VKI-Test: Schadstoffe in exotischen Früchten – Bio ist besser

„Bevorzugt Bio“ lautet das Resümee eines aktuellen Tests des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), bei dem 28 exotische Früchte – davon 21 aus konventionellem Anbau und 7 aus biologischer Landwirtschaft – untersucht wurden. Während bei sämtlichen Bioprodukten keine Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nachweisbar waren, war dies bei 13 konventionellen Proben der Fall. Perchlorate wurden in vier Produkten gefunden, in drei konventionellen und einem Bio-Produkt. Die Details zum Test gibt es online auf www.konsument.at sowie in der Jänner-Ausgabe des Testmagazins KONSUMENT.

Einge­kauft wurde in Super­märkten, im Bioladen, bei Diskontern und am Wiener Naschmarkt. Geprüft wurden Granatäpfel, Grapefruits und Mangos, aber auch Passions­früchte (Maracujas), Kakis, Papayas und Kumquats. Ein Granatapfel, der am Wiener Naschmarkt erstanden wurde, überschritt die zugelassene Höchst­menge an Pestizidrückständen um mehr als das Eineinhalbfache. Diese Probe wurde entsprechend beanstandet – und somit aus dem Verkehr gezogen. Bei einer weiteren Probe, ebenfalls ein Granatapfel (Etsan), wurde eine Überschreitung um 70 Prozent festgestellt. Beide Proben wurden mit „nicht zufriedenstellend“ bewertet.

„Auffällig ist, dass in manchen Produkten gleich mehrere Schadstoffe nachgewiesen wurden. In einem Fall, einer Passionsfrucht von Billa Corso, wurden sogar vier ver­schiedene Pestizide gefunden“, erläutert VKI-Projektleiterin Nina Eichberger. „Eine derartige Häufung ist besorgniserregend, denn die Auswirkungen von Pestizid-Gemischen auf den Organismus sind bisher noch wenig erforscht. Bekannt ist aber, dass sich verschiedene Chemikalien über den sogenannten ,Cocktail-Effekt‘ gegenseitig beeinflussen und in der Wirkung verstärken können.“

Pestizide, die für Mensch und Umwelt besonders gefährlich sind, werden als „Substitutionskandidaten“ bezeichnet. Dazu zählen Substan­zen, die mit Warnhinweisen wie „Kann das Kind im Mutterleib schädigen“ oder „Kann vermutlich Krebs erzeugen“ versehen sind. Bereits 2009 hat die EU beschlossen, derartige Stoffe durch weniger schädliche zu ersetzen. Dieses Vorhaben konnte bis heute nicht umgesetzt werden. „Immer noch sind viele hochgiftige Pestizidwirkstoffe wie Fludioxonil, Tebuconazole oder Cypermethrin in der EU zugelassen. Diese wurden auch in einigen Proben nachgewiesen“, so Eichberger. „Hier gibt es dringenden Handlungsbedarf.“

Neben Pestiziden wurden die Pro­dukte auch auf Chlorate und Perchlorate untersucht. Chlorate wurden früher zur Bekämpfung unerwünschter Pflanzen eingesetzt. Mittlerweile ist ihr Einsatz als Herbizid in der EU ver­boten. Sie werden aber nach wie vor zur Aufberei­tung des Waschwassers und zur Reinigung von Sortieranla­gen eingesetzt. Dabei können Chlorate und Per­chlorate auf die Produkte übergehen und in die Umwelt gelangen. In vier Proben war Perchlorat in geringen Mengen nachweis­bar: bei zwei Granatäpfeln (Billa Corso und Penny), einer Kumquat (Naschmarkt) und einer Bio-Grape­fruit (Billa Plus).

„Gleich ob Pestizide oder Perchlorat: Die Chemikalien sitzen vor allem auf der Schale der Früchte. Deshalb sollte man Obst vor der Verarbeitung immer gründ­lich waschen“, rät Eichberger. „Das gilt auch für Früchte, deren Schale man nicht verzehrt. Wäscht man die Früchte nicht ab, können die Chemi­kalien auf der Schale über Hände, Schneidbrett oder Messer ins Essen und somit in den Körper gelangen.“

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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