Zusätzlicher Hochwasserschutz für den Oberpinzgau im Zeitplan

Intensive Gespräche mit allen Beteiligten / Aktueller Planungsstand in den Seitentälern / Oberpinzgau wird als Lebensraum erhalten

Salzburger Landeskorrespondenz, 21. Dezember 2022

(LK)  Drei fatale Hochwasserereignisse in nur 16 Jahren im Oberpinzgau, viele Menschen waren in Gefahr, die Infrastruktur zerstört. Vor allem der Sommer 2021 hat gezeigt, dass nur weitere Schutzmaßnahmen das Leben in der Region weiter ermöglichen können. Die technische Machbarkeit im Tal ist erreicht, nur die Tauerntäler bieten noch Potenzial. Darin sind sich die Experten einig.

Intensive Gespräche in den betroffenen Gemeinden, Austausch mit Experten und Beteiligten, die Einbeziehung aller Interessen, Begehungen der Täler. Der für den Hochwasserschutz zuständige Landesrat Josef Schwaiger hat sozusagen einen Gesprächsmarathon im Oberpinzgau absolviert. „Ein sehr konstruktiver, wenn auch teils fordernder Austausch, aber es hat sich gelohnt, denn im Grunde genommen muss ein gemeinsames Interesse überwiegen: Die Sicherheit der Menschen und den Oberpinzgau als Lebensraum zu erhalten. Ich sehe uns hier auf einem guten Weg“, fasst Schwaiger zusammen.

Schwaiger: „Grundsatzentscheidung.“

Landesrat Josef Schwaiger war im Sommer 2021 selber vor Ort, als Mittersill wieder in den Fluten zu versinken drohte und betont: „Diese Bilder haben sich in der Bevölkerung eingebrannt. Wir dachten, es sei alles gut geschützt, die Maßnahmen greifen. Aber die durch den Klimawandel veränderten Rahmenbedingungen zwingen uns zu handeln. Es ist aus meiner Sicht eine Grundsatzentscheidung: Wollen wir den Oberpinzgau weiter als sicheren Lebensraum? Wenn ja, dann müssen wir alle gemeinsam mit den Experten handeln“, so Schwaiger.

Salzach-Seitentäler werden entschärft

Ziel der Maßnahmen sind rund 7,5 Millionen Kubikmeter Rückhalt in den Seitentälern der Salzach bei Hochwasserereignissen. Grund: Die Schneefallgrenze stieg in den vergangenen Jahren bis weit hinauf ins Hochgebirge, die Seitenbäche transportieren somit mehr Wasser und Geschiebe in die Salzach, wenn es stark regnet. „Rückhaltebereiche in den Seitentälern bringen zwar keine absolute Sicherheit, aber eine signifikante Verbesserung. Wichtig ist dabei, die Belastung gleichmäßig auf die Tauerntäler zu verteilen. Damit erreichen wir bei möglichst geringen Belastungen einen größtmöglichen Effekt“, so Schwaiger.

Arbeitsbilanz des Jahres 2022

  • Alle wesentlichen Aufträge für die Detailplanungen sind vergeben: Wasserbau, Geotechnik, Hydrologie.
  • Alle Begehungen mit den Planern sind erfolgt.
  • Die notwendigen Vermessungen sind abgeschlossen.
  • Alternativprüfungen sind zum Großteil abgeschlossen.
  • Die Lebensraumpotenzialanalyse als Grundlage für die weiteren Kartierungen  ist abgeschlossen.

Entschädigungsmodell für alle Grundbesitzer

Die Rückhalteflächen sind großteils in privatem Eigentum und teilweise hochwertige Almflächen. Das Gebiet liegt praktisch zur Gänze im Nationalpark Hohe Tauern, was den wichtigen Schutz schwierig, aber nicht unmöglich macht. „Die Anliegen und Auflagen des Naturschutzes finden selbstverständlich Berücksichtigung“, versichert Schwaiger. „Gleichzeitig haben wir ein faires Entschädigungsmodell für Grundbesitzer ausgearbeitet, wenn im Hochwasserfall deren Wiesen als nötige Rückhalteräume betroffen sind“, so Schwaiger. 

Planung mit den Betroffenen

Gestern, Dienstag, erörterte Landesrat Schwaiger mit Grundeigentümern, Bürgermeistern, Vertretern des Wasserverbands Salzach Oberpinzgau sowie Wasserbaufachleute anhand von Plänen und Visualisierungen den Planungsstand, der bereits die Wünsche der Begehungen im Herbst berücksichtigt. Gespräche fanden in Bramberg für das Habachtal, in Neukirchen für das Obersulzbachtal, in Krimml für das Achental, in Hollersbach für das Hollersbachtal und in Mittersill für Maßnahmen im Felbertal statt. „Wir sind durch die bisherigen Planungen und Gespräche mit allen Beteiligten einen entscheidenden Schritt in Richtung konkreter Umsetzung weitergekommen.“ zeigt sich Landesrat Schwaiger zuversichtlich.

Gemeinsam für besseren Schutz

Bis Winter kommenden Jahres soll die Einreichung erfolgen. „Wir bleiben weiter mit den Grundeigentümern Gespräch, was die Feinabstimmung der Umsetzung betrifft. Denn allen ist klar: Es gilt, in der einzigartigen Naturlandschaft der Tauern einen gerechten Ausgleich zwischen den berechtigten Schutzinteressen der Bevölkerung und der Nutzer finden. Und das geht nur gemeinsam“, so Schwaiger.

Der weitere Zeitplan

  • Feinabstimmungen und Einzelgespräche mit den Grundstücksbesitzern
  • Finalisierung der Detailplanungen
  • Einreichungen im Winter 2023
  • anschließend Abwicklung erforderlicher Verfahren

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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