Bad Ischl Salzkammergut 2024 I KIRCH’KLANG Orgel bewegt! – Wochenende erfolgreich in Bad Ischl zu Ende gegangen

KIRCH’KLANG Festival 2024: „Orgel bewegt!” in Bad Ischl
Stummfilm- & Orgelimprovisation | Wettbewerb
internationale Stars begleiten historische Stummfilme
BERNHARD HAUK gewinnt den Wettbewerb für Stummfilm- & Orgelimprovisation

Bad Ischl Salzkammergut | 12. Juni 2024
Von 6. bis 8. Juni fanden in Bad Ischl drei Thementage unter dem Motto „ORGEL BEWEGT!” statt, darunter am 6. Juni das furiose Finale des erstmals ausgetragenen internationalen Stummfilm- und Orgelimprovisationswettbewerbs.
Auf Initiative von Elisabeth Schweeger, Künstlerische Leiterin der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024 und Wolfgang Schlag, Kurator Musik, Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024, wurde gemeinsam mit Martin Haselböck, Leiter des KIRCH’KLANG Festival Salzkammergut, für dieses Jahr die innovative Programmschiene KIRCH’KLANG – Kirch.Klang.Raum für Freiräume der Improvisation entwickelt.
Die drei jungen Organisten Hendrik Burkard, Bernhard Hauk und David Kiefer improvisierten zum österreichischen Stummfilm „Die Sklavenkönigin” (1924). Alle drei waren als Preisträger des im Jänner 2024 im Linzer Brucknerhaus ausgetragenen Improvisationswettbewerbs „Anton Bruckner” nach Bad Ischl gereist, um hier den Preis der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024 zu erringen, der einmalig in der Hohe von € 4.000,– ausgeschrieben wurde. Als Gewinner ging der 1999 geborene Bernhard Hauk hervor.

Eine Woche vor dem Wettbewerbs-Abend erhielten die drei Bewerber jeweils einen Abschnitt des Stummfilms „Die Sklavenkönigin” („The Moon of Israel”) und improvisierten dazu vor begeisterten Besucher*innen und einer hochkarätig besetzten Fachjury mit den weltberühmten Organisten Thierry Escaich und Jeremy Joseph sowie Viennale-Direktorin Eva Sangiorgi.
Als Gewinner ging der 1999 geborene Bernhard Hauk hervor, dem das perfekte Eingehen auf die einzelnen Szenen des Films gepaart mit dem Ausschöpfen der klanglichen Vielfalt der Orgel am besten gelungen war. Die Jury, der die Reihenfolge der Spieler nicht bekannt war, lobte das hohe Niveau aller drei Teilnehmer. Bei der Darbietung von Bernhard Hauk wurde neben der Brillanz seiner Spielweise vor allem seine Kreativität in der Verbindung von Film und Musik hervorgehoben.
 
Elisabeth Schweeger zeigte sich von den künstlerischen Leistungen ebenso begeistert wie vom Film, dessen Thematik im Umgang mit dem Fremden und seine dauerhafte Aktualität sie persönlich berührt hatten.
Gewinner Bernhard Hauk:„Die Kunst der Improvisation begleitete mich schon eine lange Zeit, da man als Musiker die Möglichkeit hat, Komponist und Interpret in einem zu sein und eine absolute Freiheit im Augenblick des Handelns besitzt.” 
 
