Konjunkturlokomotive Bau stottert

Baubranchen brauchen Offensiven, Investitionen und Stimulierungen
Aktuell sehen sich die Baubranchen (Baugewerbe, Ausbaugewerbe, Bauinstallation, Bauträger) enormen Herausforderungen ausgesetzt. Hohe Energiekosten haben die Preise für Baustoffe massiv angeheizt, die Zinspolitik der EZB hat die Finanzierungskosten von Bauvorhaben erhöht und die seit August 2022 geltenden, strengen Regeln für die Vergabe von Immobilienkrediten haben insbesondere beim privaten Wohnbau zu einem massiven Rückgang bei der Nachfrage von Bauleistungen geführt. Die Bauwirtschaft ist in einer Abschwungphase mit rückläufigen Wohnbauinvestitionen und massiv schrumpfenden Auftragsständen. So erwarten laut WKO-Wirtschaftsbarometer 61 Prozent der Bau- und baunahen Unternehmen sinkende Auftragseingänge in den nächsten 12 Monaten, 32 Prozent gleichbleibende. Jedes zweite Unternehmen geht von sinkenden Investitionen aus.

„Wir brauchen Impulse in allen Sektoren des Baus, der als Konjunkturlokomotive auf viele andere Branchen über das Gewerbe hinaus ausstrahlt und damit eine Leitfunktion für Wertschöpfung wie Beschäftigung innehat“, betont WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer bei einem Pressegespräch mit den Spartenobleuten Michaela Keplinger-Mitterlehner (Bank + Versicherung), Michael Pecherstorfer (Gewerbe und Handwerk) und Christoph Schumacher (Information + Consulting). Die WKOÖ hat ein Paket zur Belebung der Baukonjunktur ausgearbeitet. Einiges davon ist erfreulicherweise bereits in Umsetzung bzw. in Aussicht gestellt. Leider hat es diese Woche bei einem Spitzengespräch zur FMA-Richtlinie für private Wohnimmobilienfinanzierungen keine Bewegung gegeben. Hummer: „Es braucht daher jetzt weitere Anstrengungen, um den drohenden Abschwung abzuwehren und Auftragsbestände wie Investitionen auf stabilem Niveau zu halten.“ Das Paket umfasst u.a.:

  • Investitionsprämie NEU: Neben dem Investitionsfreibetrag sollte eine Investitionsprämie NEU angedacht werden. Im Unterschied zum IFB bewirkt diese, wenn sie befristet wird, eine raschere Umsetzung von Investitionen. Der Betrieb soll zwischen IFB und Prämie wählen können.
  • Investitionsfreibetrag nachschärfen: Freibetragsgrenze von 1 auf 50 Mio. Euro pro Unternehmen aufstocken und für Digitalisierungsinvestitionen erhöhten Satz (15 Prozent) gewähren.
  • Corona-Investitionsprämie: Fertigstellungsfrist um ein Jahr bis 28. Februar 2024 verlängern
  • Evaluierungen bei Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung (KIM-VO), um den Zugang zu Wohnfinanzierungen breiteren Bervölkerungsschichten zu erleichtern.
  • Umsatzsteuerrückvergütung („Handwerkerbonus“) für die Schaffung bzw. Renovierung einer Wohnung, sofern Bauleistungen von Professionisten erbracht werden. Das macht das Bauen um 20 Prozent günstiger und dämmt den gewerbsmäßigen Pfusch ein.
  • Wiedereinführung der 2020 abgeschafften Sonderausgabe Wohnraumschaffung
  • Thermische Sanierung: Hier ist mit Jahresbeginn einiges geschehen, Fördersätze von 30 auf 50 Prozent erhöht, Pauschalen angehoben, Zeit zwischen Registrierung und Antragstellung auf 12 Monate erweitert. Bis 2026 stehen fast 2 Mrd. Euro bereit.
  • Sozialer Wohnbau in OÖ, Wohnbauförderung, Baukostenobergrenze: Wohnbaulandesrat Haimbuchner hat nach Gesprächen mit Bauinnung und Bauträgern Abhilfe angekündigt.
  • Heizungsoptimierung/Erneuerbare und Klimaschutz: Wohnbaufördermittel, Förderungen für Kesseltausch und PV-Anlagen verlängern, aufstocken, Fördersätze an Preise anpassen

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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