Am 2. September 1886 wurde das Sonnblick Observatorium in den Hohen Tauern eröffnet. Das Observatorium, das als echte Pionierleistung in weniger als einem Jahr erbaut wurde und als reine Wetter-beobachtungsstation in exponierter Höhenlage startete, ist heute viel mehr. 140 Jahre später zählt es zu den weltweit höchst gelegenen, ganzjährig besetzten meteorologischen Beobachtungsstationen und international bedeutenden Forschungsstandorten für Meteorologie, Klima- und Umweltforschung.
„Unser Observatorium am Hohen Sonnblick liefert seit 1886 durchgehend Daten über Wetter, Klima und Gletscher – und damit weltweit einzigartige Datenreihen in dieser Höhenlage. Wir sind dankbar, am Hohen Sonnblick seit nunmehr 140 Jahren unter ganz besonderen Bedingungen Forschung auf höchstem Niveau in den Bereichen Meteorologie, Umwelt und Klima betreiben zu können – weitgehend unbeeinflusst von durch menschliche Aktivitäten verursachten Emissionen“, erklärt Andreas Schaffhauser, wissenschaftlicher Generaldirektor GeoSphere Austria anlässlich des 140-Jahre Jubiläums des Sonnblick Observatoriums.
Wie alles begann …
Vor 140 Jahren versammelten sich rund 80 Festgäste an einem Ort, den sie nur unter größten Anstrengungen überhaupt erreichen konnten: den Gipfel des 3.106 Meter hohen Rauriser Sonnblicks in den Hohen Tauern. Es galt, einen Wetterturm feierlich einzuweihen, in denen das Wetter nicht nur beobachtet, sondern auch akribisch dokumentiert werden sollte.
Es war eine außergewöhnliche Pionierleistung, die der überaus technikaffine Betreiber des örtlichen Goldbergbaus, Ignaz Rojacher (1844 bis 1891), mit seinen Mannen vollbrachte. Rojacher war es auch, der Julius von Hann (1839 bis 1921) den Gipfel des Sonnblicks für die Errichtung eines Observatoriums vorschlug. Hann, Direktor der k. k. Central-Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus, hatte längst die Notwendigkeit permanenter Beobachtungsstationen im Hochgebirge erkannt. Der Alpenverein übernahm die Kosten für das Holzhaus, die Österreichische Meteorologische Gesellschaft kümmerte sich um die Finanzierung des gemauerten Anemometer-Turms, die Telefonleitung vom Gipfel ins 25 Kilometer entfernte Rauris sowie um die Instrumente. Das nötige Geld kam durch Sammlungen zustande, selbst Kaiser Franz Joseph I. steuerte 500 Gulden bei.
Ein Forschungsstandort mit und für die Zukunft
Das Sonnblick Observatorium, an dem die GeoSphere Austria hochempfindliche Messgeräte betreibt, sei ein ganz besonderer Ort, betont Elke Ludewig, Bereichsdirektorin Meteorologie und Regionalstellen: „Wir haben in den vergangenen Jahren die internationale Vernetzung dieses Forschungsstandortes intensiviert und ein Europäisches Center für Wolkenvergleichsmessungen und Standardisierung im Rahmen der europäischen Forschungsinfrastruktur ACTRIS implementiert. Derzeit sind am Sonnblick bei uns rund 25 wissenschaftliche Einrichtungen aktiv.“ Elke Ludewig ist stolz darauf, dass „wir seit 1886 gemeinsam mit unseren nationalen und internationalen Partnerinnen und Partnern Forschungsprojekte durchführen und Messergebnisse bereitstellen können – und das fernab von menschlichen Emissionsquellen“.
Das umfangreiche Messprogramm des Sonnblick Observatoriums wird von unterschiedlichen Institutionen getragen. Die wichtigen Langzeit-Monitoring-Projekte werden vor allem vom Umweltbundesamt (UBA), der Universität für Bodenkultur (BOKU) und der Technischen Universität Wien (TU Wien) unterstützt; wie auch vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF), dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) sowie den Ländern Kärnten und Salzburg.
Trotz turbulenter Jahre nur drei Tage unbesetzt
Das Sonnblick Observatorium durchlebte in seinen bisherigen 140 Jahren turbulente, mitunter schwere Zeiten. Gerade dann, wenn es auch den Menschen im Tal schlecht ging und Nahrungsmittel knapp wurden. Dennoch ist die Forschungsstation seit Anbeginn ihres Bestehens fast ohne Pause besetzt. „Es gibt lediglich eine einzige Lücke von drei Tagen nach Ende des Ersten Weltkrieges. Dem Beobachter war schlicht und einfach das Essen ausgegangen“, erzählt Schaffhauser.
Auch Geldsorgen prägten viele Jahre lang den Alltag der Betreiber. Sogar die Schließung des Observatoriums rückte in gefährliche Nähe. Der 1892 gegründete Sonnblick Verein bemühte sich ständig, Spendengelder aufzutreiben und staatliche Unterstützung zu organisieren. Kontinuierlich wurde das Observatorium weiterentwickelt.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts zeigten sich am Hohen Sonnblick auch erste Auswirkungen des Klimawandels. Der tauende Permafrost und die damit verbundene Erosion gefährdeten die Infrastruktur. Das Observatorium sowie das benachbarte Zittelhaus standen vor neuen Herausforderungen. 2003 bis 2005 wurde schließlich eine Gipfelsanierung durchgeführt: 39 vorgespannte Daueranker wurden bis zu zehn Meter in den massiven Fels gebohrt und fixiert, Klüfte und Risse mit „Betonplomben“ gefüllt.
Gerade in Zeiten des Klimawandels sind die einzigartigen Langzeitmessungen am Hohen Sonnblick von besonderem Wert. Sie machen Veränderungen über Generationen hinweg sichtbar und schaffen wichtige wissenschaftliche Grundlagen für die Zukunft.
„Vor 140 Jahren war der Bau des Observatoriums eine außergewöhnliche Pionierleistung. Heute ist es unsere Verantwortung, diese einzigartigen Messreihen fortzuführen und das Sonnblick Observatorium als internationalen Forschungsstandort für kommende Generationen weiterzuentwickeln“, so Andreas Schaffhauser.









