Weltbienentag: Heimische Gärten als blinder Fleck der Biodiversitätsförderung

Während von Bäuerinnen und Bauern erwartet wird, mehr Flächen biodivers zu gestalten, bleibt das Potenzial vieler Hausgärten ungenutzt. Anlässlich des heutigen Weltbienentags erklärt der Verein Land schafft Leben: Kreuchen und Fleuchen im eigenen Garten zuzulassen, sichert nicht nur die Artenvielfalt, sondern langfristig auch die regionale Lebensmittelproduktion.

Über 240.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche werden in Österreich gezielt zur Biodiversitätsförderung genutzt. Das entspricht mehr als einem Zehntel der heimischen Agrarfläche. Gleichzeitig wächst in hunderttausenden Hausgärten englischer Rasen – penibel gestutzt und ökologisch wertlos. Für Österreichs rund 700 Wildbienenarten ist das eine Katastrophe. „Wir verlangen von Bäuerinnen und Bauern mehr Einsatz für Biodiversität, während wir unsere Gärten in sterile Grünflächen verwandeln, wo kein einziges Gänseblümchen mehr wachsen darf“, so Maria Fanninger, Gründerin von Land schafft Leben. „Wir stellen Forderungen an die Landwirtschaft, die wir selbst im Alltag nicht leben. Diese Doppelmoral können wir uns nicht leisten.“

Ohne Artenvielfalt keine Lebensmittelvielfalt

Anders als Honigbienen, die als Nutztiere von Imkerinnen und Imkern betreut und geschützt werden, sind Wildbienen auf sich allein gestellt. Viele Arten sind hierzulande gefährdet und stehen unter massivem Druck: Zwischen 2022 und 2025 wurden in Österreich täglich rund 6,5 Hektar Fläche verbaut. Etwa die Hälfte davon wurde dauerhaft versiegelt. Damit sinkt auch die landwirtschaftlich nutzbare Fläche. Verbleibende Acker und Felder werden intensiver genutzt und kleinere Flächen zusammengelegt, um sie effizienter bewirtschaften zu können. Dadurch können auch bewachsene Randstreifen, sogenannte Feldraine, verloren gehen – und mit ihnen wertvolle Rückzugsorte für Bienen und viele andere Insekten. Österreichs Blühflächen gehen also zurück – ein Faktor, der erheblich zum Bienensterben beiträgt.

„Wildbienen zählen zu den wichtigsten Bestäubern überhaupt. Sie sind auf Blüten als Nahrungsquelle angewiesen. Ihre Lebensräume verschwinden jedoch zunehmend“, so Biologin und Bestäubungs-Expertin Kathrin Grobbauer. Maria Fanninger betont, wie eng Bienensterben und Lebensmittelproduktion zusammenhängen: „Ohne Insekten wie Bienen, die zum Beispiel Apfelblüten bestäuben, wachsen keine Äpfel. Wenn die Artenvielfalt verschwindet, verlieren wir langfristig auch unsere Lebensmittelvielfalt. Biodiversität ist kein reines Naturschutzthema – sie ist die Grundlage unserer Lebensmittelversorgung.“

Jeder Quadratmeter zählt: Artenvielfalt beginnt vor der eigenen Haustür

Um die Artenvielfalt zu erhalten, reicht es oft schon, der Natur ein bisschen Platz zu lassen: „Ein paar wilde Ecken mit heimischen Blühpflanzen, Totholz, Steinhaufen oder Wasserstellen machen schon einen großen Unterschied und schaffen wertvolle Lebensräume“, so Grobbauer. „Vielfalt im Garten bedeutet nicht, dass der Garten komplett unordentlich sein muss, sondern das Natürliche zuzulassen und zu fördern.“ Der Weltbienentag ist ein guter Anlass, den eigenen Garten bewusster wahrzunehmen und sich Gedanken darüber zu machen, wie mit wenigen Quadratmetern Großes bewirkt werden kann.

Fotos: Land schafft Leben

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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