6 von 18 Schnullern sind nicht gänzlich frei von BPA – Erstickungsrisiko bei Shein-Schnullerset
Die Verwendung von Bisphenol A (BPA) ist in Schnullern und Beißringen zwar seit 2011 gesetzlich verboten. Dennoch können Produkte verunreinigt sein und Spuren von Bisphenol A enthalten. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat nun im Rahmen des EU-geförderten Projektes „ToxFree LIFE for all“ gemeinsam mit europäischen Verbraucherorganisationen Schnuller getestet: Von 18 in Österreich erhältlichen Produkten wiesen sechs Schnuller Spuren von Bisphenol A (BPA) auf. Darüber hinaus zeigte der Test ein Erstickungsrisiko bei einem über Shein bestellten Schnullerset. Dass es auch anders geht, beweisen zwölf getestete Produkte, die sowohl hinsichtlich Schadstoffe als auch in puncto Sicherheit überzeugten und mit „sehr gut“ bewertet wurden. Alle Testergebnisse im Detail sind online unter www.vki.at/schnuller-2026 abrufbar.
Welche Schnuller wurden getestet?
Die für den österreichischen Markt getesteten Marken umfassen: Alvär (Eigenmarke Action), Babylove und Babylove Nature (Eigenmarke dm), Baby Nova, Bibs, Canpol Babies, Grün Specht, Mam, Medela Baby, Nip, NUK, Philips Avent. Zusätzlich wurden zwei Produkte über die Plattform Shein erworben. Der Einkauf erfolgte bei Drogerien, Supermärkten, Online-Babyshops, Online-Naturläden und Online-Plattformen wie Amazon und Shein.
Spuren von BPA wurden in folgenden sechs Produkten nachgewiesen: Babylove nature (Schnuller Naturlatex), Babylove (Schnuller Silikon), Baby Nova (Schnuller), nip (Cherry Natur- Latex), NUK (Space Night) und in einem auf Shein erstandenen Schnuller-Set (2 pcs Set Shiny Luxury Rose Gold Silicone Pacifiers).
Warum ist Bisphenol A problematisch?
Bisphenol A (BPA) ist in der EU als besonders besorgniserregender Stoff (SVHC) eingestuft. Aufgrund seiner Ähnlichkeit mit Östrogen kann er das menschliche Hormonsystem negativ beeinflussen. Eine Exposition mit BPA gerade in sensiblen Entwicklungsstadien wie dem Säuglingsalter wird mit der Entstehung von Unfruchtbarkeit, hormonabhängigen Krebsarten und neurologischen Störungen in Verbindung gebracht.
Wie können Verunreinigungen entstehen?
Es ist gesetzlich mittlerweile verboten, Schnuller und Beißringe mit absichtlich zugesetztem BPA in Österreich in Verkehr zu bringen. „Dass wir dennoch mehrfach BPA nachweisen konnten, liegt daran, dass Verunreinigungen leicht entstehen können, etwa in der Produktionsanlage, beim Verpacken, durch das Verpackungsmaterial selbst oder durch kontaminierte Materialien im selben Produktionsumfeld. Selbst Partikel in der Luft können eine Rolle spielen“, erklärt VKI-Chemikalienexpertin Birgit Schiller. „Gleichzeitig zeigt der Test aber auch, dass manche Hersteller es sehr wohl schaffen, solche Verunreinigungen zu vermeiden.“ Im Test erhielten nur jene Produkte die Bestnote, in denen kein Bisphenol A nachgewiesen wurde.
Wie wurde getestet?
Untersucht wurden die beiden Hauptbestandteile des Schnullers – Mundteil und Schild – auf Bisphenol A. Die angewandte Methode geht über die, in die Jahre gekommene, österreichische Prüfnorm zur Sicherheit von Schnullern (EN1400) hinaus. „Aber es geht hier schließlich um die Gesundheit unserer Kinder“, betont Projektleiterin Birgit Schiller. So wurde etwa statt Wasser mit 20 Grad Celsius eine künstliche Speichellösung mit 37 Grad verwendet, um eine mögliche Freisetzung von BPA realitätsnah zu messen. „Außerdem haben wir auch das Mundstück getestet und nicht nur den Schild, wie es die Norm vorsieht“, ergänzt Birgit Schiller.
Auch der Grenzwert wurde strenger angesetzt: Der in der Norm festgelegte Wert ist mittlerweile nicht mehr zeitgemäß und liegt etwa zehnmal höher als die technisch vermeidbare Menge an BPA in Materialien mit Lebensmittelkontakt (= 1 Mikrogramm pro Kilogramm gemäß EU-Verordnung 2024/3190).
Erstickungsgefahr bei Schnullerset von Shein
Ein über Shein gekauftes Schnullerset fiel aufgrund eines beigefügten Zubehörteils, einer Schnullerkette, durch die Sicherheitsprüfung. Die Bewertung erfolgte mithilfe einer sogenannten „No Choking Test Tube“, einer Teströhre zur Überprüfung des Verschluck- und Erstickungsrisikos für Kleinkinder. „Passt ein Gegenstand in die Teströhre, kann er die Atemwege blockieren“, erklärt Birgit Schiller. „Die Schnullerkette des Sets verschwand vollständig in der Teströhre.“
Der VKI hat den Anbieter schriftlich über diese Problematik informiert. Shein reagierte und bietet das Produkt in seinen EU- und UK-Shops nicht mehr an. „Allerdings ist das gleiche Produkt in einer anderen Farbe weiterhin erhältlich“, kritisiert VKI-Projektleiterin Birgit Schiller. „Das zeigt, dass das grundlegende Problem nicht verstanden wurde. Wir können vor diesem Produkt nur warnen.“
Abgesehen davon bestanden sämtliche Schnuller die mechanische Überprüfung auf Sicherheit, speziell hinsichtlich ihrer Durchstoßfestigkeit, Reißfestigkeit und Bissfestigkeit.
SERVICE: Die ausführlichen Testergebnisse gibt es online auf www.vki.at/schnuller-2026.







