Auf dem Weg zu Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024

Heute Vormittag, 23.11., fand im Schloss Eggenberg ein Pressegespräch der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024 statt. Elisabeth Schweeger (Künstlerische Geschäftsführerin), Manuela Reichert (Kaufmännische Geschäftsführerin) sowie das Programmteam berichteten über aktuelle Entwicklungen innerhalb der Programmschwerpunkte, den Status quo der Projekte, neue Kooperationen sowie weitere geplante Vorhaben. Gemeinsam mit Raiffeisenlandesbank Oberösterreich Generaldirektor Dr. Heinrich Schaller wurde die TOP-Partnerschaft der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024 vorgestellt.

Knapp 100 bereits verabredete Projekte – das Netzwerk an Künstler*innen, Vereinen, Institutionen und Betrieben für die Region wird dichter.

Das Programm der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024 wächst und gedeiht. Zahlreiche engagierte Partner*innen aus der Region stehen an der Seite des Programmteams und konkretisieren die Inhalte ihrer Projekte; das Programm ist gefüttert von internationalen Impulsen, die neue Stimmen und Sichtweisen ins Salzkammergut bringen.

In Zahlen: Von den derzeit bereits fixierten 95 Projekten werden mehr als 85% von lokalen und regionalen Projektträgern (Künstler*innen, Vereine, Institutionen, Betriebe) ausgeführt. Bis Ende 2022 werden die restlichen Projekte vereinbart. Im gesamten Jahr 2024, mit einzelnen Programmpunkten bereits im Jahr 2023, werden über 150 Projekte über die Region des Salzkammerguts verteilt zu erleben sein – eine bunte, zur Reflexion anregende Mischung aus regionalen Impulsen und internationalen Künstler*innen, aus künstlerischer Darbietung und Diskurs, nachhaltig gedacht, die Tradition wertschätzend und zugleich mit Blick in die Zukunft schauend.

Aus dem Salz entstanden, durch das Salz reich geworden und mit dem Salz geht es in die Zukunft: KULTUR IST DAS NEUE SALZ. Das Salzkammergut bietet eine hohe Dichte an spannenden Geschichten, Orten und Menschen und ist in eine eindrucksvolle Landschaft eingebettet. Geprägt durch die Elemente Salz, Wasser und Holz entstand hier eine vielschichtige Region, in der vor 7.000 Jahren in Hallstatt die Geschichte des Salzabbaus begann. Der Salzhandel hat die Region ernährt, bereichert und international vernetzt, es hat Vermögende und Mächtige ins Land gezogen, mit der Sommerfrische ist das Salzkammergut zu einem Sehnsuchtsort geworden, und die historische Kulturlandschaft im inneren Salzkammergut ist heute Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Mit seiner gewachsenen Kompaktheit, abgeschirmt durch Berge, Seen und Flüsse steht das Salzkammergut exemplarisch für viele andere Weltregionen. Das global zu beobachtende Gefälle von industrialisiertem Norden zu touristisch wie agrarwirtschaftlich genutztem Süden ist hier in anschaulicher Dichte vereint und dient gleichermaßen als Paradebeispiel wie auch als Labor, um den zunehmenden politischen, kulturellen, ökonomischen und ökologischen Herausforderungen Europas und der Welt begegnen zu können.

PROGRAMMLINIEN

Das Programm der Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut 2024 stellt in 4 Schwerpunktsetzungen ein Gleichgewicht zwischen diesen Spannungsfeldern her und zeigt mit einer Vielzahl an Projekten die Möglichkeiten zur aktiven Gestaltung unserer Zukunft auf.

In seinen 4 Programmlinien MACHT UND TRADITION, KULTUR IM FLUSS, SHARING SALZKAMMERGUT – Die Kunst des Reisens und GLOBALOKAL – Building The New behandelt die Kulturhauptstadt Europas wichtige Themen unserer Region, Europas und der Welt, setzt neue Impulse für die Zukunft, holt die Vielfalt aus historisch verwurzelter und zeitgenössischer Kunst und Kultur vor den Vorhang und vernetzt die Region international.

