Mittleres Management entlastet österreichische Schulen – wichtiger Beitrag für Bildungsqualität und Fachkräftesicherung

Österreichs Schulen stehen heute vor immer komplexeren Herausforderungen: Die organisatorischen Anforderungen steigen, die Heterogenität in den Klassenzimmern wächst und der Anspruch, allen Kindern und Jugendlichen bestmögliche Bildung zu bieten, bleibt bestehen. Damit Schulleitungen und Lehrpersonen diesen Aufgaben gerecht werden können und der Fokus auf gelingendem Unterricht sowie individueller Förderung liegt, braucht es starke Teams und gezielte Entlastungen.

Mit der Einführung eines mittleren Managements werden Schulleitungen entlastet und gewinnen mehr Kapazitäten für strategische und pädagogische Führungsaufgaben. Gleichzeitig ermöglicht diese Struktur eine intensivere Begleitung und Förderung der Lehrkräfte und stärkt die Unterrichtsqualität.

Geplante Einführung mit dem Schuljahr 2026/27

Die Einführung eines mittleren Managements an allgemeinbildenden Pflichtschulen ist mit dem Schuljahr 2026/27 geplant. An allen allgemeinbildenden Pflichtschulen stehen künftig zusätzliche, nach Schulgröße gestaffelte Zeitressourcen für Lehrkräfte bereit, die die Schulleitung unterstützen und entlasten:

Für kleine und mittelgroße Schulen bis 13 Klassen sind stufenweise Wochenstunden im Ausmaß von einer bis zu 6 Wochenstunden vorgesehen.
Für große Schulen ab 14 Klassen stehen 10 Wochenstunden, ab 15 Klassen 13 Wochenstunden, ab 16 Klassen 14 Wochenstunden und ab 17 Klassen 15 Wochenstunden zur Verfügung.
(Eine Wochenstunde entspricht zwei Arbeitsstunden.)

Bis zu vier Lehrkräfte je Standort können für administrative und pädagogische Aufgaben sowie Koordinationsfunktionen eingesetzt werden. Die Schulleitung erhält so mehr Autonomie bei Auswahl der Lehrpersonen, Aufgabenverteilung und konkreter Ausgestaltung der Ressourcenverteilung. Ein schlanker Organisationsplan sichert Transparenz und legt fest, welche Verwaltungs- und Managementaufgaben von wem übernommen werden.
Neukonzeptionierung der administrativen Unterstützung an AHS, BMHS und Berufsschulen

Auch für AHS, BMHS und Berufsschulen werden die administrativen Unterstützungsstrukturen weiterentwickelt. AHS- und BMHS-Standorte mit weniger als 8 Klassen erhalten eine zusätzliche Wochenstunde. Der Ressourceneinsatz von Administratorinnen und Administratoren an AHS und BMHS wird flexibilisiert, indem der Deckel für Großschulen aufgehoben wird und die vorhandenen Ressourcen auf mehrere Personen aufteilbar werden. Dadurch wird auch an AHS und BMHS die Bildung von Leitungsteams ermöglicht.

Auch an den Berufsschulen können die für die stellvertretende Schulleitung zur Verfügung stehenden Ressourcen auf mehrere Personen aufgeteilt werden.

Bildung als Schlüssel für die Fachkräfte von morgen

Die Arbeitswelt befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch. Demografischer Wandel und Digitalisierung verändern unsere Gesellschaft und unseren Arbeitsmarkt massiv. Erstmals seit 1950 schrumpft die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Qualifikationen durch technologische Entwicklungen, neue Berufsbilder und den Einsatz von künstlicher Intelligenz.

Der zentrale Schlüssel, um diesen Wandel zu bewältigen, ist Qualifizierung. Bildung beginnt dabei nicht erst in der Schule, sondern bereits in der Elementarbildung. Sie ist die Grundlage für Chancengerechtigkeit und für den späteren Bildungs- und Berufserfolg von Kindern.

Gleichzeitig ist der Ausbau qualitativ hochwertiger Kinderbetreuung ein entscheidender Faktor für bessere Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt: Nur wenn ausreichend Betreuungsangebote vorhanden sind, können Eltern – insbesondere Frauen – Beruf und Familie besser vereinbaren und ihre Erwerbstätigkeit leichter ausweiten. Damit ist Bildungspolitik auch ein wesentlicher Beitrag zur Fachkräftesicherung und zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts.

