Berufsorientierungs-Kongress der Wirtschaftskammer OÖ untersuchte die Lebenswelt Jugendlicher
Sie sind zwischen 2010 und 2025 geboren, kennen keine Welt ohne Smartphone und Social Media, dafür Lockdown und Homeschooling. Was bedeutet diese Prägung der sogenannten „Generation Alpha“ für den Berufsweg der Jugendlichen und wie gehen Schulen und Betriebe damit um? Das diskutierten mehr als 150 Lehrerinnen und Lehrer sowie Ausbildungsverantwortliche aus Unternehmen beim Berufsorientierungskongress 2026 der Wirtschaftskammer Oberösterreich und der Volkswirtschaften Gesellschaft OÖ am 8. April in Linz.
Talente entdecken
WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer verwies in ihrem Eingangsstatement auf die Bildung und Berufsorientierung als wesentliche Aufgabe der Wirtschaftskammer. „40 Prozent unseres Budgets gehen dorthin, denn die Berufs- und Ausbildungsentscheidung ist eine der wichtigsten für junge Menschen. Jeder Mensch hat Begabungen und unser Fokus liegt darauf, diese Talente zu entdecken – durch eigene Angebote wie die Potenzialanalyse oder dem Talent Space, aber auch in der Kooperation Schule und Wirtschaft. Wir unterstützen die Lehrkräfte dabei, Berufsorientierung professionell, praxisnah und wirksam zu gestalten.
Leistungswillen vermitteln
In der Gesprächsrunde am Podium kamen Unternehmer Bernhard Aichinger, Präsident der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft OÖ, Schulqualitätsmanagerin Edith Kern-Klambauer (Bildungsdirektion OÖ) und Gregor Dietachmayr, Geschäftsführer von Pöttinger Landtechnik und Bildungssprecher der Sparte Industrie der WKOÖ, zum Schluss: Leistungswillen zu vermitteln ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Arbeitswelt entwickelt sich weiter, da ist Anpassungsfähigkeit von Unternehmen genauso wie von den Mitarbeitern gefragt. Denn letztlich müssen sich die Unternehmen immer am Markt, am Kunden ausrichten. Sie müssen gerade in Österreich um das besser sein, was sie teurer sind. Die Basis dafür ist das gute Ausbildungsniveau. Umso wichtiger ist es, den jungen Menschen grundlegend Sinn zu vermitteln und sie zu unterstützen, aus ihren Talenten etwas zu machen. Zum Beispiel haben die Jugendlichen durch Social Media eine hohe digitale Affinität. Daraus gilt es, digitale Kompetenzen zu machen.
Laub rechen am „Tu-es-Tag“
Aus der Perspektive einer Jugendlichen berichtete Leonie Wagner, die eine Lehre als Maschinenbau-Technikerin begonnen hat. Ihr ist eine Arbeit wichtig, die sie jeden Tag gern macht. Welche Auswirkungen der digitale Medienkonsum auf die Schülerinnen und Schüler haben kann, zeigte Mittelschul-Direktorin Isabella Schweitzer aus Alkoven auf: Durch die Digitalisierung gehe das so wichtige Lernen durch Beobachtung verloren, alles ist nur mehr virtuell. Dagegen wurde in ihrer Schule der „Tu-es-Tag“ eingeführt, an dem die Schüler ins Tun kommen sollen – und sei es nur mit kleinen Aufgaben wie Laub rechen.
Radikal veränderte Lebens- und Arbeitswelt
Generationenforscher und Autor Rüdiger Maas („Generation arbeitsunfähig“) nahm das Publikum mit in die Lebens- und Denkwelten einer Generation, die gar nicht so digital fit, nachhaltig und faul sei, wie sie vorurteilshaft dargestellt werde. Vielmehr habe sich die Lebenswelt der Jugendlichen radikal verändert. Ein Beispiel ist der Einstieg in den Arbeitsmarkt: Wo man sich in früheren Generationen gegen 100 Mitbewerber durchgesetzt hat und entsprechend motiviert an die Arbeit gegangen ist, können sich heute viele Bewerber zwischen drei Jobs entscheiden. Dadurch entsteht ein Gefühl ständiger Unzufriedenheit und somit eine andere Erwartung, etwa an Führung und Arbeitsklima. Maas gab zu bedenken, dass neben der Demografie der Einfluss der Erwachsenen eine große Rolle spielt: Helikopter-Eltern und Erwachsene, die sich jugendlich geben – sie alle greifen viel stärker in die Lebenswelt der Jungen ein als früher, wodurch diesen weniger eigene Wirk- und Lebensräume übrig bleiben. Einer davon sind Social Media, wo Likes zum Maßstab für Selbstwert werden.

(v. l.) Bernhard Aichinger (Präsident Volkswirtschaftliche Gesellschaft OÖ), Edith Kern-Klambauer (Bildungsdirektion OÖ), WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer und Gregor Dietachmayr, Bildungssprecher der Sparte Industrie der WKOÖ
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