Bernhard Hauk, geboren 1999 in Osnabrück, begann im Alter von 9 Jahren, Trompete zu spielen. Mit 14 Jahren folgten Klavier- und Orgel-Unterricht sowie die Mitgliedschaft im Haller Sinfonieorchester. 2013 übernahm er den Trompetenpart in Igor Stravinskys „Geschichte vom Soldaten”.
An der Orgel erhielt er wichtige Impulse von u.a. Baptiste-Florian Marle Ouvrard, Sietze de Vries, Thomas Ospital und David Franke. Seine Faszination am Thema Improvisation führte zur Teilnahme an zahlreichen Meisterkursen in Paris, Stuttgart und Freiburg.
Am 7. Juni stand Fritz Langs filmisches Meisterwerk „METROPOLIS” (D 1927) auf dem Spielplan. An der Orgel begleitete der französische Meisterorganist und herausragende zeitgenössische Komponist Thierry Escaich diesen Meilenstein der Kinogeschichte und verankerte mit seinen musikalischen Inventionen den Film in höchst aktuellen Erfahrungswelten, geprägt von technologischer Entmenschlichung und der Fragwürdigkeit digitaler Avatare. Frenetischer und kaum enden wollender Applaus folgten auf diese Darbietung; zum Teil war das begeisterte Publikum extra und von weit her angereist, um dieses in Bad Ischl gebotene Spektakel miterleben zu können. 
Nicht weniger packend verlief der 8. Juni, an dem der goldenen Kirchenraum zum dritten und vorläufig letzten Mal in einen historischen Kinosaal verwandelt wurde. Der aus dem Jahre 1925 stammende Stummfilmklassiker von Rupert Julian „Das Phantom der Oper” feierte fast 100 Jahre nach seiner Uraufführung eine fulminante Wiederauferstehung in farbenreichen Klangwelten – mit Jeremy Joseph an der Orgel. Der aus Südafrika stammende Organist entlockte dem Instrument mitunter auch Töne bzw. Geräusche, für die ansonsten Techniker und Sounddesigner zuständig sind. Ein Live-Erlebnis der besonderen Art, vom Publikum auch an diesem Abend mit Jubel gewürdigt.

Für viele Besucher*innen brachte das Festival „Orgel bewegt!” eine wahre Neuentdeckung des Instruments, abseits von Hörgewohnheiten und Sakralmusik. Die Meisterorganisten von Weltruhm verstanden es, der „Königin der Instrumente” – selbst jenseits ihres musikalischen Einsatzes – eine lautmalerische Geräuschkulisse zu entlocken. Es wurden im wahrsten Sinne des Wortes alle Register gezogen, orchestrale Klanggewalten zur emotionalen Steigerung filmischer Erzählung würdig durch einen einzelnen Organisten ersetzt und so „stumme” Filme zum Sprechen gebracht.

Die kluge Auswahl der Filme trug das ihre bei, dem Publikum eine alte Kunstform nahe zu bringen, kreisten doch die Film-Handlungen um ewig gültige Themen, die vom Auszug der Israeliten aus Ägypten („Die Sklavenkönigin”) über die skeptischen Zukunftsblicke des Expressionismus Menschen und Kunst bis heute bewegen. Das Gestern der Stummfilmzeit ist in aktuellen Erfahrungen nur allzu gegenwärtig: Gesellschaftliche Konflikte, das Andersartige, das Fremde und der Umgang mit dem Fremdsein in einer brüchigen Gesellschaftsstruktur sind Themen, welche die Zeiten überspannen und leider auch überdauern. Dass uns Filme wie die Sklavenkönigin, Metropolis und in Maßen auch das Phantom der Oper heute noch berühren können, liegt nicht zuletzt daran, wie erschreckend real sich manche filmischen Zukunftsentwürfe oder Narrative der Vergangenheitsbewältigung erwiesen haben. 

Im Zusammenwirken von Komponisten und Organisten von Weltruhm mit aufstrebenden Talenten bewies Martin Haselböck, dass Musik in ihrer ureigensten Kraft des unmittelbaren Entstehens und Erlebens zeitübergreifend wirkt und in neuen Formaten eine Renaissance verdient, und dass auch heute wieder ein vielfältiges Publikum von Orgelmusik bewegt und berührt wird. 

Mitwirkende 
Künstler*innen im Rahmen von KIRCH’KLANG – Kirch.Klang.Raum & Idylle der Moderne
Eivind Berg, Thierry Escaich, Jeremy Joseph, Hansjörg Albrecht, Benjamin Schmid, Christian Wendt, Jarkko Riihimäki, Wolfgang Schlag, Vienna Academy Brass, Orchester Wiener Akademie, Martin Haselböck, Hermann Ebner, Eva Resch, Michael Schöch, Michael Maertens, ORGANic WOODWINDs (Johannes Ebenbauer, Susanne Ebenbauer, Georg Gratzer) sowie Preisträger des Internationalen Improvisationswettbewerbs „Orgel bewegt!”: Hendrik Burkard, Bernhard Hauk und David Kiefer 
Konzept, Projektverantwortlicher Martin Haselböck
Programmleitung Musik, Jugend, Community Building Christian Haselmayr
 

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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