Der Europäische Bienenfresser (Merops apiaster) gilt als einer der schillerndsten Vögel Europas. Ursprünglich fast ausschließlich im Mittelmeerraum beheimatet, hat sich der geschickte Insektenjäger in den vergangenen Jahren zu einem der größten Gewinner der Klimaerwärmung in Österreich entwickelt: Durch die zunehmend trockenen und heißen Sommermonate verschieben sich die Grenzen seines Lebensraums dynamisch nach Norden und Westen.
Laut aktuellen Schätzungen beläuft sich der heimische Bestand mittlerweile auf 1.100 bis 2.200 Brutpaare. „Während die traditionellen Hauptquartiere der Art nach wie vor im Osten liegen – etwa in den Lösshohlwegen des niederösterreichischen Weinviertels oder am Ungerberg bei Weiden am See im Burgenland –, gibt es zunehmend auch erfolgreiche Brutpaare in Oberösterreich, der Steiermark sowie vereinzelte Pioniersichtungen in den alpinen Westbundesländern”, sagt Naturschutzbund-Expertin Carolina Trcka-Rojas.

© Hans Glader
Meisterhafter Flieger und exzentrischer Baumeister
Der Bienenfresser fasziniert nicht nur durch sein leuchtend türkis-, gelb- und rostrot gefärbtes Gefieder, sondern auch durch sein hochentwickeltes Kolonieverhalten. Als Koloniebrüter graben die Paare gemeinschaftlich mit ihren Schnäbeln bis zu zwei Meter tiefe Brutröhren in steile Wandstrukturen. Da sie jedes Jahr neue Röhren anlegen, sind sie auf frisch erodierte oder abgegrabene Steilwände aus Sand, Lehm oder Löss angewiesen. Doch der Verlust geeigneter Brutplätze und die Zerstörung ihrer Jagdhabitate durch Zerschneidung, Intensivierung und zunehmende Störung erschweren die Ausbreitung der Art. Gleichzeitig entstehen in der modernen Kulturlandschaft Ersatzlebensräume: Geeignete Bedingungen findet der Bienenfresser heute häufig in aktiven oder aufgelassenen Schotter- und Kiesgruben.
Ihren Namen verdanken die Zugvögel, die den Winter im südlichen Afrika verbringen, ihrer Spezialisierung auf fliegende Stechinsekten: Bienen, Wespen und Hornissen werden vom „Ansitz” aus ins Visier genommen und in einer rasanten Flugjagd erbeutet. Dabei sind sie so zielsicher, dass beinahe jeder Jagdflug erfolgreich ist. Ein bemerkenswerter Schutzmechanismus verhindert dabei Verletzungen: Vor dem Verzehr schlagen die Vögel ihre Beute systematisch gegen eine Astgabel oder eine Sitzwarte und reiben den Hinterleib der Beute daran, um den Giftstachel zu entfernen. Junge Bienenfresser müssen diese Technik erst erlernen. Daher bekommen Jungvögel häufiger Stiche beim Schlucken ab, was nicht dramatisch ist, da die Art unempfindlicher auf das Gift reagiert als andere Vögel.
Botschafter für den Artenschutz
Für den heimischen Naturschutz ist der farbenprächtige Rückkehrer weit mehr als nur eine optische Bereicherung. „Der Bienenfresser fungiert als wichtiger Bioindikator und Ökosystemarchitekt”, sagt Trcka-Rojas. „Wo die Kolonien erfolgreich ihre Jungen aufziehen, findet man in der Nähe meist strukturreiche Landschaften mit einer hohen Dichte an Fluginsekten. Auch viele weitere Tiere profitieren von den aufgelassenen Höhlennestern.”
Naturschutzbund-Engagement für den Bienenfresser
Der Naturschutzbund Österreich setzt sich aktiv für den Schutz der farbenprächtigen Vögel ein. Im Fokus stehen der Lebensraumankauf und die Pflege von Löss- und Sandsteilwänden, da die streng geschützten Bienenfresser auf solche Brutlebensräume angewiesen sind.
Naturfreikauf, Flächenpflege & Bewusstseinsbildung im Südburgenland
Der Naturschutzbund hat beispielsweise in Neustift bei Güssing eine Sandgrube angekauft, um Bienenfressern einen ungestörten Brutplatz zu sichern. Weitere wichtige Brutkolonien befinden sich unter anderem am Ungerberg in Weiden am See. Um die Steilwände der Sandgrube für den bunten Vogel attraktiv zu halten, müssen sie regelmäßig abgebaggert und von Gebüschen befreit werden. Dies ermöglicht den Vögeln den ungehinderten Anflug und verhindert, dass die Wände zuwachsen. In Zusammenarbeit mit Grundbesitzern, Behörden und Gemeinden führt der Naturschutzbund auch Artenschutzprojekte, regelmäßige Bestandserfassungen sowie Informations- und Bewusstseinsmaßnahmen durch, etwa Naturbeobachtungs-Exkursionen zur bunt schillernden Art.
Regionale Bienenfresser-Vorkommen im Überblick:
• Burgenland & Niederösterreich: Die traditionellen Dichtezentren (z. B. Wagram, Seewinkel, Hainburger Berge) beheimaten große Bienenfresser-Kolonien in Löss- und Sandgruben.
• Wien: Regelmäßige Ansiedlungen an den naturnahen Stadträndern und in den Donau-Auen.
• Steiermark & Oberösterreich: Starke Ausbreitungstendenzen des Bienenfressers in den wärmeren Beckenlagen (z. B. Leibnitzer Feld, Eferdinger Becken) entlang von Flussläufen und Abbaugruben.
• Kärnten, Salzburg, Tirol & Vorarlberg: Noch seltene, aber stetig zunehmende Brutbeobachtungen in klimatisch begünstigten Tal- und Kessellagen wie dem Klagenfurter Becken oder dem Rheintal.
Mehr zum Kolonie- bzw. Jagdverhalten sowie zum ausgeprägten Helfer- bzw. Sozialverhalten der Bienenfresser als Klimagewinner erfährt man in der Ausgabe des druckfrischen Naturschutzbund-Magazins. Zur Bestellung der Sommerausgabe des natur&land-Magazins geht’s HIER.
