Wenn Sozialbetreuung Geschichten schreibt

Die Studierenden der Diplomklasse der Caritas-Schule für Sozialbetreuungsberufe Josee in Ebensee laden zu einer eindrucksvollen literarischen Reise ein: Mit viel Einfühlungsvermögen und Kreativität haben sie ihre Erfahrungen in der Begleitung von Menschen mit Behinderungen und älteren Menschen in berührende Kurzgeschichten verwandelt. Unter der Leitung von Deutschlehrerin und Krimiautorin Ulrike Moshammer aus Vöcklabruck entstand so ein Buch mit dem Titel „Herz über Kopf im Betreuungsalltag“. Es ist im Verlag Story one Publishing erschienen.

Es sind Geschichten über die scheinbar kleinen Momente des Alltags: das Backen eines Kuchens, die Begeisterung für Kühe, die Gründung einer Band mit mitreißendem Auftritt, ein berührender Tanz eines Rollstuhlfahrers oder die letzten Worte einer an Demenz erkrankten Frau. Diese haben die Studierenden zu eindrucksvollen Erzählungen aus ihrem Betreuungsalltag inspiriert. „Menschen mit Unterstützungsbedarf werden in unserer Gesellschaft viel zu selten wahrgenommen“, erklärt Caritas-Lehrerin Ulrike Moshammer. „Um die Vielfältigkeit der Sozialbetreuung sichtbar zu machen, wollten wir deshalb nicht nur das Betreuungspersonal, sondern v.a. die begleiteten Menschen für den Moment des Lesens vor den Vorhang holen.“

Als erfahrene Autorin von Regionalkrimis bringt Moshammer ihre Kompetenzen in der Caritas-Schule in Ebensee ein, wo die Berufsausbildungen für Altenarbeit, Behindertenarbeit, Familienarbeit und Behindertenbegleitung angeboten werden. „Die Studierenden sollten aus ihrem Erfahrungsschatz Begebenheiten erzählen, die zeigen, wie abwechslungsreich, schön, aber auch herausfordernd der Betreuungsalltag sein kann. Außerdem sollten die Texte widerspiegeln, wie wichtig in der Sozialbetreuung nicht nur Kompetenz und Fachwissen sind, sondern welch große Rolle Respekt, Wertschätzung, Wohlwollen und Herzlichkeit spielen, selbst wenn nicht immer alles nach Plan läuft. So kam es auch zu unserem Titel ‚Herz über Kopf im Betreuungsalltag‘, “ verrät Ulrike Moshammer.

Die Studierenden David Renner und Samuel Pohn erzählen in ihrer Kurzgeschichte „Der Bus ins Nirgendwo“ von einer 90-jährigen Dame in einem Altenheim, die regelmäßig das Heim verließ, um auf einer der vier nahe gelegenen Bushaltestellen ‚auf ihren Bus zur Arbeit um Viertel nach sechs‘ zu warten. Als schließlich im Wohnbereich eine „Bushütte“ mit Fahrplan „6:15 Uhr“ aufgestellt wurde, saß die Dame sehr oft hier in der beruhigenden Gewissheit, den Bus nicht zu verpassen.

„Im Betreuungsalltag erlebt man oft Situationen, die Potenzial für ein Buch hätten“, so Samuel Pohn. „Aber schnell waren wir uns einig, dass es die Geschichte über die Bushaltestelle werden soll“, ergänzt David Renner. Diese Geschichte habe einen wertvollen Eindruck hinterlassen – und ihnen gefiel der kreativ-unkonventionelle Ansatz, um der Dame Sicherheit zu vermitteln, auf ihr Bedürfnis einzugehen, und ihr v.a. im Winter das Warten an der Bushaltestelle in der Kälte zu ersparen.

Das Schreiben fiel ihnen leicht. „Frau Moshammer hat uns mit ihrer langjährigen Erfahrung als Autorin geholfen, die Geschichte sprachlich zu optimieren“, verrät Samuel Pohn. Mit dem Ergebnis des Buches sind die angehenden Diplom-Sozialbetreuer sehr zufrieden. „Wir sind froh, dass wir diese Chance geboten bekommen haben. Die sehr schöne Realität der Sozialbetreuung sollte gesellschaftlich mehr gesehen werden“, sagt Samuel Pohn.

David Renner schätzt am Sozialbetreuungsberuf die Arbeit mit den Menschen, die einem so viel Dankbarkeit, Freude und gute Energie zurückgeben. Sein Studienkollege Samuel Pohn sieht es ähnlich und ergänzt: „Zudem ändern sich die eigenen Perspektiven. Man lernt viel über das Leben und den Umgang mit anderen und auch mit sich selbst.“ Dinge, die vormals selbstverständlich waren, werden plötzlich wertvoller.

Das Buch „Herz über Kopf im Betreuungsalltag“ ist im Online-Buchhandel bestellbar. Der Reinerlös kommt dem Caritas Wohnhaus invita in Ebensee zugute.

Wer Lust auf einen Sozialbetreuungsberuf hat, kann sich beim nächsten Online-Infoabend am 11.6. um 18 Uhr über die vielfältigen Berufs- und Ausbildungsmöglichkeiten informieren: www.josee.at

v.li. Ulrike Moshammer, Samuel Pohn (Kapperl), David Renner

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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