Mobbing hinterlässt tiefe Wunden: Wie können Jugendliche unterstützt werden?

Mobbingerfahrungen hinterlassen Narben, die einen das ganze Leben begleiten können. Bei insgesamt sieben „Jugend-Dialogtreffen” in den AK-Bezirksstellen tauschten sich 200 Jugendarbeiter:innen, Pädagog:innen & Co. zum Thema Mobbing und möglichen Lösungsansätzen aus. Fachlichen Input lieferte dabei die Kinder- und Jugendanwaltschaft. Der gemeinsame Tenor aller Teilnehmer:innen: Nicht wegschauen, sondern hinschauen!

Auch diesen Herbst veranstaltete die Arbeiterkammer Oberösterreich wieder Jugend-Dialogtreffen in insgesamt sieben AK-Bezirksstellen. Insgesamt 200 Personen, die mit Jugendlichen arbeiten und sie am Übergang von der Schule in den Beruf unterstützen, nahmen daran teil. Im Fokus der Diskussionen und des Austausches stand das Thema Mobbing. „Als AK ist uns der Austausch mit den Expert:innen ein großes Anliegen. Sie wissen aus ihrer täglichen Arbeit mit den Jugendlichen, wo der Schuh drückt und mit welchen Herausforderungen die jungen Menschen konfrontiert sind. Besonders beim Thema Mobbing gilt es, hinzuschauen und das Problem zu erkennen”, sagt AK-Präsident Andreas Stangl.

Mobbing nicht mehr nur im Klassenzimmer ein Thema

In der Zeit von Instagram, TikTok, WhatsApp & Co. nimmt Mobbing oft andere Dimensionen an, als das früher der Fall war. Denn, es findet längst nicht mehr „nur” im Klassenzimmer statt, sondern begleitet die Jugendlichen den gesamten Alltag über. Neben der körperlichen und seelischen Gewalt nimmt auch sexualisierte Gewalt aufgrund des Zugangs zu Medien und Inhalten zu. Ein weiteres Problemfeld: Wer in der Schulzeit mit Mobbing konfrontiert ist, läuft Gefahr, auch in späteren Lebensabschnitten, zum Beispiel im Job, betroffen zu sein. Mobbing hinterlässt oftmals tiefe Wunden, die immer wieder aufgekratzt werden.

Was können nun jene, die mit den Jugendlichen tagtäglich arbeiten, gegen Mobbing tun? Vor allem eines: Die jungen Menschen sensibilisieren. Aber auch die Werte Loyalität und Gemeinschaft stärken. Eine gemeinsame Forderung der Teilnehmer:innen der Jugend-Dialogtreffen sind etwa Trainings für Lehrkräfte und Peer-Ausbildungen für Jugendliche. Mobbing zum Thema zu machen und nicht wegzuschauen, ist bei allen Maßnahmen das Wesentliche.

Wer verharmlost, ermöglicht Mobbing und Gewalt

Um bei Mobbingvorfällen zielgerichtet und hilfreich intervenieren zu können, ist die professionelle Kooperation aller im Kinder- und Jugendbereich tätigen Personen und Institutionen Voraussetzung, so die Prämisse der Kinder- und Jugendanwaltschaft des Landes (KiJA OÖ). Damit einhergehend ist Mobbing- und Gewaltprävention eine zentrale Aufgabenstellung, denn Kinder- und Jugendrechte gelten in allen Lebensbereichen, so etwa auch im Internet.

„Man kann an Mobbing und Gewalt in seinem Umfeld nicht nicht-beteiligt sein! Die Zu- und Wegschauenden, die Verharmlosenden ermöglichen und verstärken Gewalt. Sie sind es, die Mobbing beenden und verhindern können!”, so Mag.a Christine Winkler-Kirchberger, Leiterin der Kinder- und Jugendanwaltschaft OÖ.

Was man gegen Mobbing am Arbeitsplatz tun kann

Nicht nur in der Schule und im Internet ist Mobbing ein Thema, sondern auch am Arbeitsplatz. Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat eine Reihe von Forderungen, um Mobbing im Job entgegenzutreten und somit die Arbeitsbedingungen zu verbessern:

  • Arbeitsplätze sind so zu gestalten, dass das Risiko für Konflikte, Mobbing oder

Gewalt am Arbeitsplatz reduziert wird (Fürsorgepflicht)

  • Genügend Personalressourcen sind wichtig für die Prävention von Gewalt am

Arbeitsplatz, da Zeit- und Arbeitsdruck gemindert werden.

  • Erzwingbare Betriebsvereinbarungen sind notwendig, um den Betriebsrat in seiner

Rolle bei Gewalt und Konflikten zu stärken

  • Informationen zum betrieblichen Umgang mit Konflikten, Mobbing und Gewalt am

Arbeitsplatz sind wichtig für die Arbeitnehmer:innen

  • Arbeitnehmer:innen, die mit Gewalt am Arbeitsplatz konfrontiert werden, verdienen

Schutz und ein breites Angebot an Nachsorge und Begleitung

v.l.n.r.: Barbara Langthaler (KiJa) Katharina Maierl (KiJA), Martin Mahringer (AKOÖ), Sanela Hadaier (AKOÖ)

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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