Streuobstwiesen als Refugien für Wiedehopf & Co: Naturschutzbund sichert wertvolle Lebensräume

Um Streuobstwiesen als wertvolle heimische Biodiversitätshotspots zu bewahren, setzen der Naturschutzbund Burgenland, Oberösterreich und Steiermark auf gezielten Artenschutz – von der seltenen Zwergohreule bis zum Ilzer Rosenapfel. Wie man mit extensiver Bewirtschaftung lebendige Vielfalt retten kann, erfährt man zum Tag der Streuobstwiese am 24. April 2026.

Nicht nur Wiedehopf, Zwergohreule und Wendehals fühlen sich in Streuobstwiesen wohl. Man findet dort auch Tagfalter wie Segelfalter, Weißer Waldportier und Blaukernauge oder Apfelraritäten wie den Ilzer Rosenapfel und viele andere seltene Arten.
© Michael Plöckinger, Gudrun Fuß

Auf Streuobstwiesen – einer traditionellen Form der Landwirtschaft – wachsen locker verstreut verschiedene, meist besonders alte und hochstämmige Obstbäume. Der Landschaftstypus Streuobstwiese eignet sich hervorragend für den Obstanbau, jedoch ebenso für die Grünlandnutzung. Weiters wird er gerne als Heuwiese und auch als Weide für Tiere – vor allem Schafe oder Ziegen – genutzt und extensiv bewirtschaftet. In der Regel bilden der Verzicht auf Pestizide und intensive Plantagenbewirtschaftung sowie die Durchführung einer späten Mahd das Fundament für diesen Artenreichtum. Damit steht die Streuobstwiese im Kontrast zu anderen Obstbewirtschaftungsformen mit typischem Reihenanbau, die maximale Ernteerträge verfolgen.

Die Streuobstwiese zählt zu den artenreichsten Wiesentypen, die in der extensiven Landwirtschaft zu finden sind. Sie dient – nicht zuletzt aufgrund ihres alten Obstbaumbestands – als vielseitiger Lebensraum für eine unglaubliche Menge an Arten. Bestäuber besuchen Obstblüten und diverse Blumen, Käfer nutzen die Mulmhöhlen alter Bäume, frische Krautpflanzen dienen diversen Schmetterlingsarten als Nahrung und die Insektenvielfalt wiederum steht ganz oben auf dem Speiseplan zahlreicher Vogelarten – darunter Steinkauz und Wendehals. So sind Streuobstwiesen wahre Biodiversitätshotspots, die neben der Natur auch für den Menschen von großem Nutzen sind – aufgrund der oft vielfältigen alten Obstsorten, die genutzt werden können, sowie der Gewinnung von Heu bzw. Tierprodukten aus der Weidenutzung. Ebenso sind die meist blumen- und bienenreichen Wiesen für die Honiggewinnung von Bedeutung.

Naturschutzbund Burgenland schützt Tagfalter auf Streuobstwiesen
Auch im Burgenland gelten Streuobstwiesen und alte Obstbäume als prägende Elemente der Kulturlandschaft und sind Lebensraum seltener Tagfalter und vieler anderer Insektenarten. Der Naturschutzbund Burgenland pflegt im Rahmen seines Biotopschutzprogramms sowie mit ÖPUL (Österreichisches Programm für umweltgerechte Landwirtschaft) acht Streuobstwiesen beziehungsweise Magerwiesen mit einzelnen Obstbäumen in Forchtenstein, Kaisersdorf, Strebersdorf, Markt Neuhodis, Rechnitz, Kohfidisch, Kirchfidisch und Kroisegg. Der Naturschutzbund Burgenland setzt sich damit für die bunte Artenvielfalt vor Ort ein – beispielsweise für Tagfalter wie Segelfalter, Weißer Waldportier, Blaukernauge, Feuriger Perlmutterfalter und Flockenblumen-Scheckenfalter.

