Papierproduktion in Laakirchen und Steyrermühl befindet sich im Umbruch

Die Papierproduktion in Laakirchen und Steyrermühl befindet sich im Umbruch. Die beiden Standorte – zukünftig beide Teil der HEINZEL GROUP – sollen gemeinsam zu einem Zentrum für nachhaltige Verpackungspapiere, erneuerbare Energie und Holzverarbeitung zusammenwachsen. Mehrere Schlüsselprojekte sind dafür geplant, wie die Verantwortlichen am Mittwoch, den 6. Dezember, im Rahmen einer Pressekonferenz der Laakirchen Papier AG informierten: vom Umbau der Papiermaschinen auf die Produktion nachhaltiger Verpackungspapiere über die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energieträger und die Verwendung vorhandener Wert- und Reststoffe bis hin zum Ausbau der Fernwärme. Die HEINZEL GROUP verfolgt damit ehrgeizige Klimaziele, setzt noch mehr auf die Kreislaufwirtschaft und plant, ihren Verbrauch an fossilem Erdgas deutlich zu reduzieren.

Um Papier zu trocknen, ist in der Herstellung viel Wärmeenergie notwendig. Eine verlässliche Energieversorgung und Unabhängigkeit vom Ausland spielen daher gerade in der Papierindustrie eine wichtige Rolle. Dazu kommt der gesamtgesellschaftliche Auftrag, vermehrt umweltfreundliche Energieträger im Gegensatz zu fossilen einzusetzen. „Und genau das ist unser großes Ziel. Der Klimaschutz und die Kreislaufwirtschaft sind zentrale Elemente unseres Nachhaltigkeitsmanagements in der gesamten HEINZEL GROUP. Wir beabsichtigen, unsere fossilen CO2-Emissionen bis 2030 um über 40 Prozent zu reduzieren“, informiert Sebastian Heinzel, CEO der HEINZEL GROUP, und ergänzt: „Dabei haben wir auch für die Standorte Laakirchen und Steyrermühl – letzterer wird ja ab 1.1.2024 ebenfalls Teil der HEINZEL GROUP sein – große Pläne: Gemeinsam sollen sie zu einem Zentrum für nachhaltige Verpackungspapiere, erneuerbare Energie und Holzverarbeitung werden. Wir übernehmen damit Verantwortung für Natur und Umwelt. Wir möchten Teil der Lösung sein und vorangehen – weg von Energie aus fossilem Erdgas, hin zu biogenen Stoffen und der Verwendung vorhandener Wert- und Reststoffe, die am Ende ihrer kaskadischen Nutzung angelangt sind.“ Zum Erreichen nationaler bzw. internationaler Klimaziele müssen zukünftig erneuerbare und nachhaltige Quellen noch stärker an die Stelle von fossilen Energieträgern wie Öl und Gas treten.

Schlüsselprojekte für den Umwelt- und Klimaschutz
Schon heute werden in Steyrermühl Rinde, Holz- und Sägereste sowie Papier- und Faserreste in einem Wertstoffkraftwerk zu Wärmeenergie verwertet. Auch erneuerbare Energiequellen wie Wasserkraft, Biogas und Photovoltaik werden genutzt und an beiden Standorten laufend ausgebaut. „Wir haben hier einiges erreicht. Gleichzeitig wissen wir, dass noch weitere, klare Schritte notwendig sind, um die Wende hin zu einer nachhaltigen, energieeffizienten Papierproduktion in naher Zukunft zu schaffen“, bestätigt auch Thomas Welt, CEO der Laakirchen Papier AG. Das Unternehmen verfolgt daher unter dem Titel „Energie- und Papierzukunft Laakirchen / Steyrermühl“ mehrere zentrale Projekte. Dazu zählt der Umbau der Papiermaschinen in beiden Werken auf die Produktion nachhaltiger Verpackungspapiere. Durch den Bau eines zweiten Wertstoffkraftwerks in Steyrermühl soll die nachhaltige, thermische und eigene Energiegewinnung maßgeblich ausgebaut und gleichzeitig das Angebot an regionaler Fernwärme erhöht werden. Beim Projekt „Wärmeverbund Dampfleitung“ wird durch eine Verbindungsleitung der Standort Laakirchen Papier an die Energieerzeuger in Steyrermühl angebunden und mit nachhaltiger Wärmeenergie versorgt werden. Schließlich wird auch das Sägewerk in Steyrermühl über die nächsten Jahre stufenweise weiterentwickelt. „Durch diese Lösungen und das Schließen unserer Material- und Energiekreisläufe bietet sich uns die große Chance einer eigenständigen und umweltfreundlichen Energieversorgung. Für die Projekte sind insgesamt Investitionen in Höhe von mehr als 400 Mio. Euro geplant. Wir sichern damit die Konkurrenzfähigkeit unserer heimischen Papierproduktion und die Zukunft der rund 800 Mitarbeitenden langfristig ab“, bekräftigt Franz Baldauf, CFO der Laakirchen Papier AG.

