Dritter Bericht zum Alpenklima in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Das Sommerhalbjahr 2023 war im Alpenraum von Deutschland, Österreich und der Schweiz geprägt von extremen Niederschlagsereignissen und hohen Temperaturen in allen Höhenstufen.
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Mit „Alpenklima” starteten der Deutsche Wetterdienst, die MeteoSchweiz und die GeoSphere Austria im Herbst 2022 eine neue gemeinsame Berichtsreihe zum aktuellen Klima in der Alpenregion und der Einordnung in die langjährige Entwicklung. Das Bulletin erscheint zwei Mal pro Jahr, mit einer Ausgabe für das Sommerhalbjahr und einer für das Winterhalbjahr. Soeben wurde die Bilanz des Sommerhalbjahres 2023 veröffentlicht.

Im gesamten Alpenraum deutlich zu warm

„Das Sommerhalbjahr, von Mai bis Oktober 2023, verlief im gesamten Alpenraum von Österreich, Deutschland und der Schweiz deutlich zu warm”, sagt Klimatologe Alexander Orlik von der GeoSphere Austria. „Der September war mit Abstand der wärmste seit Be­ginn der Aufzeichnungen. Der Oktober war in den österreichischen Alpen der zweitwärmste der Messgeschichte und im Alpengebiet der Schweiz und Deutschlands lokal unter den wärmsten drei Oktobern seit Messbeginn.”

Hitzerekorde

Zum Beispiel strömte im Juli extrem warme Luft aus Afrika über den Mittelmeerraum in die Alpen. Dabei wurde am 11. Juli in Österreich mit 15,7 °C ein neuer Temperaturrekord für den Sonn­blick (3100 Meter Seehöhe) erreicht. Seit dem Messbeginn am Sonnblick Ob­servatorium im Jahr 1886 wurde hier erst das fünfte Mal die 15 °C-Marke erreicht.

Eine weitere Hitzewelle im Alpenraum startete zwischen dem 11. und 12. August und endete zwischen dem 25. und 29. des Monats. Die Dauer dieser Hitzewelle übertraf die Dauer einer durchschnittlich langen Hitzewelle um etwa das Doppelte, regional auch mehr.

Dabei wurden an einigen Wetterstationen neue Re­kordtemperaturen für den August erreicht, auch in höheren Lagen. Der Tageshöchstwert von 37,6 °C in Sion (Schweiz) egalisierte den bisherigen Rekord aus dem Hitzesommer 2003. Neue Tageshöchstwerte für einen August gab es auch an den schweizerischen Wetterstationen in Château d’Oex, Zermatt, Davos, Arosa und auf dem Säntis.

Auch in den österreichischen Alpen wurden an höher gelegenen Wetterstationen neue Augustrekorde der Maximaltemperatur erzielt. Dazu zählen Seefeld, Warth, Ischgl und die Rudolfshütte. Im bayerischen Alpenraum wurden die bisherigen Rekordwerte nur knapp verfehlt.

Höchste Null­gradgrenze seit Messbeginn

In der Nacht vom 20. auf den 21. August 2023 erreichte die Nullgradgrenze in der freien Atmosphäre über der Schweiz die Rekordhöhe von 5298 Meter. Der bisherige Rekord von 5184 Meter vom 25. Juli 2022 wurde damit deutlich übertroffen.

In Oberschleißheim (Deutschland) wurde 2023 ein neuer Augustrekord gemessen (5064 Meter am 21.8.2023). Bis dahin wurden hier Nullgradgrenzen über 5000 Meter nur im Juni und Juli erreicht.

Während der heißen Tage im ersten Septemberdrittel kletterte die Nullgradgrenze in Payerne und Ober­schleißheim auf neue Höchstwerte für den Monat September.

Deutlicher Anstieg der Nullgradgrenze

Der menschgemachte Klimawandel sorgt dafür, dass die Temperatur in der Troposphäre ansteigt und damit auch die Nullgradgrenze immer neue Höhen erreicht. Über Payerne (Schweiz) zum Beispiel lag die Nullgradgrenze in den Sommermonaten vor 60 Jahren bei durchschnittlich bei 3300 Meter. Heute liegt sie rund 500 Meter höher. Die Ext­remwerte aus dem Zeitraum von 1959 bis 1990 (3500 bis 3600 Meter) werden heute in den Sommermonaten kaum noch unterschritten.

Regenrekorde

Im Juli 2023 war es in den Westalpen und in den nördlichen Gebieten der Ostalpen meist deutlich zu trocken. Der östliche Südalpenraum war hingegen von starken Niederschlagsereignissen geprägt. In den Südalpen kam es Anfang August erneut zu hef­tigen Niederschlägen. Ausgelöst durch ein Italientief, das über dem außergewöhnlich warmen Mittelmeer viel Energie aufnehmen konnte. Der Schwerpunkt des Regens lag in Oberitalien, Slowenien und Südösterreich.

In Kärnten verzeichneten dabei die Wetterstationen in Ferlach (213 Millimter) und Bad Eisenkappel (203 Millimeter) einen neuen Rekord für eine 48-stündige Regenmenge. Insgesamt entsprachen die Niederschlagsmengen in den am stärksten betroffenen Gebieten, wie am Karawankenhauptkamm, im Rosental und Jauntal sowie im südlichen Bereich der Koralpe, einem Ereignis, das statistisch seltener als einmal in 100 Jahren auftritt.

Ende August sorgte ein weiteres Italientief für ungewöhnlich Regenmengen. Der Niederschlagsschwerpunkt lag diesmal weiter im Westen. Dabei gab es in der im Tessin und Misox (beide Schweiz) gebietsweise Dreitagessummen von 200 bis 300 Millimeter, vereinzelt knapp 400 Millimeter.

In Vaduz (197 Millimeter, Lichtenstein,) und Kronberg (244 mm, Schweiz) waren die Dreitagessum­men des Niederschlags seltener als alle 100 Jahre zu erwarten. In Biasca (Schweiz, Messbeginn 1900) lag die Dreitagessumme von 387 Millimeter nur knapp unter dem Rekordwert von 390 Millimeter (im August 1956).

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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