Bewusstes Energiesparen ist in den Köpfen der Salzburger angekommen

Freiwillig und gemeinsam Energie sparen, um die Reserven für die Monate Jänner und Februar zu schonen. Dazu rufen Experten die Salzburgerinnen und Salzburger auf, denn das Ziel ist klar: Energielenkung, also geplantes und koordiniertes Abschalten des Stroms, soll bestmöglich verhindert werden – und in letzter Folge auch ein Blackout.

Die kalten Temperaturen in diesen Tagen haben den Energieverbrauch in Salzburg in die Höhe schnellen lassen. Vor einem Jahr wäre dies kein Thema gewesen, doch jetzt heißt es haushalten. „Die Energieversorgungs-Situation ist aktuell angespannt. Die europäische Gesamtsituation erfordert konkrete Maßnahmen, um die Versorgung zu sichern. Noch sind diese freiwillig, um die Speicher für die Monate Jänner und Februar zu schonen. Dieses Thema und diese gemeinsame Mission ist bei den Salzburgerinnen und Salzburgern angekommen“, sind sich Siegfried Müllegger, Leiter der Energietechnik der Salzburg AG, und Dominik Rosner, Leiter des spezialisierten Einsatzstabs des Landes, einig.

Expertengespräch

Der Begriff „Blackout“ geistert wie ein Gespenst durch Politik und Medien. Wie realistisch die Gefahr eines nicht geplanten und längerfristigen Stromausfalls ist, wie sich das Land und die Energieversorger auf Engpässe vorbereiten und was jeder einzelne Bürger vorsorglich tun kann, das wurde in einem Expertengespräch klargestellt. Es gibt verschiedene Szenarien, die jeder und jede aktiv beeinflussen kann – mit einem bewussten und sparsamen Umgang mit Energie.

Energie wurde zum knappen Gut

Welche Faktoren zusammentreffen müssten, damit der Energielenkungsfall Realität wird, schildert Müllegger so: „Kritisch würde es dann werden, wenn in ganz Europa für längere Zeit, drei bis vier Wochen in Folge, sehr niedrige Temperaturen herrschen und dazu kein Wind weht. Bei zusätzlichen ungeplanten Kraftwerksausfällen kann es zum Energielenkungsfall kommen, um eben bestmöglich einen ungeplanten Blackout zu verhindern. Das ist derzeit nicht in Sicht. Wir müssen uns aber darauf vorbereiten, dass Strom knapper wird.“

Aktuell Höchstwerte beim Verbrauch

Wie schnell und stark sich eine Kältewelle auf den Stromverbrauch und die Speicher auswirkt, kann klar belegt werden: „Wir hatten am Dienstag auf Grund der niedrigen Temperaturen den bisher höchsten Wert beim Stromverbrauch in diesem Jahr zu verzeichnen. Die Situation war nicht außergewöhnlich, wir haben aber – wie immer in diesen Fällen – auf unsere Speicherkraftwerke zurückgegriffen, um den Mehrverbrauch abzufangen. Trotz dieser Verbrauchspitze wurde in den vergangenen Wochen Energiesparen von vielen umgesetzt“, erklärt Siegfried Müllegger. 

Rosner: „Bestmöglich vorbereitet.“

Sollte die Versorgungslage knapp werden, hat das Land bereits vor Monaten zusammen mit allen Beteiligten Vorbereitungen getroffen, um entsprechende Maßnahmen zu setzen. Dominik Rosner: „Wir haben ein dreistufiges Modell entwickelt: Es geht vom freiwilligen Energiesparen – da befinden wir uns derzeit – über das angeordnete Sparen bis hin zur Energielenkung, die eine vorher angekündigte Einschränkung von Großverbrauchern und in letzter Konsequenz eine in vorab definierten Zonen wechselnde Stromabschaltung in einem Zeitraum von einigen Stunden bedeuten würde“.