Deutlich weniger Erdgas durch zweites Wertstoffkraftwerk
Das geplante, zweite Wertstoffkraftwerk in Steyrermühl bildet einen wichtigen Baustein für die Energiezukunft der Papierproduktion. Es setzt auf eine effiziente Verwertung von Energieholz und Biomasse aus nachhaltiger Forstwirtschaft, Wert- und Reststoffen aus der eigenen Papierproduktion sowie weiterer, thermisch nutzbarer Wertstoffe durch eine zirkulierende Wirbelschichtkessel-Anlage. Das geplante Wertstoffkraftwerk ist auf eine Brennstoffwärmeleistung von 160 MW ausgelegt. Es liefert Strom und Dampf für die Papierproduktion in Laakirchen und Steyrermühl und reduziert dadurch die fossile Erdgasnutzung deutlich. Alleine die Laakirchen Papier AG kann so den Anteil erneuerbarer Energieträger in ihrem Energiemix von heute 10 Prozent auf bis zu 70 Prozent bis zum Jahr 2030 steigern, der Erdgas-Anteil wird dabei im selben Zeitraum massiv verringert. Das spart rund 80.000 Tonnen fossiles CO2 pro Jahr. Bislang muss die benötigte Prozesswärme größtenteils durch ein Gaskraftwerk erzeugt werden.

Fernwärme für die Region
Mit dem geplanten, neuen Reststoffkraftwerk können darüber hinaus umliegende Verbraucher außerhalb der Papierwerke profitieren: Neben Strom und Prozesswärme für die Papierproduktion kann ein weiterer Teil der produzierten Energie ausgekoppelt und wie schon heute als regionale Fernwärme abgegeben werden – innerbetrieblich etwa für die Beheizung der Trockenkammern des Sägewerkes bzw. außerbetrieblich als nachhaltige Fernwärme für benachbarte Unternehmen sowie öffentliche und private Gebäude in der Region.

Wärmeverbund Dampfleitung
Ziel des Baus der geplanten Dampf-Verbindungsleitung zwischen den Standorten Laakirchen und den Energieerzeugern in Steyrermühl ist es, zukünftig auch die Papierproduktion im Laakirchner Werk mit einer nachhaltigen Energielösung abzusichern. Die geprüfte und eingereichte Leitungsvariante überquert die Traun zwei Mal im Bereich der Papierfabriken in Laakirchen bzw. Steyrermühl und verläuft ansonsten großteils linksseitig der Traun im Gemeindegebiet von Ohlsdorf – wobei in diesem gesamten Abschnitt unter der Erde und somit nicht sichtbar. Die Dampfleitung hat eine Länge von zirka drei Kilometer.

Globaler Papiermarkt im Wandel
Auch bei den Papiermaschinen, dem Herz jeder Papierproduktion, sind grundlegende Änderungen bereits in Umsetzung, um auf die Produktion von nachhaltigen Verpackungspapieren umzustellen. Die Entwicklungen erfolgen auch vor dem Hintergrund eines weltweiten Wandels auf dem Papiermarkt: Global geht die Nachfrage nach grafischen Papieren, wie sie in Laakirchen und Steyrermühl bislang produziert wurden, deutlich zurück – also Papiere für Zeitungen, Kataloge, Magazine oder Werbeprospekte. Praktisch parallel dazu steigt der Bedarf nach Verpackungspapieren für Papier- und Wellpappe-Verpackungen. Daher werden die Papiermaschine 11 in Laakirchen sowie die ehemalige Papiermaschine 3 in Steyrermühl aufwendig umgebaut, um die nachhaltigen Produkte der Zukunft zu produzieren.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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