Das Herz der Lawinenwarnkommissionen schlägt für unsere Sicherheit

Frau Holle hat über alle 119 Salzburger Gemeinden eine Schneedecke gelegt. Bereits jetzt herrschen für Wintersportler perfekte Bedingungen in den Bergen. Für die rund 900 ehrenamtlichen Mitglieder in den 95 Lawinenwarnkommissionen im Bundesland beginnt jetzt wieder die intensive Zeit. Sie sind es, die aufgrund der Wetter- und Schneesituation die Sicherheit für Loipen, Wander- und auch Verkehrswege beurteilen. Alle Lawinen-Infos immer am Handy griffbereit gibt es mit der Land Salzburg App.

Für Sicherheit auf Straßen und Pisten zu sorgen ist eine echte Teamarbeit. Die 95 regionalen Lawinenwarnkommissionen (LWK) sind immer in enger Abstimmung mit den Experten der Wetterdienst der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) sowie dem Katastrophenschutz des Landes. Sie alle kennen ihr jeweiliges Einsatzgebiet bestens und sind sozusagen Augen, Ohren und Gespür vor Ort.

Haslauer: „Mehr Sicherheit im Winter.“

„Das System der Lawinenwarnkommissionen funktioniert im Bundesland hervorragend. Die Arbeit der Kommission ist wesentlich für die Sicherheit der Einheimischen sowie im Wintertourismus. Von dem Wissen der Schnee-Experten profitieren alle: Sei es die Bevölkerung im Tal oder die Sportler am Berg“, betont Landeshauptmann Wilfried Haslauer, der sich bei allen rund 900 ehrenamtlichen Mitgliedern für ihren Einsatz bedankt.

Absolute Profis arbeiten zusammen

Die Menschen am Berg und die Gemeinden im Tal zu schützen und Lawinen-Unglücke zu verhindern. Das ist die primäre Aufgabe der Mitglieder der Kommissionen im Bundesland. Die Grundlage für ihre Bewertungen ist der detaillierte Bericht des Lawinenwarndienstes. Er wird für 21 Kleinstregionen im Bundesland erstellt. Doch wie arbeiten die ausgewiesenen Schnee-Experten und was sind ihre Aufgaben? Das Landesmedienzentrum hat sich in den Bezirken umgehört.

Teamarbeit im Pinzgau

„Sobald es schneit ist der Lawinenwarnbericht unser tägliche Lektüre. Ohne ihn geht nichts“, sagt Klaus Portenkircher, Bürgermeister von Dienten und Obmann der örtlichen LWK. „Wir haben sechs Mitglieder in der Kommission und eine Subkommission für die Hochkönig Bergbahnen, sie kümmert sich um die Skipisten. Der Austausch mit Mühlbach am Hochkönig ist bei uns ganz wesentlich“, so Portenkircher. „Es müssen viele Faktoren zusammentreffen, um eine Sperre, in unserem Fall der B311, zu empfehlen. Im Ernstfall sind wir im ständigen Dialog mit unseren Nachbargemeinden und das Land unterstützt uns vor Ort wo es nur geht“, so Josef Michael Hohenwarter, Bürgermeister von Weißbach bei Lofer und ebenfalls Obmann der LWK dort vor Ort.

Langjährige Erfahrung im Lungau

Die Geschäftsordnung einer Lawinenwarnkommission teilt ihre Zuständigkeit exakt ein. „Wir sind für zwei Abschnitte auf der A10 sowie auf der B99 verantwortlich. Aufgrund von Windwurf können hier in Ausnahmewintern Gefährdungen eintreten. Ebenfalls sind wir für Loipen, Pisten und Wanderwege zuständig“ sagt ihr Obmann Manfred Pfeifenberger von der LWK St. Michael im Lungau. „Aus jetziger Sicht ist der Schneeaufbau heuer ungünstig. Es hat sich eine harte Schicht mit Raureif gebildet auf welche Neuschnee gefallen ist. Der Wind der vergangenen Tage kann Triebschneelawinen auslösen, dies verstärkt die Problematik zusätzlich“, so Pfeifenberger, der seit fast 23 Jahren ehrenamtlich dabei ist.

Pass Lueg stets im Blick

In Golling kümmert sich die Lawinenwarnkommission hauptsächlich um die Autobahn und die Bundesstraße über den Pass Lueg: „Der Schneefall von dieser Woche ist nicht relevant, aber bei großen Neuschneemengen – wie etwa 2019 – müssen wir handeln“, sagt Johann Seiwald von der LKW Golling. „Unsere Kommission hat derzeit sieben Mitglieder, darunter auf einen Mitarbeiter des Autobahnerhalters ASFINAG – für die kurzen Wege. Die Zusammenarbeit mit dem Land und dem Wetterdienst ist sehr gut und die Ausbildungen hervorragend. Die Qualität der Kommissionen ist sehr hoch“, so Seiwald.

