Das Geheimnis im Teig: fehlende Herkunftskennzeichnung bei Weihnachtskeksen

Zur Hochsaison der weihnachtlichen Verlockungen wirft der Verein Land schafft Leben einen Blick auf fertige Kekse und Teigmischungen. Woher die Zutaten in diesen kommen, bleibt meist unbekannt.

Ob Vanillekipferl, Linzer Augen oder Lebkuchen – Weihnachtskekse sind fixer Bestandteil der festlichen Dezemberzeit. Bäckt man selbst, weiß man, welche Zutaten verwendet werden und in welchem Land sie hergestellt wurden. Bezieht man die Bäckerei jedoch fertig aus dem Handel, zählt sie zur Gruppe der „verarbeiteten Lebensmittel”, die keiner Kennzeichnungspflicht für die Herkunft der Zutaten unterliegen. Bereits ein Verarbeitungsschritt genügt, um in diese Kategorie zu fallen und beim Einkauf vor der Frage zu stehen: Aus welchem Land stammen die Zutaten wie Ei, Mehl und Zucker? Diese fehlende Transparenz mache es schwierig, eine bewusste Kaufentscheidung anhand der eigenen Werte zu treffen, sagt Maria Fanninger, Gründerin des Vereins Land schafft Leben:

„Bei Lebensmitteln wie frischen Eiern ist auf den ersten Blick sichtbar, woher sie kommen. Sobald sie verarbeitet werden, ist das nicht mehr der Fall. Das führt so weit, dass in Fertigprodukten wie Keksen, Mayonnaisen oder Nudeln ohne Herkunfts- und Haltungskennzeichnung mit großer Wahrscheinlichkeit Käfigeier enthalten sind. Denn wenn sich ein Produzent eine andere Haltungsform leistet, gibt er das mit Sicherheit auch an – schließlich kostet es wesentlich mehr.”

Käfigeier im Keks?

Eier sind eine gängige Zutat in Weihnachtskeksen. Wenn sie aus Österreich sind, müssen sie von Legehennen kommen, die in Boden-, Freiland- oder biologischer Haltung leben. Die Art und Weise, wie Hühner in Österreich gehalten werden, unterscheidet sich deutlich von den üblichen Bedingungen in vielen anderen Ländern. Für Importe aus Nicht-EU-Ländern etwa ist die Haltungsform nicht geregelt. Global kommen rund 90 Prozent der Eier aus Käfighaltung, die in Österreich seit 2012 verboten ist. Die höheren Produktionskosten machen die heimische Qualität teurer, daher werden in verarbeiteten Weihnachtsbackwaren immer wieder kostengünstigere Käfigeier verwendet. In der Lebensmittelindustrie kommen anstelle von ganzen Eiern häufig Trockeneipulver oder Flüssigei zum Einsatz, denn diese sind länger haltbar und besser lagerfähig. Häufig werden beide Produkte aus nicht-österreichischen Eiern erzeugt – und können damit unter Umständen auch Käfigeier enthalten.

Was bedeutet „Hergestellt in Österreich” (nicht)?

Steht “Hergestellt in Österreich” auf der Verpackung, bedeutet das nur, dass das Produkt in Österreich verarbeitet worden ist. Die Zutaten selbst müssen nicht unbedingt aus dem Inland stammen. Allerdings ist in diesem Fall gesetzlich vorgeschrieben, dass das Ursprungsland der Primärzutat genannt werden muss, wenn sie nicht aus Österreich stammt. Bestehen beispielsweise Nussecken zu mindestens 50 Prozent aus Nüssen, gelten diese als Primärzutat. Mit dem Label „Hergestellt in Österreich” müssen diese Nüsse aus Österreich stammen, sofern kein anderes Herkunftsland angegeben ist.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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