Naturschutzbund Oberösterreich setzt sich für „Leitarten“ alter Streuobstwiesen ein
Seit 2019 betreut der Naturschutzbund in Oberösterreich annähernd 100 Spezialnisthilfen für den dort seltenen Wiedehopf, alle auf Streuobstwiesen. Um die Wichtigkeit dieses Lebensraums aufzuzeigen, wurden im Jahr 2024 in ausgewählten Gebieten für die Zwergohreule und den Wendehals ebenfalls künstliche Nisthilfen montiert. Besitzer*innen und Bewirtschafter*innen von Streuobstgärten, Naturwiesen und kleinstrukturierten Kulturlandschaften sollen für die immense Wichtigkeit dieser Lebensräume sensibilisiert und dazu motiviert werden, gemeinsam mit dem Naturschutzbund die vom Aussterben bedrohten Brutvögel zu schützen und wieder heimisch zu machen.

 Wiedehopf: In den vergangenen Jahren konnten vermehrt einzelne Individuen im April und Mai als Durchzügler in Oberösterreich beobachtet werden. Dabei lassen sich die Wiedehopfe zur Rast auf mageren, lückigen Wiesen und kurzrasigen Viehweiden nieder. Nicht selten kommt es vor, dass der eine oder andere Vogel bleibt, um hier seine Jungen aufzuziehen. Wichtig ist ein lockerer Baumbestand; häufig sind es alte Streuobstwiesen und kleine Feldgehölze, die neben Deckung ein hohes Angebot an Fäulnis- und Spechthöhlen als Brutplatz bieten. Dauerhaft kurzrasige Flächen mit gleichzeitig schütterer Vegetation und lockerem Bodensubstrat sind für die Nahrungssuche nach Insekten wesentlich. Aufgrund der Bevorzugung warmer Lagen werden in Oberösterreich besonders Südhänge besiedelt.
• Zwergohreule: Die zweitkleinste Eule ist in Oberösterreich ein sporadischer Brutvogel, gilt als stark gefährdet und bevorzugt kleinstrukturierte, baumreiche, halboffene Landschaften mit extensiver Nutzung als Lebensraum. Als Höhlenbrüter ist die Zwergohreule auf das Vorhandensein von größeren Baumhöhlen oder Nistkästen angewiesen. Für das Weibchen entscheidend ist eine hohe Verfügbarkeit an Einzelbäumen als Ansitzwarten während der Brutzeit.
• Wendehals: Auch der gut getarnte Specht, der sich selbst keine Höhlen zimmern kann, ist auf vorhandene Höhlen oder Nistkästen in Streuobstwiesen angewiesen. Darüber hinaus bevorzugt der Langstreckenzieher eine bestimmte Dichte an Wiesenameisennestern, wärmebegünstigte, besonnte und südexponierte Hänge, offenen Boden, freie Böschungen, spät gemähte Wiesen sowie nicht asphaltierte Wege zur Nahrungssuche.

Robuste Apfelrarität auf Fläche des Naturschutzbundes Steiermark
Der Naturschutzbund Steiermark ist stolz auf seine beinahe 1.000 Eigenflächen, die er naturnah bewirtschaftet und pflegt und dadurch für künftige Generationen erhält. Ein aktuelles Beispiel ist eine – durch Spendengelder neu erworbene – Streuobstwiese in St. Marein bei Graz, die sich durch das Vorkommen des Ilzer Rosenapfels, einer speziellen steirisch-endemischen Apfelsorte, auszeichnet. Zur vielfältigen südexponierten Blumenwiese gesellt sich mit mehr als einem Dutzend heimischer Sträucher ein besonders artenreicher Waldsaum. Im Zentrum der Wiese wächst einer der stattlichsten Schneeballsträucher des Landes. 

Ilzer Rosenapfel: Als ursprüngliche Regionalsorte aus der Oststeiermark gilt der Ilzer Rosenapfel heute als Rarität, da er durch die industrielle Landwirtschaft fast vollständig von modernen Erwerbssorten verdrängt wurde. Seine besondere Bedeutung liegt in der natürlichen Resistenz gegen Krankheiten sowie seiner Funktion als wertvoller Genpool für die Züchtung klimaresilienter Obstbäume.

Mit der Sicherung des wertvollen Lebensraums Streuobstwiese schafft der Naturschutzbund ein lebendiges Kulturerbe und unverzichtbare Refugien für seltene Arten.

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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