Sprengmeister bei der Arbeit im Pongau

In Altenmarkt-Zauchensee im Pongau gehören der Lawinenwarnkommission zwölf Mitglieder an, darunter Mitarbeiter der Liftgesellschaft und der Bergrettung. „Bereits um fünf Uhr früh fahren unsere Mitglieder auf den Berg und untersuchen neuralgische Punkte. Wenn es hell wird, werden Sprengmaßnahmen gesetzt und die restliche Kommission umgehen informiert. Mindestens an 20 Tagen im Winter müssen wir Sprengungen durchführen. Vor drei Jahren wurde an der Einfahrtsstraße nach Zauchensee ein Sprengturm errichtet, der hat die Lawinenproblematik für die Straße massiv entspannt“, betont ihr Obmann Thomas Gsodam.

Der Gaisberg im Fokus

13 Mitglieder gehören in der Stadt Salzburg der Lawinenwarnkommission für den Gaisberg an. „Wir sind breit aufgestellt: Ortsansässige, Experten – etwa von der Wildbach- und Lawinenverbauung oder die Polizei gehören zum Team. Das Hauptproblem am Hausberg der Landeshauptstadt sind die Schneeverwehungen. Hier können sich Schneewechten aufbauen, die den Rundwanderweg gefährden. Weil dort viele Wanderer unterwegs sind, müssen wir ihn laufend kontrollieren“, sagt der Obmann Christian Neureiter.

Gemeindeübergreifend im Einsatz

Die Lawinenwarnkommission Hintersee im Flachgau besteht aus fünf Mitgliedern. „Einem Förster – er kennt den Wald sehr gut – und vier Männer von der Bergrettung. Unsere Kommission kümmert sich hauptsächlich um das Skigebiet. Die Abfahrt nach Hintersee muss genau kontrolliert werden. Wir beobachten aber auch über die Gemeindegrenzen hinaus. Etwa die Strubklammstraße – sie verbindet Faistenau und Ebenau – wird von uns beurteilt. Wir brechen die Informationen der Lawinenwarnzentrale teilweise auf einen Hang herunter und beurteilen diesen dann“, berichtet Obmann Hans Aschauer.

Hochwertige Ausbildung

In den vergangenen beiden Wintersaisonen konnten rund 300 Schnee-Experten neu beziehungsweise weitergebildet werden. „Wichtig bei den Schulungen ist immer der Praxistag – draußen im Feld. Dabei lernen die Teilnehmer unter anderem Schneeprofile zu erstellen und Schnee zu ,lesen‘. Die Arbeit der Ehrenamtlichen bewährt sich jeden Winter, indem schwere Unglücke verhindert werden“, sagt Philipp Kogler vom Referat Sicherheit und Katastrophenschutz, dem der Amtliche Lawinenwarndienst untersteht.

Erweiterte Kooperation mit der ZAMG

Im Sommer unterzeichnete Landeshauptmann Wilfried Haslauer mit Vertretern der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) einen neuen Kooperationsvertrag. Im Team von Michael Butschek, dem Leiter der Lawinenwarnzentrale, sind jetzt Claudia Riedl, Veronika Krieger sowie Matthias Walcher tätig – sie alle erstellen die Lageberichte. Vervollständigt wird das Team durch Leo Hettegger und Alexander Kehl als Techniker sowie Alexander Ohms, welcher die Betreuung des Tourenportals übernimmt. „Das Lawinenwarn-Team wurde neu aufgestellt, wir haben jetzt mehr personelle Ressourcen. Inputdaten von Wetterstationen, Beobachtern und natürlich den Warnkommissionen vor Ort sorgen in bis zu 21 Kleinstregionen für noch präzisere Vorhersagen für die Bevölkerung“, erklärt Michael Butschek.

Lawineninfo immer dabei

Die Berichte und zahlreiche weitere Infos zur Lawinensituation sind im Winter nicht nur auf www.lawine.salzburg.at zu finden, für unterwegs sind sie auch in der Land Salzburg App auf den ersten Blick mit dabei. Diese Informationen sind essenziell für die Tourenplanung, die laut Experten im Winter oft zu kurz kommt.

(c)WLV/Matthias Kammerlande
Fortbildungskurs für Mitglieder der Lawinenwarnkommissionen

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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