8.500 Betriebe bis 2035 vor Übergabe: Generationenwechsel als Chance nutzen

Unternehmensnachfolgen sichern Betriebe, Arbeitsplätze und Wertschöpfung
und bringen vor allem auch neue wirtschaftliche Dynamiken. Familienexterne Nachfolgen gewinnen dabei immer mehr an Bedeutung.

Österreichs Wirtschaft steht vor einem umfassenden Generationenwechsel. Bis 2035 steht rund ein Viertel aller Arbeitgeberunternehmen vor einer potenziellen Übergabe. Alleine in Oberösterreich sind das 8.500 Arbeitgeberbetriebe, mit denen rund 147.100 Beschäftigte verbunden sind. Wie wichtig erfolgreiche Übergaben für den Erhalt von Betrieben, Arbeitsplätzen, Wertschöpfung und regionalen Wirtschaftsstrukturen sind, zeigt eine neue Studie der KMU Forschung Austria. Laut dieser sichert jede erfolgreiche Unternehmensnachfolge in Österreich im Durchschnitt 14 Arbeitsplätze und steht für rund 1,1 Millionen Euro direkte Wertschöpfung pro Jahr.

„Mit der Fortführung bestehender Betriebe bleiben Know-how, eingespielte Teams, Marktpositionen und gewachsene Kundenbeziehungen erhalten. Übernahmen bringen zudem neue wirtschaftliche Dynamiken und Ideen. Mehr als die Hälfte der Nachfolger steigert nach der Übernahme die Investitionen, etwa in Modernisierung und Digitalisierung“, so WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer. Eine Betriebsübernahme ist damit – als Alternative zur Neugründung – auch ein attraktiver Weg in die Selbständigkeit. Unternehmensnachfolgen finden längst nicht mehr nur innerhalb der Familie statt, 55 Prozent der Übergaben erfolgen bereits außerhalb der Familie. „Damit gewinnen die Suche nach geeigneten Nachfolgern sowie die Finanzierung der Übernahme zunehmend an Bedeutung, gleichzeitig stellen sie laut KMU-Studie aber auch die größten Herausforderungen im Übergabeprozess dar“, so Hummer. Die WKOÖ fordert daher in diesem Zusammenhang:

  • Steuerliche Entlastung: Freibetrag für Veräußerungsgewinne von 7.300 auf 45.000 Euro anheben, einen Sondersteuersatz von 20 Prozent einführen und steuerliche Begünstigungen kombinierbar machen.
  • Finanzierung verbessern: Privates Kapital durch einen steuerlichen Beteiligungsfreibetrag von bis zu 100.000 Euro mobilisieren und Investitionsanreize stärken.
  • Bürokratie abbauen: Einen österreichweit einheitlichen digitalen One-Stop-Shop für die Gründung im Zuge der Betriebsnachfolge schaffen. Die geplante Verlängerung der Grace Period von drei auf fünf Jahre ist zudem ein wichtiger Schritt.

Frühzeitige Planung ist die Basis für eine erfolgreiche Nachfolge

Entscheidend für eine erfolgreiche Unternehmensübergabe ist darüber hinaus eine frühzeitige Planung. „Die WKOÖ empfiehlt den Beginn der Nachfolgeplanung etwa 3 bis 5 Jahre vor der geplanten Übergabe und steht Unternehmen dabei mit zahlreichen Services und Angeboten unterstützend zur Seite“, so Hummer. Ein neues, gemeinsames Angebot von WKÖ und Wirtschaftsministerium ist das Weiterbildungsprogramm NextGen4Austria, das künftige Nachfolger auf die Unternehmensführung vorbereiten soll. Der nächste Lehrgang dazu startet im Jänner 2027. Unter dem Motto „NextGen-Tour“ bietet die Junge Wirtschaft Oberösterreich derzeit außerdem regelmäßige Veranstaltungen zum Thema Nachfolge.

Neben Leitfäden und praktischen Checklisten stellt die WKOÖ auch kostenlose Online-Planungshilfen wie den Unternehmenswertrechner oder die Nachfolgebörse zur Verfügung. Aber auch die persönliche Nachfolgeberatung oder die geförderte Begleitung durch externe Experten werden stark nachgefragt. Zentraler Ansprechpartner und Drehscheibe für Nachfolge-Interessierte ist das Gründerservice der WKO Oberösterreich. Alle Serviceangebote stehen jederzeit unter https://www.wko.at/betriebsuebergabe/nachfolge zur Verfügung. 

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

error: (c) by salzTV