Das Klimajahr 2022 in Oberösterreich: Größter Massenverlust am Hallstätter Gletscher

„Schon lange gab es keine so eine winterliche Vorweihnachtszeit wie im heurigen Jahr. Selbst in Linz sorgten Schnee und Frost für die passende Kulisse auf den Christkindlmärkten. Das Weihnachtstauwetter war allerdings überpünktlich wie immer – auf die milde Atlantikluft zu den Feiertagen war bereits lange vor dem menschlich verursachten Klimawandel Verlass“, weiß auch Mag. Alexander Ohms, Klimaexperte der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, der seit vielen Jahren für das Klimaschutzressort des Landes OÖ Wetter- und Klimaanalysen erstellt.

Die Analyse für Oberösterreich 2022:

Der insgesamt eher winterliche letzte Monat des Jahres 2022 kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Temperaturen auch in diesem Jahr deutlich über den vieljährigen Mittelwerten lagen. Bezogen auf die Periode 1961-1990, die noch kaum beeinflusst von der menschlich verursachten Erwärmung war, war es um über zwei Grad wärmer. Aber auch im Vergleich mit den letzten dreißig Jahren (1991-2020) lagen die Temperaturen heuer um 1,1 Grad höher.

Das Jahr 2022 brachte eine Vielzahl deutlich zu warmer Phasen und reiht sich auch in Oberösterreich in den Rekordlisten weit vorne ein. 2022 wird zumindest Platz 3 in der 256-jährigen Reihe der wärmsten Jahre der Messgeschichte belegen (gleichauf mit 2019). Platz 2 (derzeit 2014) ist aber aufgrund des außergewöhnlich milden Jahresendes noch in Reichweite. An der Spitze bleibt weiterhin das Jahr 2018.

Das höchstwahrscheinlich drittwärmste Jahr der Messgeschichte hat aber am oberösterreichischen Hallstätter Gletscher den größten Massenverlust seit Beginn des oö. Messprogramms 2006 verursacht. Alleine heuer hat der größte Gletscher der nördlichen Kalkalpen sechs Prozent seines Volumens eingebüßt. Ursachen sind ausbleibende Schneefälle im Frühjahr, ein sehr früher Start der Eisschmelze und anhaltend hohe Temperaturen im Sommer.

Es fällt auch heuer wieder auf, dass zu kalte Monate immer seltener werden: Nach dem sehr milden Jahresbeginn folgte ein normaler März und ein deutlich zu kalter April.  Von Mai bis August waren die Temperaturen durchgehend über dem Durchschnitt, wobei speziell der Juni mit großer Hitze hervorstach. Es folgte ein nasser und deutlich zu kalter September, bevor der goldene Herbst im viel zu warmen Oktober zu seiner Höchstform auflief. Dem milden November folgte ein insgesamt etwas zu warmer Dezember, der aber mit einer markanten Kältewelle zur Monatsmitte aufwarten konnte.

Die absoluten Jahresmaxima und -minima blieben weit von den Allzeitrekorden entfernt: Am wärmsten war es am 5. August 2022 in Braunau mit 36,1 °C. Die tiefste Temperatur des Jahres wurde am 18.12.2022 mit -18,7 °C in Freistadt gemessen.

Aufatmen konnte in diesem Jahr die Landwirtschaft in Oberösterreich: Nach mehreren zu trockenen Jahren bekam heuer endlich auch das Flachland wieder ausreichend Niederschlag ab. Auf die gesamte Landesfläche bezogen wurde nur drei Prozent zu wenig Niederschlag verzeichnet. Etwas zu trocken war es speziell im oberen Innviertel und im Salzkammergut, während in Teilen von Mühlviertel und Zentralraum sogar mehr Regen und Schnee als im Mittel der letzten Jahrzehnte fiel. Dennoch kam im abgelaufenen Jahr die Sonne nicht zu kurz: Bezogen auf die Landesfläche lag die registrierte Sonnenscheindauer um vier Prozent höher als im vieljährigen Mittel.

Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen Österreichs blieb unser Bundesland im Jahr 2022 von zerstörerischen Wetterkapriolen verschont. Weder gab es eine ausgeprägte Trockenheit wie im Osten und Süden Österreichs, noch wurden markante Unwetterereignisse wie im August in Kärnten und Niederösterreich verzeichnet. Vielen Menschen wird das Wetterjahr 2022 in Oberösterreich wahrscheinlich wenig spektakulär und eher durchschnittlich vorgekommen sein. Dennoch: Der Trend zur Erwärmung setzt sich – wenig überraschend in Zeiten des fortschreitenden Klimawandels – auch in Oberösterreich weiter fort.

„2022 geht ein Klimarekordjahr in Oberösterreich mit nie, wahrscheinlich noch nie gemessenen Rekordtemperaturen an Silvester zu Ende und noch immer steuert die Welt mit Vollgas auf einen Abgrund zu. Auch sind uns in Oberösterreich noch keine Einsparungen an Treibhausgasen gelungen, wie auch die letzten Analysen wieder gezeigt haben. Lange bleibt nun nicht mehr, um eine Klimakatastrophe abzuwenden. Wir brauchen hier schleunigst eine wirkungsvolle Klima- und Energiestrategie und eine Beschleunigung beim Ausbau erneuerbarer Energien. Vor allem die Blockade beim Ausbau der Windkraft muss zur Umsetzung eines CO2-freien Oberösterreichs gelöst werden“, fordert Umwelt- und Klimalandesrat Stefan Kaineder (Titelbild).

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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