Einweg war gestern: Bilanz zum ersten Jahr Mehrweggebot bei Veranstaltungen in der oö. Abfallwirtschaft

Durch den Einsatz von Kunststoff als Verpackungsmaterial ist eine Lawine an Wegwerf-Plastik entstanden, die sich nur äußerst langsam abbaut und noch viel zu selten wiederverwertet oder gar wiederverwendet wird. In den letzten Jahrzehnten ist die Plastikproduktion rasant angestiegen, fast die Hälfte des jemals produzierten Kunststoffes wurde seit dem Jahrtausendwechsel hergestellt. Plastikmüll belastet unsere Umwelt enorm, allen voran die Meere und Meerestiere, aber auch zahlreiche andere Tierarten sind davon betroffen. Laut Umweltbundesamt gelangen jährlich rund 40 Tonnen Kunststoffabfälle via Donau in das Schwarze Meer. Eine Plastikflasche beispielsweise braucht etwa 450 Jahre, bis sie sich zersetzt. Dabei gelangen viele Kunststoffe in unsere Gewässer.

Trotz hoher Qualität der Abfallwirtschaft in Oberösterreich landen immer noch rund 14.000 Tonnen an Kunststoffverpackungen im Restmüll oder werden unsachgemäß in der Landschaft entsorgt (Littering). Wiederverwendung statt Wegwerfen ist daher eine der zentralen Aufgaben und Herausforderungen für die Zukunft. Um den Plastikmüllberg auch in Oberösterreich kleiner werden zu lassen, trat mit Beginn dieses Jahres eine Novelle zum Oö. Abfallwirtschaftsgesetz (Oö. AWG) in Kraft, die mit dem Mehrweggebot auch gerade auf Abfallvermeidung bei Großveranstaltungen einen großen Schwerpunkt legt.

 Umwelt- und Klimalandesrat Stefan Kaineder, Bürgermeisterin Daniela Durstberger (Vorsitzende Bezirksabfallverband Urfahr-Umgebung), Markus Altenhofer (Leiter Abfallwirtschaft und Bodenschutz – Land OÖ) und Julia Breitwieser (Landjugend OÖ) ziehen Bilanz zum ersten Jahr Mehrweggebot bei Veranstaltungen.
(C) Land OÖ/Werner Dedl

Um den regionalen Veranstalter/innen den Einstieg zu erleichtern, gab es ein gezieltes Förderprogramm zur Anschaffung von Mehrweggebinden, das über die Bezirksabfallverbände abgewickelt wurde. Land OÖ, Abfallverbände und Veranstalter/innen ziehen Bilanz nach knapp einem Jahr mit den neuen Vorgaben
zur Abfallvermeidung bei Veranstaltungen und Festen im Oö. Abfallwirtschaftsgesetz:

Landesabfallverband und Bezirksabfallverbänden ist klar „Einweg war gestern – Abfallvermeidung bei Veranstaltungen“

Nach einem gefeierten Fest zeigt sich oft ein altbekanntes Bild. Die Rede ist von zurückgelassenen Abfällen, die den Boden übersäen und ein unschönes Aussehen hinterlassen. Denn dort, wo viel konsumiert wird, fallen auch große Mengen an Abfall an. Dosen, Flaschen, Einwegplastikbecher und vieles mehr bleibt achtlos am Veranstaltungsgelände zurück und müssen anschließend mühsam wieder aufgesammelt und entsorgt werden.

Der beste Abfall ist jener, der gar nicht erst entsteht

Abfallvermeidung stellt eine der nachhaltigsten Lösungen in der Abfallwirtschaft dar, schont sie zum einen Ressourcen und entlastet zum anderen die Umwelt. Abfall lässt sich durch den Einsatz von Mehrwegprodukten in vielen Bereichen vermeiden, so auch bei Festen und Veranstaltungen. Seit dem 1. Jänner 2022 ist daher im Oö. Abfallwirtschaftsgesetz festgelegt, dass bei Veranstaltungen weitergehende Maßnahmen zur Abfallvermeidung erfüllt werden müssen. Vereinfacht gesagt, muss beim Einkauf von Getränken und der Ausgabe von Getränken und Speisen auf Mehrweg gesetzt werden.

Welche Veranstaltungen sind von diesen Maßnahmen betroffen?

  • Veranstaltungen, die unter das Oö. Veranstaltungssicherheitsgesetz fallen
  • mit mehr als 300 Gästen
  • bei denen Speisen und/oder Getränke ausgegeben werden

Welche Maßnahmen zur Abfallvermeidung müssen Veranstalter/innen umsetzen?

  • Getränke, die in Oberösterreich in Mehrweggebinden erhältlich sind, müssen in diesen bezogen
  • und in Mehrweggebinden (z.B. Mehrwegbecher oder Gläser) ausgegeben werden
  • Zudem ist die Ausgabe von Speisen in Mehrweggeschirr und mit Mehrwegbesteck (oder in einer abfallwirtschaftlich gleichartigen Form) verpflichtend
  • Werden mehr als 2.500 Gäste erwartet, ist zusätzlich ein Abfallkonzept zu erstellen

Der OÖ. Landesabfallverband hat daher heuer mehr als 140.000 Mehrwegbecher in drei unterschiedlichen Größen für die Bezirksabfallverbände und Städte angeschafft. Unterstützung erhielt dieses Projekt vom Land OÖ in Form einer Förderung. Dadurch konnten diese Mehrwegbecher kostengünstig zur Verfügung gestellt werden. Die Festveranstalter sparen somit in doppelter Hinsicht. Zum einen bei den Anschaffungskosten der Becher und zum anderen bei den Entsorgungskosten und Aufräumarbeiten, da weniger Abfall anfällt, wenn auf Mehrweg anstatt Einweg gesetzt wird. Aber nicht nur Abfall wird eingespart, ein weiterer Vorteil von Mehrwegbechern ist die Energie- und Ressourceneinsparung im Vergleich zur Verwendung von Einwegprodukten.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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