GeoSphere Austria: Heuer bereits 49 spürbare Erdbeben in Österreich

Am Freitag, den 09. Oktober 2026, ereignete sich um 06.46 Uhr bei Sistrans, südöstlich von Innsbruck, ein Erdbeben der Magnitude 3,1. Es war der bereits 28. spürbare Erdstoß in Tirol im Jahr 2026. Laut den Expert:innen des Erdbebendienstes von GeoSphere Austria handelt es sich um eine temporär erhöhte Aktivität, die zwar unüblich ist, in der Region aber bereits mehrmals aufgetreten ist. Die Beben erreichten Magnituden bis 3,8 und wurden von vielen Personen teilweise deutlich wahrgenommen. Schäden an Gebäuden sind allerdings bislang keine bekannt und bei dieser Stärke auch nicht zu erwarten.

„Seit Anfang August haben wir eine erhöhte seismische Aktivität im Raum Innsbruck–Hall registriert. In diesem Zeitraum ereigneten sich mehr als 270 Erdbeben, 28 davon waren spürbar“, erklärt Maria Papí‐Isaba, Leiterin des Erdbebendienstes von GeoSphere Austria. „Die Aktivität konzentriert sich aktuell auf drei Bereiche: östlich von Hall, südöstlich von Innsbruck sowie nördlich von Innsbruck.“ Eine solche Häufung spürbarer Ereignisse ist zwar nicht alltäglich, tritt in Tirol aber in unregelmäßigen Abständen immer wieder auf, wie beispielsweise zuletzt die Serie in Waidring 2024. Insgesamt hat der Erdbebendienst 2026 in Österreich bislang 1.163 Erdbeben gemessen (49 davon spürbar), 708 davon allein in Tirol.

Tektonische Störungszone in Tirol

In Tirol habe man es mit einer „tektonischen Störungszone“ zu tun, betont Papí‐Isaba. „Es handelt sich um eine Schwächezone in der Erdkruste. Die Platten möchten gerne aneinander vorbeigleiten, die Spannungen werden im Untergrund zu hoch für das Gestein, es kann nicht mehr standhalten, es kommt zum Bruch und wir verspüren es als Erdbeben“, sagt die Seismologin. Generell gilt Tirol als das Bundesland mit den meisten Erdbebenaktivitäten. Das bisher stärkste Ereignis der aktuellen Tiroler Aktivitätsphase südöstlich von Innsbruck hatte am 26. September eine Magnitude von 3,8 – gefolgt vom Ereignis am 7. Oktober mit 3,7.

Noch weitere Störungszonen in Österreich

In Österreich gibt es noch einige weitere Störungszonen. Das Mur-Mürz-System in der Steiermark sowie das Wiener Becken, die Ostalpen-Störungssysteme wie die Pustertal-Gailtal-Störung, die Katschberg-Störung und die Lavanttal-Störung in Kärnten sowie die Nordalpine Überschiebung im Nordosten Österreichs. Die höchsten Magnituden in den vergangenen Jahren wurden in der Wiener Becken & Mur-Mürz-Störung registriert. Im Frühjahr 2021 erreichten zwei Beben im Raum Neunkirchen die Stärken 4,5 und 4,6. Im Februar 2024 wurde bei Schottwien am Semmering ein Erdstoß mit der Magnitude 4,5 gemessen, im März 2023 einer bei Ebreichsdorf mit 4,3. Das stärkste Erdbeben des heurigen Jahres ereignete sich im Juli bei Schottwien mit einer Magnitude von 4,4. Dabei entstanden auch leichte Schäden, wie etwa Risse im Verputz von Hausmauern.

Kein Hinweis auf stärkeres Erdbeben

„Tirol gehört grundsätzlich zu den seismisch aktivsten Regionen Österreichs. Phasen mit erhöhter Erdbebenaktivität treten immer wieder auf“, erklärt Maria Papí‐Isaba. „Weitere Erdbeben und verspürte Nachbeben sind möglich. Zeitpunkt und Stärke zukünftiger Ereignisse können jedoch nicht vorhergesagt werden.“ Aus der aktuellen Aktivität gebe es derzeit keinen Hinweis darauf, dass unmittelbar ein stärkeres Erdbeben bevorstehe. „Wir beobachten die Entwicklung weiterhin laufend“, versichert die Leiterin des Erdbebendienstes der GeoSphere Austria. Wahrnehmungsmeldungen aus der Bevölkerung seien für die Auswertung der Auswirkungen besonders wichtig und können über das Wahrnehmungsformular auf der Website von GeoSphere Austria oder über die App „QuakeWatch Austria“ übermittelt werden.

Stärkste Erdbeben in Österreich

Das stärkste Erdbeben der jüngsten österreichischen Geschichte ereignete sich am 16. April 1972 in Seebenstein (NÖ) mit einer Stärke von 5,3. Die Folgen waren bis Wien spürbar, wo die Feuerwehr zu etwa 400 Einsätzen gerufen wurde. Damals stürzten Teile der Balustrade der Wiener Universität herab und zahlreiche Schornsteine im Stadtgebiet wurden beschädigt. Am 8. Oktober 1927 verursachte ein Beben der Stärke 5,2 in Schwadorf bei Wien irreparable Gebäudeschäden. Als stärkstes Erdbeben überhaupt in Österreich gilt jenes vom 15. September 1590 am Riederberg bei Wien. Damals stürzten in Wien zahlreiche Kirchtürme ein, es gab auch Todesopfer zu beklagen. Die geschätzte Magnitude betrug 5,7 bis 6,0.

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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