Erschreckende Zahlen: Bürokratie kostet oö. Unternehmen 3,7 Mrd. Euro pro Jahr

WKOÖ-Präsidentin Hummer: Gezieltes Ausmisten ist Gebot der Stunde

Extrem viele bürokratische Vorschriften behindern in Österreich die Unternehmen bei der maximalen wirtschaftlichen Entfaltung. Das belegt eine aktuelle Studie der KMU-Forschung Austria. Demnach kostet die Bearbeitung aller bürokratischen Vorschriften allein die Unternehmen in Oberösterreich heuer rund 3,7 Milliarden Euro. Das ist im nationalen Bundesländer-Vergleich nach Wien der zweithöchste Wert. Diese enormen Kosten ergeben sich laut der KMU-Forschung aus insgesamt 56 Millionen Arbeitsstunden, die allein die Betriebe in Oberösterreich jährlich den Bürokratie-Pflichten widmen müssen. 

„Wir reden hier in etwa von einem halben Arbeitstag pro Woche, den jeder einzelne oö. Betrieb das ganze Jahr über verliert. Das ist im harten Rennen um wirtschaftlichen Erfolg ein Klotz am Bein. Die Regierung muss das für Sommer 2026 geplante zweite Deregulierungspaket dringend darauf ausrichten, unsere Unternehmen wirksam zu entlasten. Besonders auch deshalb, weil alle Betriebe, die international tätig sind, dadurch einen großen Wettbewerbsnachteil haben. Die Konkurrenten aus anderen Staaten haben großteils deutlich mehr Zeit, um sich dem operativen Geschäft zu widmen“, so WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer.

Die Wirtschaftskammer Oberösterreich hat bereits vier Schrauben lokalisiert, an denen heuer dringend gedreht werden muss: 

  • Der überzogene Strafen-Katalog, der ständig wie ein Damoklesschwert über den Betrieben schwebt, muss mit Augenmaß und Hausverstand in Teilen neu geschrieben werden (Entkriminalisierungs-Paket)
  • Vereinfachung von Lohnverrechnung durch Firmen-KFZ-Pauschale und Anhebung der Wertegrenzen bei der Buchführungspflicht; Kahlschlag bei Melde- und Dokumentationspflichten; Harmonisierung von Unternehmens- und Steuerrecht; Verkürzung der Vorsteuer-Abzugszeit für Liegenschaften (Deregulierungs-Paket)
  • Den Arbeitnehmerschutz besser aufstellen. Aus der Zeit gefallene Vorschriften überarbeiten und digitale Werkzeuge nützen, um Schutzbestimmungen zu erfüllen (Arbeitnehmerschutz-Paket 4.0)
  • UVP-Verfahren beschleunigen, Genehmigungen und Nutzungsrechte für Betriebsanlagen erleichtern, Abfallwirtschaftskonzept für Betriebsanlagen streichen, Verfahren durch digitale Möglichkeiten konzentrieren (Verfahrensturbo-Paket)

EU muss dringend selbst gemachte Fesseln lösen

Auch auf EU-Ebene muss die Bürokratie dringend eingedämmt werden. Doris Hummer: „Niemand zweifelt etwa an der Sinnhaftigkeit der EU-Green-Deal-Ziele. Die Umsetzung ist allerdings misslungen. Man hat Betrieben Rucksäcke geschnürt, die sie nicht tragen können und Mitbewerber außerhalb der EU nicht tragen müssen. Wenn die EU-Kommission mit Omnibus-Vorschlägen versucht, ein Deregulierungspaket zu schnüren, dann spürt das die Wirtschaft nicht, weil damit nur wenige Gramm aus den völlig überladenen Rucksäcken herausgenommen werden. Es muss alles radikal eliminiert werden, was Betriebe bei den hochgesteckten EU-Green-Deal-Zielen oder der damit verbundenen Bürokratie überfordert. Das Gleiche gilt natürlich für die Lieferketten-, die Gebäude- und die Entgelttransparenz-Richtlinien. Das EU-System wird kollabieren, wenn nicht in all diesen Bereichen bald die Bürokratiestopp-Taste gedrückt wird.“

Über den Autor

Markus Raich
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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