ARAG und der Verein ChronischKrank – eine Zusammenarbeit die hilft.

INTERVIEW MIT BIRGIT EDER, CEO DER ARAG SE DIREKTION FÜR ÖSTERREICH UND JÜRGEN HOLZINGER, OBMANN VEREIN CHRONISCHKRANK

Herr Holzinger, Sie sind Obmann des Vereins ChronischKrank Österreich. Worum geht es dabei genau?
JÜRGEN HOLZINGER: Der Verein ChronischKrank Österreich wurde von mir und weiteren Kollegen vor rund zwölf Jahren gegründet. Aus meiner eigenen Krankengeschichte heraus wollte ich eine zentrale Anlaufstelle schaffen, wo Menschen mit chronischer Erkrankung oder Behinderung allumfassende Hilfe bekommen. Zu Beginn waren wir ein kleiner Kreis. Heute betreuen wir rund 15 000 Betroffene und deren Angehörige und dies bundesweit in ganz Österreich. Der Verein ist heute die größte Interessensvertretung für Menschen mit chronischer Erkrankung in ganz Österreich.

Wie kann Ihr Verein Betroffene mit chronischer Erkrankung unterstützen?
JÜRGEN HOLZINGER: Wir beraten persönlich, telefonisch oder per Video-Call kostenlos in ganz Österreich rund um die Themen wie Behindertenpass, Pflege und Betreuung, Pflegegeld, Ablehnung von Medikamenten und vor allem auch zum Thema Berufsunfähigkeit, welches einen Schwerpunkt unserer Vereinstätigkeit darstellt. Vor allem die Beratung und Betreuung bei rechtlichen und medizinischen Problemen ist uns besonders wichtig. So bringen wir zu diesen Themen mit Unterstützung unserer Rechtsanwälte auch mehrere Hundert Klagen pro Jahr bei Gericht ein. Die Mehrheit der Klagen ist vor allem im Bereich Berufsunfähigkeit und Pflegegeld.

Ein Schwerpunkt Ihres Vereins ist die Berufsunfähigkeit. Können Sie uns dies näher erläutern?
JÜRGEN HOLZINGER: Die Berufsunfähigkeit bzw. auch Invaliditätspension bezeichnet, stellt uns vor große Herausforderungen. Vor allem im Bereich der Psyche haben wir große Probleme und die Rehabilitation scheitert zumeist. Seit der Reform im Jahr 2014 steigen die Zahlen an Betroffenen massiv an, jedes Jahr werden rund 50 000 Anträge auf BU-/I-Pension gestellt. Die Mehrheit der Anträge wird abgelehnt und die Betroffenen rutschen in unser Sozialsystem ab. Eine dahingehende Reform ist bis Weilen nicht in Sicht.

Was können Betroffene beim Thema Berufsunfähigkeit tun?
JÜRGEN HOLZINGER: Es bleibt nur der Weg zu Gericht. Für viele Betroffene ist dies eine enorme Herausforderung, sowohl für die Psyche als auch finanziell. Bei unseren Beratungen merken wir immer wieder, dass beinahe zwei Drittel an Betroffenen keine Rechtschutzversicherung haben bzw. wenn überhaupt, keinen Schutz im Sozialversicherungsrecht. Hinzu kommt, dass zu diesem Zeitpunkt der Schaden zumeist schon eingetreten ist und viele Versicherungen zu diesem Zeitpunkt keine Möglichkeit mehr für einen Vertrag bieten. Es freut uns deshalb wirklich sehr, dass wir hier nun mit der ARAG Rechtsschutzversicherung ein gemeinsames Projekt für Betroffene starten werden.

Frau Eder, wie kam es zu der Zusammenarbeit?

BIRGIT EDER: Sozialversicherungsstreitigkeiten sind existenzbedrohend. Darum haben wir gerade dieses Risiko bereit ab unserem Basisprodukt abgesichert. Trotzdem sind wir auch immer wieder damit konfrontiert, dass der Rechtsschutzvertrag zu spät abgeschlossen wird und wir dem Kunden aufgrund der Versicherungsbedingungen keine finanzielle Unterstützung in seinem Rechtsstreit mit dem Sozialversicherungsträger anbieten können. In solchen Fällen haben wir unsere Kunden bislang mit Beratungsleistungen und in organisatorischen Belangen unterstützt. Unser grundsätzlicher Ansatz ist es, dem Kunden so gut wie möglich Lösungswege zu ermöglichen, damit er sein Recht durchsetzen kann. Bei nicht versicherten Fällen haben wir daher Hilfe über den Verein für Chronisch- Krank vermittelt. So kam der Kontakt zustande.

Hat die Pandemie, insbesondere Long Covid, eine Änderung des Rechtsschutzbedarfes in diesem Bereich bewirkt?
BIRGIT EDER: In Zeiten der Pandemie haben wir bei unseren Beratungen durch unsere Inhouse-Juristen deutlich wahrgenommen, dass es ein erhöhtes Bedürfnis nach rechtlicher Absicherung gibt. Besonders die Angst vor dauernder Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit ist gestiegen. Long Covid ist das Stichwort – wir waren erstmals mit Kunden konfrontiert, die aufgrund einer Long Covid-Erkrankung ihrem Beruf plötzlich nicht mehr nachgehen konnten. Die Berufsunfähigkeit wurde ihnen verwehrt und eine Klage war unvermeidbar. Wir haben schon während der Pandemie Rechtsberatung für alle zum Thema Corona angeboten, auch für NICHT ARAG Kunden. Damit soll unser Engagement aber nicht sein Ende finden – derzeit sehen wir uns mit den Folgen der Pandemie konfrontiert. Wir wollen daher in Zusammenarbeit mit dem Verein Chronisch- Krank gerade in solchen Situationen Hilfe anbieten.

Wie genau sieht die Unterstützung aus?

BIRGIT EDER: In Fällen, in denen Long Covid zu einer Berufsunfähigkeit führt, sind unsere Kunden über den Sozialversicherungs-Rechtsschutz gut geschützt, sofern sie sich rechtzeitig versichert haben. Für neue ARAG Kunden, bei denen der Versicherungsschutz noch nicht greift, würden wir bis Ende des Jahres 2023 die Hälfte der Kosten des Vereins für das Berufsunfähigkeitsverfahren mit dem Sozialversicherungsträger übernehmen. Durch unseren sozialen Beitrag und die Unterstützung des Vereins ChronischKrank ermöglichen wir es, dass Long-Covid-Erkrankte ihr Recht durchsetzen können, insbesondere dann, wenn sie es sich ohne Unterstützung nicht leisten könnten.

Fotos:
Birgit Eder, CEO der ARAG SE Direktion für Österreich Jürgen Holzinger, Obmann Verein ChronischKrank

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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