Immer mehr Frauen in Oberösterreich von Armut bedroht: AK Oberösterreich fordert nachhaltige Maßnahmen

Die Teuerung in allen Bereichen des täglichen Lebens ist für viele Frauen existenzbedrohend. Jede neunte Oberösterreicherin war bereits 2021 armutsgefährdet. Heuer wird sich ihre Zahl wahrscheinlich nochmals deutlich erhöhen. „Die höchste Inflation seit 70 Jahren setzt Menschen mit geringem Einkommen und hier besonders Frauen deutlich zu. Die Teuerungen müssen endlich effektiv mit Preisdeckeln und kaufkraftsichernden Maßnahmen ausgeglichen werden“, fordert AK-Präsident Andreas Stangl.

Ein Blick in die Statistik zeigt: Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist das Arbeitseinkommen von Frauen in Oberösterreich besonders niedrig. So verdienten sie bei ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung im Jahr 2020 brutto im Schnitt um 11.460 Euro weniger als Männer. „Der massive Einkommensunterschied zwischen Vollzeit arbeitenden Frauen und Männern entspricht in etwa dem Neupreis eines Kleinwagens“, merkt AK-Präsident Andreas Stangl an und fordert: „Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit muss endlich Realität werden!“

Besonders dramatisch war bereits im Vorjahr die Situation für die 67.000 akut von Armut gefährdeten Oberösterreicherinnen. Ihnen standen monatlich weniger als 1.371 Euro (zwölfmal pro Jahr) und somit nur rund 60 Prozent des mittleren Einkommens in Österreich zur Verfügung. Vor allem bei alleinerziehenden Frauen ist die Not groß. Hier fallen mehr als ein Drittel unter die Kriterien der Armutsgefährdung.

Die Rekordinflation verschärft die Lage zusätzlich. Ein Blick auf den sogenannten „Miniwarenkorb“, der den wöchentlichen Einkauf abbildet, und neben Lebensmitteln auch Dienstleistungen und Treibstoffe beinhaltet, zeigt eine deutliche Kostensteigerung von 15,5 Prozent gegenüber Oktober 2021. So wird das bevorstehende Weihnachtsfest zur Belastungsprobe.„Die prekäre finanzielle Situation macht vielen klar, dass sich das nicht ausgehen kann. Für viele Frauen wird es noch härter als sonst. Verzweifelte Anrufe von AK-Mitgliedern, die sich schon grundlegende Waren des täglichen Bedarfs nicht mehr leisten können, häufen sich“, so AK-Präsident Andreas Stangl.

Für den eklatanten Einkommensnachteil von Frauen gibt es vielfältige Erklärungen, wie den mangelnden Ausbau von Kinderbildung- und -betreuungseinrichtungen aber auch die Nachmittagsgebühren im Kindergarten. Sie zwingen Frauen dazu, Kinder unentgeltlich zuhause zu betreuen oder zu unterrichten. Die Folge: Es bleibt weniger Zeit für Erwerbstätigkeit. So arbeiteten 2021 sechs von zehn der erwerbstätigen Oberösterreicherinnen in Teilzeit, viele davon in Branchen mit niedrigen Einkommen. „Der Grund für das unzureichende Angebot liegt in den verhärteten konservativen Rollenbildern. Würde man Kinderbildung und -betreuung flächendeckend anständig ausbauen, könnten mehr Frauen mehr Stunden arbeiten und damit unterm Strich auch mehr Einkommen erzielen. Hier gibt es einen deutlichen Aufholbedarf!“, ist sich AK-Präsident Stangl sicher.

Forderungen der Arbeiterkammer an Bund und Land Oberösterreich

  • Die Arbeitsleistung in den sogenannten „Frauenbranchen“ muss aufgewertet werden: Ein kollektivvertraglicher Mindestlohn von monatlich 2.000 Euro brutto ist dabei unabdingbar.
  • Herstellen von echter Lohntransparenz, um gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit umsetzen zu können.
  • Maßnahmen, damit die Teuerung die Arbeitseinkommen nicht „auffrisst“: Echte Preisdeckel auf alle Energieformen, Senken der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel, Energie und Treibstoffe sowie Abschöpfen von Übergewinnen.
  • Auch das Land Oberösterreich muss mehr Verantwortung übernehmen: Die teuerungsbedingten Mehreinnahmen im Landesbudget müssen an die Menschen zurückgegeben werden, etwa durch Anheben der Wohnbeihilfe. 
  • Wesentlich ist auch die Erhöhung des Heizkostenzuschusses auf 700 Euro samt vorzeitiger Auszahlung und Anpassen der Einkommensgrenze auf zumindest 1.371 Euro sowie die Ausweitung des Bezieherkreises.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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