Nach vier Jahren mit unterschiedlichen Krisen sieht sich der Arbeitsmarkt mit großen Herausforderungen konfrontiert: Die Zahl der Lehrstellensuchenden ist alarmierend, die Altersarbeitslosigkeit steigt stetig an und immer mehr Menschen sind von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Das AMS-Budget darf daher nicht weiter gekürzt werden. „Die Politik muss praxistaugliche Lösungen erarbeiten, und die Wirtschaft darf sich bei der Lehrlingsausbildung nicht aus ihrer Verantwortung stehlen“, sagt AK-Präsident Andreas Stangl.
In den letzten Jahren wurden AMS-Mittel stetig gekürzt, die Inflation wurde nicht abgegolten und die Arbeitslosigkeit stieg aufgrund der anhaltenden Rezessionsfolgen an. Bei den laufenden Budgetverhandlungen werden die Weichen für die künftige Arbeitsmarktpolitik gestellt. Der Plan der Bundesregierung, das Budget unter anderem durch Kürzungen bei Förderungen zu sanieren, trifft die Arbeitsmarktpolitik stark. Sie muss neu ausgerichtet werden. Der massive Wandel der Arbeitswelt Richtung Künstliche Intelligenz, Dekarbonisierung und Nachhaltigkeit bringt auch Veränderungen für die Arbeitnehmer:innen mit sich. Es gilt, diese dabei zu unterstützen, insbesondere wenn Anpassungen mit der Angst vor einem Arbeitsplatzverlust verbunden sind.
Die anhaltenden Rezessionsfolgen haben unter anderem die Langzeitarbeitslosigkeit drastisch ansteigen lassen. Besonders betroffen sind Ältere, Arbeitslose mit gesundheitlichen Einschränkungen oder unzureichender Qualifikation. Mit der schrittweisen Anhebung des Regelpensionsalters ist die Arbeitslosigkeit bei über 60-jährigen Frauen angestiegen.
Doch viele Betriebe sind nach wie vor nicht bereit, Ältere zu beschäftigen. Wenn die Wirtschaft ihrer Verantwortung nicht nachkommt, müssen Arbeitsplätze im gemeinnützigen Bereich vorrangig gefördert werden. Sozialökonomische Betriebe, das kommunale RESTART-Programm, die frühere Aktion 20.000, das Jobgarantieprojekt MAGMA in Niederösterreich sind erprobte Beispiele, die sich innerhalb kürzester Zeit für den Staat rechnen.
Aber auch junge Arbeitnehmer:innen sind von der Entwicklung stark betroffen. Die Zahl der offenen Lehrstellen geht massiv zurück. Angebote zur beruflichen Orientierung und Vorbereitung und die Möglichkeit der überbetrieblichen Lehrausbildung sind für sie unverzichtbar. Zahlreiche Jugendprojekte zeigen, dass mit individueller Betreuung sogenannte „Vermittlungshindernisse“ überwunden werden und Betroffene erfolgreich den Berufseinstieg schaffen können. Pauschale Lehrstellenförderungen erweisen sich allerdings als kaum wirksam, hohe Mitnahmeeffekte machen den Mitteleinsatz wenig effizient. Die Treffsicherheit muss daher deutlich erhöht werden.
Qualifizierung als zentrale arbeitsmarktpolitische Stellschraube
44 Prozent der Arbeitslosen verfügen maximal über einen Pflichtschulabschluss. Der rasante technologische Fortschritt erfordert ständiges Dazulernen, Schulabschlüsse und berufliche Ausbildungen senken deutlich das Risiko, arbeitslos zu werden. Ziel muss es daher sein, Arbeitnehmer:innen für Aus- und Weiterbildung zu interessieren und ihre Qualifizierungspläne aktiv zu unterstützen. Bei entsprechender budgetärer Dotierung kann das AMS relativ rasch die Qualifizierungsaktivitäten ausweiten. Aktuell wird dieser Bereich allerdings gekürzt.
Die AK Oberösterreich fordert daher:
Ein höheres AMS-Förderbudget, um mehr lernwillige Arbeitsuchende unterstützen zu können
Sicherstellen von Berufsorientierungs- und vorbereitungsangebote und der überbetrieblichen Lehrausbildung
Kein Kürzen bei Projekten, die helfen, „Vermittlungshindernisse“ zu überwinden
Eine finanzielle Absicherung der Aus- und Weiterbildung („Qualifizierungsgeld“)
Eindämmen des AMS-„Zwischenparken“ durch „1-Monats-Experience-Rating“ bzw. die Übernahme des Arbeitslosengeldes durch den Betrieb, für den ersten Monat nach der Beschäftigungsbeendigung sowie ein verstärktes Augenmerk des AMS auf das „Zwischenparken“ als Personalstrategie und die strengere Vollziehung des Frühwarnsystems.
Mehr Beschäftigungsförderung für Ältere bis zum Pensionsantritt, verstärkter Einsatz des kommunalen RESTART-Programms und sozialökonomischer Beschäftigungsprojekte







