Tradition bewahren, Wissen weitergeben und Kultur weiterdenken

Im Heimathaus Neukirchen trafen beim Industriekultur-Symposion am 1. Oktober 2026 Geschichte, Handwerk, Kunst, Wissenschaft und Zukunft aufeinander. Schon der Veranstaltungsort sei dafür bestens gewählt, betonte Herr Jetschko in seiner Begrüßung: Das Heimathaus verbinde die überlieferte Tradition mit einer heute gelebten Kulturpraxis.

Einen besonderen Einblick in diese Verbindung gab Thomas Rost von der traditionsreichen Firma Wendt & Kühn. Das Unternehmen wurde 1915 von Grete Wendt und Margarete Kühn gegründet und ist bis heute vor allem für seine charakteristischen Elfpunkte-Engel bekannt. „Wir verkaufen kein Produkt, sondern ein Gefühl“, so Rost. Authentizität stehe dabei über dem Absatz. Neue Figuren entstehen ausschließlich aus dem bestehenden Musterschatz des Unternehmens. Jährlich verschwinden rund 30 bis 40 Modelle aus dem aktuellen Sortiment – und können Jahre später wieder aufgelegt werden. Die Sammlergemeinde ist groß: Allein in Deutschland erhalten 68.000 Kunden zweimal jährlich kostenlos Post.

Wie eng Kunst, Handwerk und Industrialisierung miteinander verbunden sind, zeigte anschließend Kathrin Pokorny-Nagel vom Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien. Das im 19. Jahrhundert gegründete Museum entstand, damals noch als „Museum für Kunst und Industrie“, im Umfeld der Industrialisierung und des Baus der Wiener Ringstraße. Sein Gründungsgedanke: Kunst und Industrie sollten miteinander verbunden werden. Auch die Ausbildung an der damaligen Kunstgewerbeschule spielte dabei eine zentrale Rolle. Das Salzkammergut war aufgrund seiner Materialien und seiner vielfältigen Handwerkstraditionen schon früh von Interesse. Heute gewinnen Dokumentation, Forschung und die Vermittlung regionalen Wissens erneut an Bedeutung.

Ein besonderer Blick richtete sich auf die KulturEXPO 2027. Martin Honzik, künstlerischer Leiter der KulturEXPO 2027 und Vertreter des Landes Oberösterreich, erläuterte die Idee hinter dem Großprojekt, das sich mit dem kulturellen Erbe, dem Welterbe und insbesondere auch dem immateriellen Kulturerbe auseinandersetzen wird. Die UNESCO wird dabei ein wichtiger Partner sein. Ziel ist es, die unterschiedlichen Welterbestätten nicht isoliert zu betrachten, sondern ihre Zusammenhänge sichtbar und den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Das Salzkammergut wird dabei eine zentrale Rolle spielen. Mit Hallstatt, dem Mondsee und den prähistorischen Pfahlbauten stehen Orte im Mittelpunkt, an denen sich Fragen nach dem Verhältnis von Mensch, Landschaft, Geschichte und kulturellem Erbe besonders deutlich zeigen. Gleichzeitig soll die EXPO den Blick auf jene Formen von Kultur richten, die nicht in Gebäuden oder Sammlungen bewahrt werden, sondern durch Menschen weitergetragen werden: Handwerk, Wissen, Bräuche, Erzählungen und gelebte Traditionen.

Honzik betonte, dass sich die KulturEXPO 2027 als Plattform verstehe, die Wissen sichtbar macht, unterschiedliche Perspektiven zusammenführt und Fragen stellt: Was bedeutet kulturelles Erbe heute? Welche Verantwortung tragen wir dafür? Und wie kann kulturelles Wissen in die Zukunft weitergegeben werden?

Mag. Fritz, Kurator und für die UNESCO tätig, rückte anschließend das immaterielle Kulturerbe in den Mittelpunkt. Die UNESCO verstehe sich nicht als „Erbeorganisation“, sondern als Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation.

Damit schloss sich der Kreis zum Grundgedanken des Symposions: Industriekultur ist weit mehr als die Geschichte von Betrieben und Produkten. Sie öffnet Türen zu Fragen von Identität, Wissen, Handwerk und gesellschaftlicher Entwicklung – und damit zu einer Kultur, die sich ständig weiter verändert.

Podiumsgäste des Symposion.
Personen: Von links nach rechts: Generalsekretär Mag. Martin Fritz Mag. Katharina Pokorny-Nagel MSc Thomas Rost Andreas Murray Dr. Johannes Jetschgo Martin Honzik
Fotograf:in: Astrid Austaller

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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