Energie AG: Geschäftsjahr durch volatile Energiemärkte und Pumpspeicherkraftwerk Ebensee geprägt

Kennzahlen:

  • EBIT: EUR 218,5 Mio. (+45,1 %)
  • Konzernumsatz: EUR 4.251,1 Mio. (+6,4 %)
  • Bilanzsumme: EUR 4.116,9 Mio. (-40,4 %)
  • Investitionen: EUR 212,7 Mio. (+5,7 %)

Das Geschäftsjahr 2022/23 war bei der Energie AG Oberösterreich einerseits durch volatile Energiemärkte und Unsicherheiten in der Energiepolitik geprägt. Auf der anderen Seite wurde intensiv am Projekt Ebensee gearbeitet: Der Baubeschluss für dieses Pumpspeicherkraftwerk am Ende des Geschäftsjahres setzte hier ein Highlight. Ebensee wird mit veranschlagten Kosten von rund EUR 450,0 Mio. die größte Einzelinvestition in der Geschichte der Energie AG sein. 

Weiters wurde das konzernweite Strategie- und Organisationsprojekt LOOP gestartet, mit dem Ziel der Dekarbonisierung und der Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energie. 

Die Energie AG Oberösterreich erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2022/23 Umsatzerlöse in Höhe von EUR 4.251,1 Mio. (Vorjahr: EUR 3.993,7 Mio.).

Das EBIT erhöhte sich im Berichtszeitraum um 45,1 % auf EUR 218,5 Mio. (Vorjahr: EUR 150,6 Mio.). Für den EBIT-Anstieg verantwortlich waren die sehr guten Erträge aus eigenen Wasserkraftwerken und Bezugsrechten, die sich im Vorjahresvergleich doppelt auswirkten. Hintergrund: Das Ergebnis des Vorjahres war negativ davon beeinflusst, dass aufgrund der ungünstigen Wasserführung die nicht produzierten, aber benötigten Strommengen zu sehr hohen Preisen am Markt eingekauft werden mussten. Hingegen konnte im Geschäftsjahr 2022/23 ein überdurchschnittlich hohes Ergebnis aus den eigenen Wasserkraftwerken und Bezugsrechten erzielt werden.

Energie AG weiterhin verlässliche Partnerin für die Kund:innen
Die Preise für Bestandskund:innen in den Bereichen Strom und Gas mussten im abgelaufenen Geschäftsjahr aufgrund der außerordentlichen Marktlage nach Jahren der Preisgarantie angepasst werden. Die Preiserhöhung war zur Abdeckung der gestiegenen Bezugskosten notwendig geworden.

Nachdem die Rechtskonformität der auf Basis einer neuen Rechtslage durchgeführten Preiserhöhungen für Strom bei vielen Unternehmen aus der Branche in Frage gestellt wurde, einigte sich die Energie AG mit Interessenvertretungen auf eine rasche, kundenfreundliche und praktikable Lösung, um einen langen Rechtsstreit zu vermeiden und um die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten: Stromkund:innen erhielten, gestaffelt nach Verbrauch, im Sommer 2023 eine Einmalzahlung von bis zu 100 Euro.

Die mit 2. Jänner 2023 durchgeführte Preiserhöhung bei den Strom- und Gastarifen wurde in den darauffolgenden Monaten für einzelne Zielgruppen begleitet bzw. abgefedert. Mit speziellen Maßnahmenpaketen wurde den Belastungen zielgerichtet entgegengewirkt. Ein Fokus richtete sich speziell auf Kund:innen mit Wärmepumpen, Nachtspeicherheizungen und geringem Haushaltseinkommen.
Dank der vorausschauenden und langfristigen Beschaffungsstrategie konnte die Energie AG die Strompreise für Bestandskund:innen mit 1. Juni 2023 wieder senken. Auch für Gaskund:innen bis zu einem Verbrauch von 400.000 kWh/Jahr wurde es günstiger: Sie profitieren seit Juni 2023 bis Mai 2024 von einem Rabatt auf Standardprodukte. Ermöglicht wurde dies durch eine sichere Versorgungslage und einen relativ milden Winter 2022/23.

Strategieprojekt LOOP
Um den sich verändernden Rahmenbedingungen, wie etwa der volatilen Marktsituation, der Klimakrise und dem demografischen Wandel proaktiv zu begegnen, wurde im März 2023 in der Energie AG ein konzernweites Strategie- und Organisationsprojekt gestartet.

„Das interne Strategieprojekt LOOP stellt eine richtungsweisende, strategische Neuausrichtung der Energie AG dar. Ziel ist es, den gesamten Lifecycle des Unternehmens zu dekarbonisieren – von der Erzeugung über die Verteilung bis hin zur Verwertung. Ein zentraler Aspekt ist der Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung, mit dem Fokus auf Photovoltaik, Windenergie und Wasserkraft, aber auch die Nutzung von Biomasse, Geothermie sowie industrieller Abwärme für eine nachhaltige Wärmeversorgung. Ein besonderer Fokus liegt auf der Förderung von Innovation, um die Energie AG weiterzuentwickeln und zu stärken“, betont Energie AG-CEO Leonhard Schitter.

Zu Ende des Geschäftsjahres 2022/23 wurde mit der Umsetzung der abgeleiteten strategischen Maßnahmen aus der ersten Phase von LOOP begonnen.

