Glöcklerläufe im Salzkammergut – der Überblick

Es ist die letzte Rauhnacht des Winters, vom 5. auf den 6. Jänner, in der im Salzkammergut die Glöckler unterwegs sind. Mit ihren weißen Gewändern, Glocken und mit den bunt verzierten Lichterkappen laufen sie in Gruppen durch die anbrechende Nacht.

Der Name „Glöckler“ leitet sich vom mittelhochdeutschen klocken (‚anklopfen‘) ab, steht also ursprünglich nicht in Bezug zu Glocken (Lärmbrauchtum, das im Krampus-, Perchten- und Faschingsbrauchtum allgemein üblich sind), sondern zu einem Einkehrbrauch, dem von Tür zu Tür-ziehen in den Anklopfnächten.

Man nimmt an, dass sich der Glöcklerlauf in seiner heutigen Form aus mehreren Brauchtumselementen an der Südspitze des Traunsees entwickelt hat und von dort im Laufe des letzten Jahrhunderts verbreitet wurde. Der Glöcklerlauf wird oft als heidnischer Brauch dargestellt. Die Menschen hätten in früheren Zeiten mit Hilfe des nächtlichen Spektakels die Wintergeister (und damit den Winter selbst) vertrieben und die Naturkräfte im Boden geweckt. Oder auch, dass es sich dabei um einen Brauch zu Ehren der Licht- und Feuergottheiten handelt.

Volkskundler (Grieshofer und Gillesberger) vertreten die Meinung, dass der Glöcklerlauf eine Erfindung des 19. Jahrhunderts ist und zwar aus einer wirtschaftlichen Notsituation heraus: In der Saline Ebensee wurde ab der Mitte des 19. Jahrhunderts anstelle von Holz Braunkohle (aus dem Hausruck) zum Heizen der Sudpfannen verwendet, was fatale Folgen für die rund 900 Männer hatte, die in der Holzbringung beschäftigt waren – sie standen ohne Arbeit und Einkommen dar. Um nicht um Unterstützung betteln zu müssen, boten sie u. a. ein Spektakel: das „Glöckeln“. Glöckeln dürfte somit eine besondere Art des Heischens (rituellen Bettelns) sein (Heischebrauch).

Die erste schriftliche Erwähnung finden die Glöcklerläufe in Ebensee um 1850. In einer Chronik aus 1873 werden Ebenseer Burschen beschrieben, welche mit Kuhglocken und transparenten Papierlaternen oder mit Kartons, in die Muster gestanzt wurden und von Ihnen mit Kerzen beleuchtet waren auf den Köpfen getragen waren im Gänsemarsch Tanzfiguren aufführten. Im Lauf der Zeit, stärker jedoch um 1900, werden die maskierten Glöckelngeher von den Glöcklern verdrängt, die anstelle der Gesichtsmasken Papierfransen an der Unterseite der Kappe geklebt hatten. Und die weiße Kleidung war die ohnehin vorhandene Arbeitskleidung der Sud-Arbeiter (siehe aber auch weiter unten).

Für eine Ausbreitung dieses „neuen“ Brauches in andere Gegenden sorgten unter anderem Ebenseer, die in diese Gegenden auswanderten

Leuchtend durch die Rauhnacht

Die Nacht vom 5. auf den 6. Jänner ist die letzte Rauhnacht. Im Salzkammergut „gehört“ diese Nacht den Glöcklern. Die Glöckler sind Frauen und Männer in weißen Gewändern, die auf dem Kopf kunstvolle Lichterkappen tragen. Diese Kappen haben sie in vielen Arbeitsstunden selbst hergestellt, wobei der Fantasie bei den Formen der Glöcklerkappen kaum Grenzen gesetzt sind: Sterne in verschiedenen Variationen sind genauso zu sehen wie Pyramiden und Kometen mit langen Schweifen.

Woher kommt der Brauch des Glöcklerlaufens?

Der Ursprung des Brauches liegt in Ebensee am Traunsee. Gepflegt wird er im ganzen Salzkammergut, vom Attersee über den Traunsee und Bad Ischl bis Bad Goisern und Obertraun.

Dieser ganz besondere Brauch des Glöcklerlaufens ist auf der Liste des „Immateriellen Kulturerbes“ der UNESCO eingetragen.

Hier die Übersicht:

51. Glöcklerlauf in Obertraun

Glöcklerlauf in Bad Goisern

Glöcklerlauf In Bad Ischl

Glöcklerlauf in Pfandl

Bad Ischl: Ritt der heiligen drei Könige

Glöcklerlauf in Ebensee

Glöcklerlauf Obertraun; ©Foto – Maria Gianmoena

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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