Der Titel mag verwundern, doch am 13. April ist der „Ehrentag der Pflanze“, und aus diesem Anlass weist der Naturschutzbund auf den Wert unserer heimischen Pflanzen hin und beleuchtet exemplarisch einige „ehrenhafte“ Gewächse aus biologischer, historischer und mythologischer Perspektive.



Grüne Symbole der Ehre: Der Lorbeer, der Ehrenpreis und die Eiche verkörpern botanisch wie kulturhistorisch höchste Anerkennung. Während Lorbeer und Eiche seit der Antike für Sieg und Beständigkeit stehen, trägt der Ehrenpreis die Wertschätzung bereits in seinem biologischen Namen.
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Ehre, wem Ehre gebührt: Der Lorbeerkranz
Die wohl bekannteste Pflanze, die mit Ehre in Verbindung gebracht wird, ist der Lorbeer (Laurus nobilis) – eine mediterrane Pflanze, die hauptsächlich im Mittelmeerraum vorkommt und bereits im antiken Griechenland und dann auch im Römischen Reich für Ruhm, Sieg und Ehre stand. Die zu einem Kranz gebundene Pflanze wurde – als höchste Auszeichnung außergewöhnlicher Taten – sowohl im Kriegerischen als auch im Politischen oder Sportlichen vergeben und krönte den Kopf der geehrten Person. Doch auch geistige Leistungen wurden mit Lorbeeren bedacht. So entstand der Begriff „Laureat“, der einen Preisträger aus den Sparten Wissenschaft, Kunst oder Literatur bezeichnete.
Weshalb der Lorbeer für Ruhm und Ehre steht, liegt in der Mythologie begründet: Der Gott Apollo, vom Pfeil des Liebesgottes Eros – als Rache für eine frühere Verspottung – getroffen, hatte sich in die Nymphe Daphne verliebt. Diese wurde von ihrem Vater, dem Flussgott Peneios, in einen Lorbeerbaum verwandelt, um Apollo entkommen zu können. Der verzweifelte Apollo erklärte daraufhin den Lorbeer zu einem heiligen Baum und trägt fortan einen Kranz aus dessen Blättern, um seine Geliebte für immer bei sich zu tragen.
Ehre um jeden Preis: Der Ehrenpreis
Der Ehrenpreis (Veronica) ist eine Gattung, die zur Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae) gehört. Während vor allem die kleinen, krautigen Pflanzen bekannt sind, gehören auch die strauch- und baumförmigen Arten – die früher der Gattung Hebe zugeordnet wurden – zu den Ehrenpreisen. Zu den typischen Vertretern in Österreich zählen der Echte Ehrenpreis (Veronica officinalis), der Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys) und der Persische Ehrenpreis (Veronica persica). Sie alle zeichnen sich durch ihre vierzähligen, meist blauen oder violetten Blüten aus. Man findet sie häufig auf Wiesen, in Gärten oder an Wegrändern, wo sie eine essenzielle Nahrungsquelle für eine Vielzahl von Bestäubern darstellen. Besonders formschön ist zudem der Österreichische Ehrenpreis (Veronica austriaca).
Der Name Ehrenpreis entstand im Mittelalter als Ausdruck höchster Anerkennung für die universelle Heilkraft der Pflanze, die man mit „Lob und Preis“ ehrte. Ebenso ist die Herkunft des Namens mit der angeblichen Kraft gegen Hexen, Unwetter und Krankheiten verbunden. Auch der lateinische Name Veronica (die Siegbringerin) ist an diese angebliche Macht angelehnt. Im Volksglauben galt die Pflanze zudem als Schutzmittel gegen Unwetter, weshalb sie auch den Beinamen „Gewitterblümchen“ trägt.
Die Eiche: Biologie – Mythologie – Geschichte
Eichen (Quercus) sind sommer- oder immergrüne Bäume und Sträucher, die zur Familie der Buchengewächse (Fagaceae) gehören. Als prägende Baumart der Eichenmischwälder sind sie nach den Buchen die zweithäufigste Laubbaumgattung in Mitteleuropa. Eine besonders typische Artvertreterin ist die imposante Stieleiche (Quercus robur). Als die am weitesten verbreitete Eichenart Österreichs mit ihren namensgebenden, lang gestielten Eicheln, kann sie mehr als 1.000 Jahre alt werden. Eichen sind ausnahmslos langlebig, tief wurzelnd und ökologisch unter den wertvollsten Arten im Laub- und Mischwald: Dies liegt vor allem daran, dass ihre großen Kronen und breiten Stämme reichlich tierischen Bewohnern einerseits Lebensraum, andererseits ihre Früchte Nahrung bieten – allen voran Eichelhähern und Eichhörnchen, die nach der Eiche bzw. ihrer Frucht benannt sind.
Auch mythologisch und geschichtlich ist die Eiche tief verwurzelt. Ihren Status als „Königin der Bäume“ verdankt sie der Verflechtung biologischer Stärke mit antiker Verehrung. Da ihre wasserführenden Pfahlwurzeln Blitzeinschläge oft ableiten, war sie den Wettergöttern Zeus und Thor geweiht und wurde zum Symbol für göttliche Gunst und Unbeugsamkeit. Diese Bedeutung manifestierte sich historisch im Eichenlaub als Auszeichnung, wie etwa in der römischen Corona Civica für Lebensretter. Bis heute bleibt das Eichenlaub auf Münzen und Abzeichen ein Sinnbild für Beständigkeit und Heldenmut. Die harte, witterungsbeständige Beschaffenheit ihres Holzes prägte zudem den Begriff der „unerschütterlichen Eiche“, die Vögeln und hunderten Insektenarten als langlebiges „Appartementhaus“ dient.
Naturgemäß gebührt nicht nur Pflanzen, deren Name oder Bedeutung auf Ehre verweisen, Ehre und Aufmerksamkeit. Deshalb freut sich der Naturschutzbund über ALLE Pflanzenbilder, die auf seiner Citizen-Science-Plattform www.naturbeobachtung.at oder der gleichnamigen App hochgeladen und mit Expert*innen geteilt werden, die so mehr über die heimische Pflanzenwelt erfahren, um sie folgend besser schützen zu können. Jedes Foto zählt!