Fachkräftestrategie als nächster Schritt

Trotz langsamer konjunktureller Erholung steigen die Arbeitslosenzahlen weiterhin, gleichzeitig fehlen in vielen Bereichen Fachkräfte. Österreichweit wurden Ende 2025 insgesamt 51 Engpassberufe identifiziert, besonders im technischen und im Gesundheitsbereich. In den nächsten zehn Jahren werden rund 17 Prozent der Beschäftigten in Pension gehen. Bereits bis 2029 droht eine Fachkräftelücke von rund 51.000 Personen bei mittleren Qualifikationen.

Vor diesem Hintergrund wird die Bundesregierung ab März 2026 eine umfassende österreichische Fachkräftestrategie erarbeiten. Sie basiert auf drei Säulen:

Eine Qualifizierungsoffensive mit besonderem Fokus auf mittlere Qualifikationen und Höherqualifizierung zum Lehrabschluss
Die Stärkung der Lehre und Berufsbildung, inklusive Weiterentwicklung der überbetrieblichen Ausbildung
Internationale Fachkräfte als ergänzendes Potenzial in bestimmten Bereichen
Internationale Fachkräfte sind dabei eine Ergänzung – das größte Potenzial liegt im Inland. Ziel ist es, vorhandene Arbeitskräfte besser zu qualifizieren und stärker in Beschäftigung zu bringen. Gleichzeitig werden bewährte fachliche Qualifizierungsmaßnahmen des AMS weiter vorangetrieben. Mit Juni 2026 wird eine neue Weiterbildungsbeihilfe eingeführt, um arbeitsplatznahe und passgenaue Qualifizierungen stärker zu unterstützen. Zudem wird der Schulungszuschlag vereinfacht, damit längere Fachkräfteausbildungen finanziell besser abgesichert sind.
Rahmenbedingungen verbessern und Potenziale heben

Damit Qualifizierung gelingt, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehören insbesondere der Ausbau von Kinderbetreuung und Pflege, bessere Arbeitsbedingungen, Gesundheitsprävention, Mobilität und leistbares Wohnen. Gerade eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen kann entscheidend zur Fachkräftesicherung beitragen. Dafür braucht es bessere Voraussetzungen für Weiterbildung sowie Anreize und Möglichkeiten für einen Wechsel von Teilzeit in Richtung Vollzeit.

Die Bundesregierung bekennt sich zur Investition in die Aus- und Weiterbildung von Menschen, um den absehbaren Fachkräftebedarf möglichst gut abzudecken. Investitionen in Qualifizierung sind nicht nur Kosten, sondern Investitionen in Beschäftigung, Wettbewerbsfähigkeit und sozialen Zusammenhalt.

Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann:

„Der Wandel am Arbeitsmarkt ist enorm – und wir müssen jetzt handeln, damit niemand zurückgelassen wird. Qualifizierung ist der Schlüssel für sichere Jobs und faire Chancen. Deshalb investieren wir gezielt in Weiterbildung und stärken die aktive Arbeitsmarktpolitik. Gleichzeitig müssen die Rahmenbedingungen stimmen, damit Menschen – insbesondere Frauen – ihre Erwerbstätigkeit ausweiten können. Der Ausbau von Kinderbetreuung ist dafür ein zentraler Hebel.“
Bildungsminister Christoph Wiederkehr:

„Das Mittlere Management wird an unseren Schulen ab dem Schuljahr 26/27 für zusätzliche Entlastung sorgen. Sowohl Lehrkräfte, als auch Direktorinnen und Direktoren können sich mit Einführung dieser sehr wichtigen Personengruppe wieder vermehrt ihren Kernaufgaben widmen, was zu einer weiteren Steigerung der Unterrichtsqualität führen wird. Zudem eröffnet das Mittlere Management Lehrpersonen völlig neue Entwicklungsmöglichkeiten im Beruf!“
Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl:

„Bildung ist eine zentrale Zukunftsinvestition. Jeder Euro, den wir heute in unser Bildungssystem investieren, stärkt die Gesellschaft, unseren Wirtschaftsstandort und die Innovationskraft unseres Landes. Deshalb setzen wir auf strukturelle Entlastung durch die Einführung eines mittleren Managements an Schulen und auf moderne Lehrpläne. Mit der Verankerung von Finanzbildung an Schulen stärken wir gezielt diese Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler. Unser Ziel ist ein Bildungssystem, das junge Menschen praxisnah, auf die Zukunft vorbereitet.“

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

error: (c) by salzTV