Wirtschafts- und Forschungs-Landesrat Markus Achleitner: „Veranstaltung Zukunft.Produktion 2026 hat aufgezeigt, wie Produktion branchenübergreifend automatisiert, robotisiert und digitalisiert werden kann“
„In der Fabrik der Zukunft wird mit Künstlicher Intelligenz und Robotik die Produktion noch effizienter, ausfallsicherer und resilienter gestaltet. Das bietet gerade für Oberösterreich als Industrie- und Wirtschafts-Bundesland Nr. 1 die Chance, seine Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich zurückzugewinnen und zugleich auch eine Antwort auf den demografisch bedingten Fachkräftebedarf zu geben“, stellte Wirtschafts- und Forschungs-Landesrat in seiner Video-Begrüßungsbotschaft im Rahmen der Veranstaltung „Zukunft.Produktion 2026“ in Linz fest. „In Oberösterreich treibt der Schulterschluss von Forschung und Wirtschaft die intelligente, automatisierte und digitalisierte Produktion besonders rasch voran, was die Praxisbeispiele, die bei ‚Zukunft.Produktion 2026‘ präsentiert worden sind, eindrucksvoll unterstreichen“, so Landesrat Achleitner.
Oberösterreichs Standortagentur Business Upper Austria hatte gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Oberösterreich zur „Zukunft.Produktion 2026“ in die WKOÖ in Linz geladen. Vertreterinnen und Vertreter verschiedenster Branchen stellten erfolgreiche Praxisbeispiele für die intelligente Produktion der Zukunft vor. 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten sich so über Technologien für die Fertigung von morgen informieren.
„Mit unserer Leitinitiative ‚Automate Upper Austria‘ wollen wir den Automatisierungsgrad heimischer Unternehmen weiter erhöhen. ‚Zukunft.Produktion 2026‘ zeigt auf, wie es gelingen kann, automatisieren, robotisieren und digitalisieren branchenübergreifend umzusetzen. So können Oberösterreich, Österreich und Europa als starke Produktionsstandorte abgesichert und unsere traditionelle Stärke zurückgewonnen werden“, fasst Landesrat Achleitner zusammen.
Jetzt handeln statt aufschieben
Werner Pamminger, Geschäftsführer der Business Upper Austria, hob hervor: „Große Stückzahlen in großen Unternehmen sind schon automatisiert. Wir konzentrieren uns mit der Leitinitiative auf KMU. Ihnen raten wir, Projekte einfach anzugehen, auch wenn es sich laut Controlling und Finanzchef erst in vier Jahren rechnet. Die starken Forschungs- und Unternehmensstrukturen in Oberösterreich bieten dafür einen Vorteil.“
In dieselbe Richtung appellierte Michael Pecherstorfer, Vizepräsident der WKOÖ: „Nicht aufschieben. KI ist die Chance, wie wir aktiv nutzen müssen. Digitalisierung und Automatisierung sind der Hebel für die Wettbewerbsfähigkeit.“ Stephan Kubinger, Innovationssprecher der Sparte Industrie in der WKOÖ, ergänzte: „Mit humanoider Robotik kommt eine Welle mit riesigen Chancen auf uns zu. Das Thema wird uns dominieren und uns beim Fachkräftebedarf helfen. Unternehmen sollten jetzt überlegen, wie ihr Geschäftsmodell in vier Jahren aussehen wird und dann handeln.“
„Dafür braucht es Mut, Engagement und eine klare Haltung. Unternehmen müssen sich auch für Disruption öffnen“, bekräftigte Christiane Tusek, Vizerektorin für Finanzen und Entrepreneurship der JKU Linz. Sie hob die Rolle der Forschung hervor: „Wir müssen neue Wege gehen für Wirtschaft und Industrie. In Zeiten wie diesen wird entscheidend sein, ob eine Volkswirtschaft über Wissen und Innovation verfügt. An der JKU arbeiten viele Expertinnen und Experten zu AI, daraus entstehen erfolgreiche Spin-offs.“
Physische KI verändert die Industrie
Der Fokus sowohl bei den Fachvorträgen als auch bei den Best-Practice-Beispielen lag auf physischer KI bzw. „Embodied AI“. Darin liegt für Thomas Bauernhansl vom Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung ein Schlüssel. Seine These: „Wahre Intelligenz kann nur entstehen, wenn die KI einen Körper hat, mit der Umwelt interagieren und etwas ausprobieren kann. Beispiele dafür sind humanoide Roboter, kompetente Maschinen oder autonome Fahrzeuge und Drohnen.“ Ihm ist klar, dass Investieren in physische KI teuer und risikoreich ist, daher sei Kooperation unumgänglich, weil einzelne Unternehmen die Herausforderungen nicht alleine stemmen können. Bauernhansl stellte daher klar: „Wenn wir in zehn Jahren noch relevant sein wollen, müssen wir uns alle verändern. Weitermachen wie bisher wird nicht funktionieren.“
Die nächste große KI-Entwicklung werde nicht mehr im Digitalen, sondern in der realen Welt stattfinden. Davon ist Michael Haslgrübler von Pro2Future überzeugt. „Physische KI ist in Oberösterreich bereits Realität“, schilderte er. Pro2Future arbeitet seit Jahren eng mit Unternehmen an diesen Technologien. Physische KI begleitet den Produktionsalltag, sieht Defekte vorher, fertigt Produkte, greift und bewegt Objekte und unterstützt den Menschen mit Systemen wie Exoskeletten körperlich. Haslgrübler betonte: „Die Entwicklung muss am Standort stattfinden. Wenn wir physische KI nicht beherrschen, wandert die Wertschöpfung ab. Das gefährdet unseren Wohlstand.“
Innovationen made in Oberösterreich
Ümit Bas von Iono Robotics entwickelt in Linz humanoide Robotik für Produktionsbetriebe: „Wir positionieren uns bewusst als europäische Alternative zu Anbietern aus den USA und China. Ein zentraler Vorteil ist die Datensouveränität. Oberösterreich bietet ideale Bedingungen: viele produzierende Betriebe auf engem Raum und damit viele konkrete Anwendungsfälle, die sich rasch automatisieren lassen.“ Der erste Roboter soll noch in diesem Quartal beim Kunden stehen.