MACHT UND TRADITION

Eine offene und aktive Erinnerungskultur ohne Scheuklappen ist eine Notwendigkeit, um aus der Vergangenheit Lehren für einen sorgsamen und vorausschauenden Umgang mit unserer Gegenwart und Zukunft zu ziehen. Die Pflege der Tradition ist lebendig und stark im Salzkammergut. Sie umfasst einen breiten Spannungsbogen, der von Musik, Handwerk, Brauchtum, Theater, Literatur bis zur Wirtshauskultur reicht. Um die Traditionen zu verstehen, bedarf es aber auch eines differenzierten Blickes, wie es zu dieser Entwicklung kam. Welche Machtverhältnisse haben diese Region geprägt und neue andere Verhaltensweisen und Gebräuche entstehen lassen? Sich erinnern heißt, Zukunft verantwortungsvoll gestalten. Das genaue Erkennen von MACHT UND TRADITION, deren Wechselwirkungen und Beeinflussungen ist Voraussetzung, lokale und globale Identitäten in ihrem Wandel zu verstehen und zu respektieren. Eine Spurensuche in unserer Region legt zugleich deren Entstehungsgeschichten und globale Verbindungen frei.

Kultur unterliegt einem stetigen Wandel, sie entsteht aus gesellschaftlichen Prozessen, manchmal auch aus Protesten heraus. Historisch hat die Arbeiter*innenkultur erste soziale Forderungen errungen und maßgeblich zu einer Absicherung des Arbeitslebens geführt. In der weiteren Folge haben der imperiale Hof, die Sommerfrischler, das jüdische Leben und sein Verschwinden durch den Nationalsozialismus, Industrie und Tourismus die Kulturlandschaft geprägt. Kultur ist also ständig in Bewegung, verändert sich.

KULTUR IM FLUSS

Das Bedürfnis nach einer klaren kulturellen Identität scheint in einer Welt, die global voneinander abhängt, nachvollziehbar. Aber ist diese so eindeutig feststellbar? Der französische Philosoph François Jullien beschreibt, dass das Wesen der Kultur die Veränderung ist. Bräuche, Traditionen oder eine gemeinsame Sprache sind als Ressourcen zu begreifen, die prinzipiell allen zur Verfügung stehen und unterschiedlichst genutzt werden können.

Sie sind der Humus, auf dem Gesellschaften sich bauen und weiterbilden. Durch Neugierde, produktives Hinterfragen, Erfragen und Erforschen, durch neue Blicke und Interpretationen, und mit einem internationalen Dialog der Kulturen werden unkonventionelle Kunstformate sowie nachhaltige Konzepte ermöglicht. Kultur und damit kulturelle Identität stehen niemals still. KULTUR IM FLUSS ist eine Selbstverständlichkeit. Sie lässt Erneuerungen zu und macht eine Region und ihre Gesellschaft stark und zukunftsfähig. Sie anerkennt Vielfalt als eine Kraft, mit der man voneinander lernt, und sich dabei weiterentwickeln und neuen Herausforderungen Parole bieten kann.

SHARING SALZKAMMERGUT – Die Kunst des Reisens

Der Tourismus, erwachsen aus der im 19. Jahrhundert gepflegten Sommerfrische in dieser so außergewöhnlichen Alpenregion, ist eine der wichtigsten Lebensadern des Salzkammergutes, dem Sehnsuchtsort vieler Reisender. Tourismus aber nicht als dienstleistende Einbahnstraße mit saisonal bedingten Stoßzeiten zu sehen, sondern als großartige Gelegenheit voneinander zu lernen, ist der richtige Weg. Wie in sämtlichen Regionen Europas sind mancherorts die Nebenwirkungen einer durch ikonenhafte Landschaftsbilder inspirierten Reiseindustrie nicht zu übersehen. SHARING SALZKAMMERGUT – Die Kunst des Reisens lotet die mannigfaltigen Herausforderungen, aber auch die Chancen für eine qualitätvolle Weiterentwicklung des Tourismus aus und verfolgt die Frage, wie sich der alpine Raum jenseits des Tourismus auch außerhalb der Sommer- und Wintermonate attraktiv gestalten lässt. Wie kann sich eine alpine Region, deren Landschaft es zu bewahren gilt und die zum ganzjährigen Reiseziel werden sollte, auf die Zukunft vorbereiten?

