GeoSphere Austria: „Bei Naturgefahren vomWissen ins Handeln kommen“

Katastrophenschutz- und management in der Land- und Forstwirtschaft waren die Schwerpunkte der 8. Naturgefahrentagung, die heuer im steirischen Ebersdorf in der Ökoregion Kaindorf von 12.-14. Oktober stattgefunden hat. Im Mittelpunkt standen die zunehmenden Herausforderungen durch Sturm, Starkregen, Hochwasser, Hangrutschungen, Trockenheit, Waldbrände sowie erfolgreiche Lösungsansätze für Gemeinden, Betriebe und Einsatzorganisatione

Eine Milliarde Euro – so hoch bezifferte die Hagelversicherung den Schaden für die heimische Landwirtschaft durch die Dürre im Extremsommer 2026. Für Österreich sind die Folgen des menschengemachten Klimawandels überdurchschnittlich drastisch: Während die globale Mitteltemperatur seit vorindustrieller Zeit um etwa 1,4 Grad Celsius gestiegen ist, verzeichnet Österreich im selben Zeitraum einen Temperaturanstieg von rund 3,1 Grad Celsius. Diese Entwicklung führt immer öfter zu Extremereignissen mit ganz unterschiedlichen Auswirkungen – in Österreich etwa zu häufigeren Sturmböen und Windwurf, Hagel und Schäden in der Landwirtschaft, Murgänge und Überschwemmungen.

Wissen muss dort ankommen, wo es gebraucht wird

„Österreich verfügt über hervorragende wissenschaftliche Einrichtungen, leistungsfähige Frühwarnsysteme und viel Erfahrung im Umgang mit Naturgefahren“, betonte Andreas Schaffhauser, wissenschaftlicher Generaldirektor GeoSphere Austria und Vorsitzender der Österreichischen Plattform für Katastrophenrisikominderung (ASDR). Er hob vor den 140 Expert:innen, die an der dreitägigen Veranstaltung in der Steiermark teilnahmen, hervor, dass man den Gefahren und Folgen des menschengemachten Klimawandels nur gemeinsam begegnen könne. Für Schaffhauser ist insbesondere der Wissenstransfer entscheidend. „Die besten wissenschaftlichen Erkenntnisse helfen wenig, wenn sie nicht in der Praxis ankommen. Wir müssen Forschung, Verwaltung, Einsatzorganisationen und Gemeinden noch enger miteinander verbinden und vom Wissen ins Handeln kommen“, appellierte Andreas Schaffhauser.

„Gerade angesichts des Klimawandels müssen wir heute die richtigen Weichen stellen, um unsere Wälder und unsere Bevölkerung bestmöglich zu schützen. Mit der dynamischen Waldtypisierung haben wir in der Steiermark ein wertvolles Instrument, das aufzeigt, welche Baumarten an welchen Standorten auch unter den Klimabedingungen der Zukunft bestehen können. Dieses Wissen müssen wir konsequent in die Praxis bringen. Gleichzeitig stärken wir den Hochwasserschutz sowie die Wildbach- und Lawinenverbauung. Vorausschauender Schutz ist eine Investition in die Zukunft unseres Landes“, so die steirische Landesrätin Simone Schmiedtbauer, die gemeinsam mit Schaffhauser, dem Klima- und Energiefonds sowie Vertreter:innen der Region die Veranstaltung eröffnete.

Mitorganisatorin Margit Schlagbauer, KLAR!-Managerin der Ökoregion Kaindorf ergänzte: „Als KLAR!-Region suchen wir laufend nach Lösungen für die Herausforderungen des Klimawandels und der zunehmenden Naturgefahren. Deshalb unterstützen wir Formate wie die Naturgefahrentagung mit voller Überzeugung. Wir freuen uns besonders, dass es gelungen ist, diese bedeutende Veranstaltung nach Ebersdorf in die Steiermark zu holen. Gerade unsere Region hat in den vergangenen Jahren erfahren, wie wichtig Vorsorge, Anpassung und Zusammenarbeit sind.“

Ein besonderes Augenmerk lag in diesem Jahr auch auf der Einbindung der nächsten Generation. So nahmen Schüler:innen der Landwirtschaftlichen Fachschule Kirchberg am Walde teil und konnten sich aus erster Hand über aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze im Umgang mit Naturgefahren und dem Klimawandel informieren. Als zukünftige Land- und Forstwirtinnen und Landwirte werden sie maßgeblich dazu beitragen, unsere Kulturlandschaft zu gestalten und die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln zu sichern. Umso wichtiger ist es, ihnen bereits heute das notwendige Wissen und praktische Werkzeuge für eine klimafitte und nachhaltige Bewirtschaftung mitzugeben. Die Tagung bot dafür wertvolle Einblicke und zeigte auf, wie Vorsorge, Innovation und angepasste Bewirtschaftungsmethoden dazu beitragen können, Landwirtschaft und Ernährungssicherheit auch in Zukunft zu gewährleisten.

Lösungen sichtbar machen, Vernetzung stärken

Die Naturgefahrentagung gilt als zentrales Forum für den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis. GeoSphere Austria übernimmt hier die Koordinierung und ist für die nationale Umsetzung der Aktivitäten des Büros der Vereinten Nationen für die Verringerung des Katastrophenrisikos zuständig. Ziel ist es, gemeinsam mit den KLAR! Regionen in die Gemeinden zu kommen, wo letztendlich die Bevölkerung von Extremereignissen getroffen wird und rasch Entscheidungen gefällt werden müssen.
Unter dem Leitgedanken „Gemeinden lernen von Gemeinden“ werden wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischen Erfahrungen verknüpft, erfolgreiche Lösungen sichtbar gemacht und die Vernetzung zwischen Gemeinden, Einsatzorganisationen, Verwaltung und Forschung sowie Landwirt:innen, Forstwirt:innen und Regionalmanager:innen gestärkt.

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

error: (c) by salzTV