Österreichs „Überflieger“ kehren zurück: Wissenswertes zum Weltzugvogeltag

Wir sind mitten im Frühling, alles grünt und sprießt – das lockt auch unsere heimischen Zugvögel zur Rückkehr aus den südlichen Gefilden. Wer dabei die Frühzünder sind, welche „Überflieger“ wir erst erwarten, wer normalerweise das Schlusslicht bildet und wie sich der alljährliche Frühjahrszug gestaltet, verrät der Naturschutzbund anlässlich des Weltzugvogeltags am 11. Mai.

 Das Gros der Schwalben (o.) fliegt soeben in Österreich ein, während der kleine Zilpzalp (u.) als “früher Vogel” hierzulande bereits seit März sein typisches Trällern verbreitet. 
Als Kurzstreckenzieher kehrt der Zilpzalp als einer der ersten aus seinen südlichen Überwinterungsquartieren zurück. © Pixabay, Hans Glader
Während im Herbst der Zug gen Süden im Vordergrund steht, ist das Frühjahr von der Rückkehr vieler Vogelarten geprägt. Diese legen dabei tausende Kilometer zurück, um rechtzeitig zur Brutzeit wieder in ihren angestammten Lebensräumen anzukommen. Ziel ist es, für optimale Bedingungen zur Aufzucht ihres Nachwuchses zu sorgen: steigende Temperaturen, ein wachsendes Nahrungsangebot und längere Tage schaffen ideale Voraussetzungen. Dank stetig steigender Temperaturen haben die Vogeleltern mehr Zeit für die Nahrungssuche, da sich die Zeit für das Wärmen der Jungtiere verringert. Eine hohe Verfügbarkeit proteinreicher Nahrung ermöglicht zudem ein schnelles Wachstum der Jungvögel vor dem Herbstzug. Dank längerer Tage können die Altvögel in kürzeren Abständen Nahrung herbeischaffen, was wiederum die Aufzucht umfangreicherer Gelege ökologisch „rentabel“ macht.

Warum manche früher kommen als andere
Kurzstreckenzieher, die den Winter etwa im Mittelmeerraum verbringen, treffen meist deutlich früher ein als alle anderen Zugvögel. Sie können flexibel auf Wetterbedingungen reagieren und so schneller in ihre Brutgebiete zurückkehren. Zu den Kurzstreckenziehern zählt beispielsweise der Zilpzalp (Phylloscopus collybita), dessen charakteristischer Gesang oft bereits ab März in Österreich zu hören ist. Langstreckenzieher hingegen, die den Winter südlich der Sahara verbringen, haben einen deutlich längeren und kräftezehrenderen Weg vor sich. Sie sind stärker an starre innere Zugrhythmen gebunden und erreichen Österreich daher meist später im Frühjahr, im April oder Mai. Zu ihnen zählen beispielsweise der Mauersegler (Apus apus) und der Neuntöter (Lanius collurio).

Wer wann kommt
Bereits gut etabliert sind vielerorts typische Frühlingsboten wie die Bachstelze (Motacilla alba), die Feldlerche (Alauda arvensis) und der Zilpzalp (Phylloscopus collybita), die bereits seit Februar und März über Wiesen und Gewässer jagen. Auch der Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros) ist schon ab März häufig in Siedlungsnähe anzutreffen. Im April findet der Haupteinflug der Rauchschwalbe (Hirundo rustica) statt, und auch die ersten Mehlschwalben (Delichon urbicum) kehren bereits aus ihren afrikanischen Winterquartieren zurück. Die meisten Individuen der beiden Schwalbenarten kann man jedoch erst im Mai begrüßen. Auch der charakteristische Ruf des Kuckucks (Cuculus canorus) ist mancherorts seit Ende April zu hören – und bildet damit die typische natürliche Klangkulisse, die den Beginn des phänologischen Vollfrühlings markiert. Als Spätankömmlinge gelten Mauersegler (Apus apus) – die Mehrzahl dieser Vogelart, die ihr Leben fast ausschließlich in der Luft verbringt, trudelt erst im Mai ein. Zu den spätesten Heimkehrern gehören die Neuntöter (Lanius collurio), die erst in der ersten und zweiten Maidekade in Mitteleuropa ankommen.

Frühjahrszug als sensibles Naturereignis
Der Vogelzug im Frühjahr ist ein fein abgestimmtes Zusammenspiel aus Umweltbedingungen, genetischer Veranlagung und klimatischen Einflüssen. Veränderungen im Klima können dabei zu Verschiebungen in den Ankunftszeiten führen – mit möglichen negativen Folgen für den Bruterfolg.

Der Naturschutzbund und „Tierisch engagiert“, eine Initiative von Fressnapf, freuen sich über jedes Vogelbild, das auf der Citizen-Science-Plattform www.naturbeobachtung.at oder der gleichnamigen App geteilt wird. Damit trägt man zur Erforschung der gefiederten Freunde bei. Weitere Informationen rund um den Vogelzug und spannende Einblicke in die heimische Natur finden sich im aktuellen Naturschutzbundmagazin „natur&land“.

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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