Aus Rainbach im Mühlkreis stammt Roboter „Chipsi“. Er stellt aus rohen Erdäpfeln mit Zutaten aus der Region Lockenchips her. Die Idee stammt von Jakob Hörbst und seiner ERNI und Enkerl GmbH, die Automatisierungslösungen für Gastronomie und Tourismus entwickelt. Im Waldpark Hochreiter in der Steiermark können Besucherinnen und Besucher „Chipsi“ bei der Arbeit zusehen.
Leistbar heißt modular und skalierbar
Damit Investitionen in Automatisierung, Robotik und KI auch leistbar und vor allem nachhaltig sind, haben oberösterreichische Anbieter und Hersteller gemeinsam mit Produktionsbetrieben praktikable Lösungen entwickelt. Diese sind modular, auf weitere Anwendungsfälle skalierbar und brauchen auch meist weniger Platz als herkömmliche Industrie-Roboterkonzepte.
Stranger Maschinenbau hat beispielsweise für TCG Unitech die Prüfautomation für Gehäuse-Bauteile modular, effizient und risikominimiert entlang des gesamten Produktlebenszyklus vollautomatisiert. Ergebnis sind deutlich geringere Investitionskosten und maximale Flexibilität für Varianten bei Marktveränderungen. Danube Dynamics hat für Aspöck Systems die bisherige manuelle Prüfung von Fahrzeugleuchten zu hundert Prozent KI-basiert automatisiert. Das System ist wiederverwendbar und entwickelt sich weiter. Auch die Lösung von Promot Automation für mobile Roboter von KUKA beim Autozulieferer ZF lässt sich schrittweise erweitern und steigerte die Produktivität um 20 Prozent. Modulare Hard- und Software von Lenze Austria fungiert als „Dream-Team“ für flexible Intralogistik bei Vectron Logistics.
Risiko minimieren, Chancen nutzen
Das Risiko hoher Investitionen minimieren – darum geht es im EDIH-AI5Innovation-Programm „Test-Before-Invest“. Es ermöglicht Betrieben, neue Technologien vor einer Investition unter realen Bedingungen zu erproben. In einer Breakout-Session präsenterte der Mechatronik-Cluster Use Cases von Unternehmen, die das Programm bereits genutzt haben. Die EU-Kommission und das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus fördern „Test-Before-Invest“-Projekte zu 100 Prozent.
Menschliches Fachwissen trainiert KI
KI besitzt auch großes Potenzial, den Ressourcenverbrauch zu optimieren. Roman Froschauer von der FH Oberösterreich verdeutlichte dies mit Zahlen: Viele Maschinen arbeiten nur 28 % ihrer Einschaltzeit produktiv, der Rest ist Leerlauf und kostet Energie. Mit „Hybrid Modelling“ können Unternehmen vorhandenes Prozesswissen der Fachkräfte mit den Stärken moderner KI verbinden, so die Trainingszeiten für die KI verkürzen und den Energieverbrauch reduzieren.
Prozesswissen von Fachkräften trainiert auch die Augmented Reality von Mkey Solutions. Sie unterstützt Mitarbeitende bei Montage und Fertigung, führt sie durch Arbeitsabläufe, reduziert Fehler und sorgt dafür, dass neue Mitarbeitende schneller eingeschult sind. Mkey ist auch ein Partner und Anbieter für smarte Sensorik. Mit dieser Technologie als Voraussetzung für intelligente Fertigung beschäftigte sich das bayerisch-österreichische Interreg-Projekt SINOPES. Das Projektteam präsentierte bei der „Zukunft.Produktion 2026“ die Ergebnisse und einen Ausblick auf künftige Entwicklungen.
Entscheidender Faktor: Vertrauen
Entscheidend bei der Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI ist das menschliche Vertrauen in die KI. Sandra Maria Siedl vom LIT Robopsychology Lab der JKU Linz erklärte: „Menschen müssen nachvollziehen können, warum eine KI zu einer Entscheidung kommt.“ Wenn Menschen also verstehen, wie die KI „denkt“, akzeptieren sie sie besser, treffen selbst häufiger richtige Entscheidungen und erkennen Fehlentscheidungen schneller.

Wirtschafts- und Forschungs-Landesrat Markus Achleitner bei seiner Video-Begrüßungsbotschaft im Rahmen der Veranstaltung „Zukunft.Produktion 2026“. Foto: cityfoto/Roland Pelzl







