicklungen und echte Fallbeispiele ein, damit der Unterricht nahe an der Realität der Schüler ist.

„Finanzielle Bildung bedeutet Selbstbestimmung“, bekräftigt Michaela Keplinger‑Mitterlehner. „Von größeren Anschaffungen über den Einstieg ins Berufsleben bis hin zur Unternehmensgründung: Wer seine Finanzen im Griff hat und Risiken einschätzen kann, ist klar im Vorteil.“ Gerade in einer zunehmend komplexen Wirtschaftswelt sei es entscheidend, jungen Menschen Orientierung und Sicherheit zu geben – und ihnen Werkzeuge mitzugeben, um Entscheidungen souverän zu treffen.

Digitaler Euro: Mega-Projekt mit unklarem Nutzen
Auch der digitale Euro war Thema beim Branchentreffen. Die neue Geschäftsführerin der Bundessparte Bank und Versicherung, die gebürtige Linzerin Eva Landrichtinger, informierte über den aktuellen Stand. Die Einführung eines digitalen Euro wäre ein historischer Schritt mit weitreichenden Folgen für Finanzsystem, Kreditvergabe, Datenschutz und das Vertrauen in die Währung. Aus Sicht der Bundessparte stehe dem erheblichen gesamtwirtschaftlichen Eingriff derzeit kein klar erkennbarer Mehrwert gegenüber.

Die Stärkung der europäischen Resilienz im Zahlungsverkehr sei grundsätzlich zu begrüßen. Bei einem Projekt dieser Tragweite müsse jedoch Sorgfalt vor Tempo gehen. Ohne klaren Nutzen für Verbraucherinnen und Verbraucher drohe geringe Akzeptanz – mit möglichen Vertrauensverlusten, die sich nicht korrigieren lassen. Ein digitaler Euro könne nur in enger Zusammenarbeit mit der Bankenbranche erfolgreich sein.

Zugleich verwies Landrichtinger auf bestehende europäische Zahlungsinitiativen wie EPI/Wero. Diese sollen bis 2027 grenzüberschreitende Zahlungen in 13 Ländern ermöglichen und damit Europas Zahlungssouveränität stärken. Statt eines Wettbewerbs zwischen öffentlichem und privatem Sektor sollten bestehende Lösungen weiter ausgebaut werden.

Die Einführung des digitalen Euro sei letztlich eine politische Entscheidung mit hohen Kosten und offenen Fragen zur tatsächlichen Nachfrage. Entscheidend bleibe die Wahlfreiheit der Kundinnen und Kunden – ob bar, mit Karte oder digital.

Branchentreffen der Sparte Bank und Versicherung der WKOÖ in Linz: ( v. l.) Martin Seiter (Spartenobfrau Stellvertreter, Vorstandsdirektor der Oberbank AG), Michaela Keplinger Mitterlehner (Spartenobfrau, Generaldirektor Stellvertreterin der Raiffeisenlandesbank Oberöster-reich AG, Eva Landrichtinger, Geschäftsführerin der Bundessparte Bank und Versicherung (WKÖ); Stefanie Christina Huber, (Spartenob-frau Stellvertreterin, Generaldirektorin der Sparkasse Oberöster-reich), Kathrin Kühtreiber Leitner (Spartenobfrau Stellvertreterin, Vorstandsdirektorin der Oberösterreichischen Versicherung AG). (C) WKOÖ

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

error: (c) by salzTV