Scheu, nützlich und streng geschützt: Zum Weltschlangentag am 16. Juli rückt der Naturschutzbund die Äskulapnatter ins Rampenlicht und wirbt für ein besseres Image für unsere heimischen Schlangen.

Die Äskulapnatter erfüllt wichtige Aufgaben in unseren Ökosystemen, indem sie Bestände von Mäusen und anderen Kleinsäugern reguliert und selbst am Speiseplan von Greifvögeln und anderen Wildtieren steht.
© Wolfgang Schruf
Wer einer Schlange in der Natur begegnet, kann sich glücklich schätzen: Die scheuen Reptilien sind Fluchttiere und meist schon verschwunden, bevor man sie überhaupt bemerkt. Von den sieben heimischen Schlangenarten sind nur zwei giftig – und zwar die Kreuzotter und die Hornotter. Selbst diese beißen jedoch ausschließlich, wenn sie sich bedroht fühlen. Deshalb gilt: Abstand halten und die Tiere niemals anfassen.
Die Äskulapnatter (Zamenis longissimus) ist mit einer Länge von bis zu zwei Metern, wie die Bezeichnung longissimus bereits erahnen lässt, Österreichs größte heimische Schlange. Sie ist ungiftig und für den Menschen ungefährlich. Die Äskulapnatter lebt bevorzugt in warmen, strukturreichen Landschaften und ist dank ihrer ausgezeichneten Kletterfähigkeiten häufig auch in Bäumen oder an Mauern anzutreffen. Aus diesem Grund stehen bei dieser Schlange sogar Eichhörnchen, Bilche und Vögel am Speiseplan. In Österreich kommt sie in allen Bundesländern außer in Vorarlberg vor.
Die falsche Ringelnatter
Junge Äskulapnattern sehen jungen Ringelnattern auf den ersten Blick sehr ähnlich. Beide tragen weiß-gelbliche Nackenflecken. Typisch für die Äskulapnatter ist jedoch ein schwarzer Streifen vom Auge bis zum Mundwinkel sowie ihre glatten, glänzenden Schuppen und das fleckig wirkende Muster, die sich im Erwachsenenalter zu einer meist einfarbigen Färbung entwickeln.
Regulatorin des Ökosystems
Wie alle Schlangen erfüllt auch die Äskulapnatter wichtige Aufgaben in unseren Ökosystemen: Sie reguliert Bestände von Mäusen und anderen Kleinsäugern und dient selbst als Nahrung für Greifvögel und andere Wildtiere. Gleichzeitig ist sie auf vielfältige Lebensräume mit Hecken, Gebüschen, Steinhaufen und sonnigen Rückzugsorten angewiesen.
Potenziell gefährdete Klimagewinnerin
Die größte Bedrohung für heimische Schlangen ist der Verlust ihrer Lebensräume durch intensive Landnutzung und Siedlungserweiterungen. Die Äskulapnatter ist europaweit geschützt und gilt in Österreich als potenziell gefährdet. Doch eine gute Nachricht gibt es: Aufgrund ihrer Vorliebe für Wärme gilt sie als Klimawandelgewinnerin. Die zunehmende Wärme und Trockenheit ermöglichen es ihr, sich auch in zuvor unbesiedelten Lebensräumen auszubreiten. Dieser Vorteil kommt jedoch nur zum Tragen, wenn ihre Lebensräume erhalten und nicht weiter zerschnitten oder zerstört werden. Auch direkte Verfolgung aus Angst oder Unwissenheit sowie der Straßenverkehr setzen den Tieren zu.
Zum Schutz der heimischen Schlangen kann jede und jeder beitragen: Naturnahe Gärten mit Hecken, Totholz oder Steinhaufen schaffen wertvolle Rückzugsorte. Komposthaufen dienen manchen Arten als Eiablageplatz und sollten daher möglichst erst im Herbst umgesetzt werden.
Schlange gesichtet? Um mehr über die Verbreitung unserer heimischen Schlangen zu erfahren, ruft der Naturschutzbund dazu auf, Beobachtungen von Äskulapnatter und Co. via Foto auf www.naturbeobachtung.at oder der gleichnamigen App zu teilen. Die Daten liefern eine wichtige Grundlage für den Schutz dieser faszinierenden und oftmals zu Unrecht gefürchteten Tiere.












