Spannungsfeld Familie und Beruf: Befragung zeigt enorme Hürden für junge Frauen

Die Vereinbarkeit von Beruf, Familie, Haushalt und Privatleben ist für Frauen oftmals eine große Herausforderung. Was sie sich in Bezug auf die Vereinbarkeit wünschen und mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert sind, dem geht eine Studie des IBE (Institut für Berufs- und Erwachsenenbildungsforschung) im Auftrag der AK OÖ auf den Grund. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Unbezahlte Arbeit wird noch immer vor allem von Frauen geleistet. Obwohl sich die Mehrheit der Befragten „Halbe-Halbe“ wünscht, klaffen Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander.

3.576 Frauen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren haben an einer Befragung des IBE im Auftrag der AK teilgenommen. Die Ergebnisse der Studie belegen: Für viele Frauen ist die Vereinbarkeit von Beruf, Familie, Privatleben und Haushalt eine große Herausforderung. Vor allem für Frauen mit Kindern ist der Alltag zwischen Familie und Job fordernd: ZweiDrittel (67 Prozent) der berufstätigen Mütter empfinden die Vereinbarkeit der Kinderbetreuung und ihrer Berufstätigkeit (eher) als Belastung. Oft arbeiten die jungen Oberösterreicherinnen in Teilzeit, obwohl sie gerne mehr arbeiten würden. Die Zahlen zeigen auch: 30 Prozent der befragten Frauen geben an (eher) keine Zeit für soziale Kontakte zu finden. 41 Prozent haben (eher) nicht genügend Zeit für eigene Interessen und Hobbies.

9 von 10 der befragten Mütter arbeiten Teilzeit

Um die Mehrfachbelastung bewältigen zu können, verfolgen die Studienteilnehmerinnen verschiedene „Strategien“: 47 Prozent arbeiten (eher) an Randzeiten und 40 Prozent arbeiten (eher) im Homeoffice, sofern die Möglichkeit besteht. Häufig wird in Teilzeit gearbeitet, um die Doppelbelastung bewältigen zu können: bei 90 Prozent der befragten Frauen mit Kindern ist das zutreffend. Fehlende Kinderbetreuung ist einer der Hauptgründe, warum nicht immer freiwillig die Wochenarbeitszeit verringert wird. Rund ein Viertel der Befragungsteilnehmerinnen würde gerne mehr Stunden pro Woche arbeiten.

Leider können sich unverändert die jungen Oberösterreicherinnen nicht auf eine ausreichende Kinderbetreuung verlassen. So sind 34 Prozent (eher) unzufrieden mit den verfügbaren Plätzen in den Krabbelstuben. 42 Prozent sind (eher) unzufrieden mit den Kosten für die Kinderbetreuung. Eine Vollzeitarbeit ist für viele Frauen nicht möglich, auch aufgrund der sehr eingeschränkten Öffnungszeiten vor allem in den ländlichen Gemeinden. Eine der Studien-Teilnehmerinnen schreibt:

„[…] Am Land hat der Kindergarten von 8-12 [Uhr] geöffnet und die Volksschule von 7:30-12:30 [Uhr]. Wie soll man bei diesen Zeiten arbeiten gehen?!“

Nur 21 Prozent machen „Halbe-Halbe“ bei der Hausarbeit

Die Befragung zeigt auch: In vielen Haushalten besteht noch immer eine „klassische Arbeitsteilung“, bei der sich Frauen um das Kochen, das Putzen, die Wäsche und die Kinder kümmern. Sie sind in den meisten Fällen lediglich Zuverdienerinnen. Unzufrieden mit der Aufteilung sind vor allem ältere Studienteilnehmerinnen bis 35. Wunsch und Wirklichkeit in Sachen Hausarbeit klaffen weit auseinander. So wünschen sich 73 Prozent „Halbe-Halbe“. Die Realität: Nur 21 Prozent teilen die Arbeiten im Haushalt zu gleichen Teilen auf.

AK OÖ steht an der Seite der Frauen

AK-Präsident Andreas Stangl ist überzeugt: „Um eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Eltern in Oberösterreich zu gewährleisten, braucht es ein Maßnahmenbündel, das an unterschiedlichen Stellen ansetzt. Deshalb setzen wir uns vehement für den Ausbau der institutionellen Kinderbildung und -betreuung, für die Förderung der Väterkarenz, gleiche Löhne und Gehälter für gleichwertige Arbeit und familienfreundliche Arbeitsbedingungen ein. Außerdem müssen die Nachmittagsgebühren in der Kinderbildung und -betreuung endlich abgeschafft werden. Sie zwingen oftmals Frauen in die Teilzeit.“

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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