Bis 2035 wird die Energie AG die erneuerbare Stromerzeugung um insgesamt 1.200 GWh/Jahr erhöhen und so die Treibhausgasemissionen erheblich reduzieren.

Eine wesentliche Rolle dabei spielt die Errichtung des Pumpspeicherkraftwerks in Ebensee, das zur Versorgungs- und Netzsicherheit beitragen wird. Die Nutzung von Biomasse, Geothermie und industrieller Abwärme für eine nachhaltige Wärmeversorgung unterstützt ebenfalls die Dekarbonisierungsstrategie. Parallel dazu werden auch Aktivitäten im Bereich grüner Wasserstoff gestartet, um die Energie AG auch in diesem Handlungsfeld zukunftsfit zu machen.

Diversität und Chancengleichheit im Zentrum
Der Personalstand im Konzern ist auch im abgelaufenen Geschäftsjahr wieder leicht gestiegen und lag bei 4.651 Mitarbeiter:innen (FTE im Jahresdurchschnitt), die in Österreich und weiteren Ländern für die Energie AG tätig waren (Vorjahr: 4.606 Mitarbeiter:innen).

Es wurden bedeutende Schritte unternommen, um Innovation im Konzern zu fördern und eine offenere und vielfältigere Unternehmenskultur zu schaffen. Ein zentrales Element war die Gründung des „DiversiTeams“, einer Projektgruppe, die sich mit Themen wie inklusiver Führung, Kulturwandel, Barrierefreiheit, Regionalität, Frauenförderung und Kommunikation beschäftigt. Zusätzlich gab es das eLearning Format „Diversity-Basics“, welches von mehr als 1.000 Mitarbeiter:innen erfolgreich abgeschlossen wurde.

Die Anzahl an Stipendien für Frauen in technischen Berufen wurde verdoppelt, um die Geschlechtergerechtigkeit zu fördern. Außerdem legt die Energie AG großen Wert auf eine respektvolle und wertschätzende Unternehmenskultur, die Innovation und neue Ideen fördert. Die Förderung von Geschlechter- und Chancengleichheit soll gewährleisten, dass sich jede:r respektiert und eingebunden fühlt.

Weiterhin wurden und werden durch die zielgerichtete Lehrlingsausbildung nicht nur Spezialist:innen für die Konzernbereiche gewonnen, sondern auch gesellschaftspolitisch wichtige Signale für Diversität gesetzt.

Die eigene Lehrlingsausbildung ist auch ein wichtiger Wettbewerbsvorteil der Energie AG. Seit 1943 wurden im Konzern bereits 1.571 Lehrlinge erfolgreich zu Spitzenfachkräften ausgebildet. Rund die Hälfte davon ist heute noch im Unternehmen tätig. Erstmalig wurden im September 2023 auch Lehrlinge für den Beruf IT-Systemtechnik aufgenommen.

Klarer Kurs in Richtung Forschung, Entwicklung und Innovation
Die Energie AG verfolgt im gesamten Konzern einen klaren Kurs in Richtung Forschung, Entwicklung und Innovation. Das Ziel ist, sich bestmöglich auf kommende Herausforderungen vorzubereiten und eine kontinuierliche Weiterentwicklung zu ermöglichen. Zentral sind hier die europäischen und österreichischen Zielsetzungen zur Eindämmung des Klimawandels.

Die Energie AG engagiert sich auch proaktiv bei aktuellen Forschungsthemen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr waren das unter anderem Projekte zur systematischen Analyse des zukünftigen dekarbonisierten Energiesystems und zu den Auswirkungen der steigenden Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen auf die Netzinfrastruktur. Weitere Schwerpunkte lagen auf Wasserstoff, erneuerbaren Wärmesystemen und IT Security. Außerdem wird Wert auf die Entwicklung und Innovation im Bereich Digitalisierung und Automatisierung gelegt.

In einer Zeit, in der die Dringlichkeit der Dekarbonisierung und der Transformation der Energiesysteme zunimmt, vernetzt sich die Energie AG mit Kooperationspartnern aus Wissenschaft und Wirtschaft. Dieser Wissensaustausch bildet die Grundlage für die erfolgreiche Forschung und Entwicklung innovativer Lösungen, die eine nachhaltige und verantwortungsbewusste Energiezukunft ermöglichen.

Gutes Konzernergebnis ist die Basis für nachhaltige Investitionen
Das operative Konzernergebnis (EBIT) erhöhte sich um 45,1 % auf EUR 218,5 Mio. (Vorjahr: EUR 150,6 Mio.).
Verantwortlich für dieses Konzernergebnis sind unter anderem die gestiegene Wasserführung und damit verbunden höhere Erzeugungsmengen bei Wasserkraft und bei Bezugsrechten. Positiv wirkten sich auch die im Geschäftsjahr vorgenommenen Preisanpassungen und die Bewirtschaftung des Stromportfolios aus. Außerdem wurden im Bereich Netz die Netznutzungsentgelte durch die Regulierungsbehörde angehoben.
Positive Einflüsse kamen auch aus dem Segment Tschechien. Preisanhebungen, günstigere Beschaffungspreise für Strom und Gas in Tschechien und Effizienzmaßnahmen hatten in diesem Bereich einen positiven Einfluss.

CFO Andreas Kolar, CEO Leonhard Schitter, COO Stefan Stallinger;©Energie AG

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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