Sensibilisierung und Information

Damit Eskalationsstufen im Falle des Falles nicht so schnell beschritten werden müssen, sensibilisiert und informiert das Land aller Bürgerinnen und Bürger. „Jeder soll dazu beitragen, dass Energie gespart wird. Je mehr Energie im Vorfeld zur Verfügung steht, desto weniger drastisch müssen Maßnahmen ausfallen. Wir wollen mit der Sensibilisierung keine Panik verbreiten. Die gäbe es nämlich nur dann, wenn die Bevölkerung völlig unvorbereitet in der Alltagsnormalität überrascht wird. Wir haben nicht alles selber in der Hand, aber sehr vieles“, stellt Rosner klar.

Müllegger: „Lage kontrolliert, aber angespannt.“

Laut Müllegger ist die Lage in Europa angespannt, aber kontrolliert. „In Salzburg sind unsere Gasspeicher derzeit zu 94 Prozent gut gefüllt, das ist für Mitte Dezember sehr hoch, dank der rechtzeitigen Einkäufe und weniger Verbrauch bei den relativ warmen Temperaturen im Herbst. Auch beim Strom haben wir die Hausaufgaben gemacht. Im Winter sind wir in Österreich aber zu einem Gutteil von Importen abhängig. Es ist also vernünftig, sich vorzubereiten, wenn das wertvolle Gut Strom knapper wird, was an den Preisen auf den Märkten deutlich ablesbar ist“.

Noch volle Speicher

Die heimischen Speicherkraftwerke sind derzeit aufgrund des warmen Herbstes und erster Sparmaßnahmen relativ gut gefüllt. „Es ist eigentlich ganz einfach: Wenn Kunden in einer Zeit, in der man freiwillig gut sparen kann, es auch tun, brauchen wir die Speicherkraftwerke wenig anzuzapfen, wir kommen länger mit der gespeicherten Energie aus“, erklärt Müllegger.

Spare in der Zeit, dann hast du in der Not

Siegfried Müllegger und Dominik Rosner sind sich einig: „Es klingt so banal, aber der Spruch ,Spare in der Zeit, dann hast du in der Not‘ bringt es in Sachen Energie auf den Punkt. Wir haben alle – und zwar quer durch alle Gesellschaftsschichten und Wirtschaftsbranchen – größtes Interesse daran, dass wir keine Energielenkung brauchen und ein ungeplanter Blackout wäre das Worst-Case-Szenario. Deshalb noch einmal der Appell, bewusst und schlau mit Strom und anderen Energiequellen umzugehen, damit wir alle miteinander gut durch den Winter kommen.“

Einfache Energiespartipps

Damit freiwillige Einsparungen auch gelingen, hat das Land Salzburg gemeinsam mit Experten zehn einfache Schritte für jeden Haushalt zusammengestellt, um unabhängiger zu werden. Noch dazu sind sie nur eine sehr geringe Einschränkung und sehr leicht umsetzbar:

  • Kühlschranktemperatur von 5 auf 7 Grad (Einsparung 15 Prozent)
  • Heizung herunterdrehen (Einsparung 12 Prozent)
  • Stoßlüften statt kippen (Einsparung 20 Prozent)
  • Waschmaschine mit Energiesparprogramm verwenden
  • LED-Produkte benutzen (Einsparung 90 Prozent)
  • Duschen statt baden (Einsparung 75 Prozent)
  • Beim Kochen Restwärme nutzen (Einsparung 50 Prozent)
  • Geschirrspüler vollständig befüllen
  • Verteilersteckdosen mit Kippschalter verwenden (Einsparung 10 Prozent)
  • Wasser-Boiler um 5 Grad weniger einstellen (Einsparung 10 Prozent)
Foto: Land Salzburg/Melanie Hutter
Expertengespräch zum Thema Energie sparen, Energielenkung und Blackout, Siegfried Müllegger, Leiter der Energietechnik der Salzburg AG, und Dominik Rosner, Leiter des spezialisierten Einsatzstabes, im Gespräch mit Chefredakteur Franz Wieser.
Grafik: Land Salzburg/APA-Auftragsgrafik
Infografik Energiesparen, Energie und Geld sparen, Energiekosten Einsparung; Stand: 04.11.2022

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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