GLOBALOKAL – BUILDING THE NEW

Die ländlich alpine Region so gestalten, dass sich das übliche Nord-Süd-Gefälle ausgleicht und ergänzt, den Arbeitsmarkt mit kreativem Potenzial anreichern, der Abwanderung junger, gut ausgebildeter Menschen entgegenwirken, um ein Leben auf dem Land zu ermöglichen und dennoch vernetzt und global arbeiten zu können. Das bedeutet Mobilität und Digitalität ausbauen, Strategien entwickeln, um Landwirtschaft wieder als Lebensgrundlage zu ermöglichen, Raumplanung und Entwicklung mit vernünftiger Baukultur verbinden, Bildungs- und Kunsträume schaffen, Nachhaltigkeit in allen Feldern anstreben im Salzkammergut, aber auch darüber hinaus. In GLOBALOKAL – BUILDING THE NEW gilt es, die Welt von Morgen zu denken und Handlungsstrategien zu erarbeiten, aber auch auf die Spannungsverhältnisse zwischen den Generationen einzugehen. Vor allem die Jugend trifft der sorglose Umgang mit den Ressourcen; daher sind die Jungen die zentralen Adressaten, wenn es darum geht, Zwischenraume zu erkennen, um kulturelle und kreative Vielfalt in der ländlichen alpinen Region Salzkammergut zu fördern und ein Leben für Jung und Alt attraktiv zu gestalten.

STARKE PARTNER

Zur Realisierung richtungsweisender Initiativen über das Jahr 2024 hinaus, von denen vor allem auch die Jugend profitieren soll, braucht es einen hier gut verankerten, starken Partner. Wir freuen uns, dass wir mit der Raiffeisenbank einen solchen Partner, dem die regionale Wirtschaft und das Miteinander vor Ort ein Anliegen ist, gewinnen konnten.

WICHTIGE THEMEN

Baukultur | Bildung | Digitalität | Erinnerungskultur | Gender | Handwerk | Industriekultur | Jüdische Kultur | Kulturtourismus | Kunst & Kultur als Standortfaktor | Landflucht | Landwirtschaft | Migration | Mobilität | Nachhaltigkeit | Next Generation | Ökologie | Regionalentwicklung |

Sorgsamkeit & Nachhaltigkeit

Das Salzkammergut ist die erste ländlich alpine Region, die diesen Titel trägt – das bringt große Chancen, aber auch Verantwortung mit sich. Eine Tourismusregion muss achtsam mit den vorhandenen Ressourcen umgehen, als Green European Capital of Culture wird die grüne Kulturhauptstadt Europas ihr Handeln danach orientieren.

Chance der Vielfalt

Die Tradition im Dialog mit neuen kulturellen Bewegungen, der Tourismus in Einklang mit Natur und Kultur, Nachhaltigkeit und Weiterentwicklung der Region als neue Landurbanität betrachten – für Jung und Alt. Künstlerische Interventionen, der Blick zurück und nach vorne im Diskurs mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sollen aufrütteln und Perspektiven aufzeigen. Die Kulturhauptstadt Europas 2024 sucht den Mut zur Differenz und versteht Ästhetik als Kompass zu unterscheiden.

Reflexion des Miteinanders

Die Kulturhauptstadt dient dazu, die brennenden Fragen unserer Zeit zu stellen: Wie leben wir als Gesellschaft hier im alpinen ländlichen Raum, wie wollen wir in Zukunft leben? Wie verstehen wir uns in Europa und in der Welt? Welchen Beitrag wollen wir zu einem gemeinsamen Europa leisten? Wie gelingt es Kunst und Kultur als wesentlichen Standortfaktor für die Entwicklung einer Region zu leben? Die Vielfalt der Kultur und eine Kultur der Vielfalt ist eine Chance, um international, transnational, miteinander sich diese eine Welt zu teilen.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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