Am Hallstätter Gletscher liegt derzeit so wenig Schnee wie noch nie zu dieser Jahreszeit seit Beginn der Messreihe. Nach viel zu wenig Schnee und anhaltend zu warmem Wetter fehlt dem Eis am Dachstein jetzt genau das, was es im Sommer schützt: eine starke Schneedecke.
„Der Dachstein ist kein ferner Warnhinweis, er ist unser Klima-Thermometer vor der Haustür. Wenn dort oben im Frühsommer schon der Schutz fehlt, dann sehen wir sehr konkret, was die Klimakrise mit Oberösterreich macht: Sie nimmt uns Eis, Wasserreserven und ein Stück Heimat“, sagt Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder.
Seit 20 Jahren erforscht ein Team um Klaus Reingruber von BlueSky Wetteranalysen am Hallstätter Gletscher den Schwund des Eises. Die aktuelle Meldung des Forschungsleiters ist deutlich: Noch nie lag zu dieser Jahreszeit so wenig Schnee am Gletscher wie jetzt. Es fehlen im Vergleich zu früheren Jahren rund zwei Meter am Ende des Winters. Diese Schneedecke ist kein Detail für Fachleute. Sie wirkt wie eine weiße Schutzschicht: Solange Schnee am Eis liegt, bleibt der Gletscher besser vor Sonne und Wärme geschützt. Fehlt diese Schicht früh im Jahr, trifft die Sommerhitze direkt auf das „ewige“ Eis. Bereits jetzt sind die ersten ausgeaperten Eisflächen am Hallstätter Gletscher zu sehen. Die sommerlichen Temperaturen im Mai haben auch im Hochgebirge ihre Auswirkungen.
„Wenn Hitze und Trockenheit so weitergehen, droht dem Hallstätter Gletscher heuer der nächste Rekordschwund. Am Dachstein zeigt sich, wie schnell sich unsere Berge verändern. Klimaschutz ist keine abstrakte Debatte. Es geht um unsere Berge, unsere Bäche, unsere Almen und um die Frage, welche Landschaft wir unseren Kindern hinterlassen. Der Dachstein mahnt uns nicht leise, er ruft uns zu: Handeln wir endlich schneller“, sagt Landesrat Kaineder.

Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder und Forschungsleiter Klaus Reingruber warnen vor neuerlichem Rekordschwund der Gletscher am Dachstein.
Fotograf:in: Werner Dedl; Bildrechte: Land OÖ
