Warum manche Schmetterlinge flexibel und andere auf ganz bestimmte Pflanzen und Ameisen spezialisiert sind, erklären Naturschutzbund und UBA und rufen gemeinsam zum Schutz unserer heimischen Tagfalter auf. Jede dokumentierte Beobachtung hilft bei der Entwicklung der neuen „Rote Liste der Tagfalter Österreichs“!


Der Schwarze Apollo (l.) und der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling sind beide Spezialisten unter den Tagfaltern. © Pixabay, Martin Strasser
Schmetterlinge sind nicht nur farbenfrohe Schönheiten, sondern wichtige Akteure unserer Natur. Als Bestäuber tragen sie zur Fortpflanzung zahlreicher Pflanzen bei und sind zugleich eine bedeutende Nahrungsquelle für viele andere Tiere, wie Vögel, Sägetiere und Spinnen. Während einige Tagfalter bei der Wahl ihrer Lebensräume und Nahrung ausgesprochen anpassungsfähig sind (Generalisten), benötigen andere ganz bestimmte Bedingungen, um ihren Lebenszyklus zu vollenden (Spezialisten). Der Naturschutzbund und das Umweltbundesamt (UBA) rufen dazu auf, Tagfalter und ihre Raupen zu beobachten, fotografisch zu dokumentieren und für die Erstellung der neuen „Rote Liste der Tagfalter Österreichs“ auf der Citizen-Science-Plattform des Naturschutzbundes www.naturbeobachtung.at oder der gleichnamigen App zu teilen.
Generalisten – vielseitige Überlebenskünstler: Arten wie das Große Ochsenauge (Maniola jurtina) sind wahre Anpassungskünstler. Seine Raupen ernähren sich von verschiedensten Gräserarten. Auch die erwachsenen Falter zeigen sich flexibel: Sie besuchen unterschiedliche Wiesenblumen und können so in verschiedenen Lebensräumen Nahrung finden. Auch der Admiral (Vanessa atalanta)ist als erwachsener Falter wenig wählerisch. Er kommt in Wäldern, auf Wiesen und in Gärten ebenso vor wie in Siedlungsgebieten. Neben Blütennektar nutzt er auch Fallobst als Nahrungsquelle. Seine Raupen sind jedoch deutlich stärker spezialisiert und benötigt vor allem die Große Brennnessel (Urtica dioica) als Futterpflanze. Dort entwickelt sie sich im Schutz zusammengesponnener Brennnesselblätter.
Spezialisten – wenn alles zusammenpassen muss: Deutlich enger sind die „biologischen Wechselwirkungen“ bei einigen spezialisierten Tagfalterarten. Besonders eindrucksvoll zeigt sich das an der Gruppe der Ameisenbläulinge. In Österreich kommen fünf Arten dieser faszinierenden Schmetterlingsgruppe vor. Ihr Überleben hängt vom reibungslosen Zusammenspiel mehrerer Arten ab: Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous) ist eng an den Großen Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) gebunden. Das Weibchen legt seine Eier in die Blütenköpfe der Pflanze. Nach einiger Zeit lassen sich die Raupen zu Boden fallen und werden von ihrer Wirtsameise, der Roten Knotenameise (Myrmica rubra), in deren Nest getragen. Die Raupen werden im Ameisennest akzeptiert, da sie die typischen chemischen und teilweise auch akustischen Signale der glänzenden Krabbler nachahmen können. Im Ameisennest verfolgen die Raupen die sogenannte „Kuckucksstrategie“: Anstatt auf sich alleine gestellt zu sein, werden sie von den Ameisen gefüttert und umsorgt. Dabei kann es auch vorkommen, dass die Raupen Ameisenlarven als „Snack“ verzehren.
Der lokal bereits vielfach vom Aussterben bedrohte Schwarze Apollo (Parnassius mnemosyne) ist ebenfalls auf einen sehr spezifischen Lebensraum angewiesen: Seine Raupen ernähren sich ausschließlich von Lerchensporn-Arten (Corydalis), insbesondere vom Hohlen Lerchensporn (Corydalis cava) und vom Gefingerten Lerchensporn (Corydalis solida). Seine Eier legt der Tagfalter in unmittelbarer Nähe dieser Futterpflanzen ab, sodass die geschlüpften Raupen direkt zu ihrer Nahrung gelangen können. Als erwachsener Falter benötigt der Schwarze Apollo extensive, artenreiche, sonnige Wiesen, Waldlichtungen und Waldränder mit einem hohen Blütenreichtum, um genügend Nektar zu finden. Durch die enge Bindung an diese Futterpflanzen und Lebensräume reagiert er sehr empfindlich auf intensive Bewirtschaftung und Veränderungen der Landschaft.
Lebensraumschutz ist Artenschutz
Diese Beispiele machen deutlich, wie fein abgestimmt die Beziehungen in der Natur sind. Fehlt eine wichtige Futterpflanze oder verschwindet eine bestimmte Wirtsameise, kann das weitreichende Folgen für einen Schmetterling haben. Gerade spezialisierte Arten reagieren deshalb besonders empfindlich auf Veränderungen ihrer Lebensräume. Der Schutz von Schmetterlingen beginnt somit beim Erhalt jener Lebensräume, in denen ihre Futterpflanzen, Wirtsameisen und weiteren Nahrungspartner vorkommen. Naturnahe Wiesen, Feuchtlebensräume, Waldränder und andere strukturreiche Landschaften sind nicht nur Rückzugsorte für die Falter, sondern bilden die Grundlage für deren gesamten Lebenszyklus.
Artenschutz braucht aktuelle Daten
Um Tagfalter wirksam schützen zu können, braucht es möglichst genaue Informationen darüber, welche Arten wo vorkommen und wie sich ihre Bestände entwickeln. Genau hier setzt die neue „Rote Liste der Tagfalter Österreichs“ an. Aktuelle Beobachtungsdaten sind eine wichtige Grundlage, um den Gefährdungsstatus der Arten zu beurteilen und zukünftige Schutzmaßnahmen gezielt danach auszurichten.
Schmetterlingsfotos teilen – für die neue „Rote Liste der Tagfalter Österreichs“!
Schmetterling entdeckt? Dann die Beobachtung via Foto auf www.naturbeobachtung.at oder der gleichnamigen App teilen! Die Daten werden von Expert*innen geprüft und gemeinsam mit dem Umweltbundesamt für die Erstellung der neuen „Roten Liste der Tagfalter Österreichs“ ausgewertet.









































