Personalmängel in Spitälern – AK präsentiert Ideen für Sofortmaßnahmen

Die Beschäftigten in den oberösterreichischen Krankenhäusern sind am Limit. Wie eine aktuelle Studie zeigt, können wichtige Aufgaben oftmals nicht erledigt werden. Mittlerweile ist damit auch die Versorgung der Patienten/-innen in Gefahr. Dienstposten bleiben unbesetzt, und immer öfter werden Operationen und Therapien verschoben. Aber die zuständige Landespolitik ist weiter säumig. Echte Reformen fehlen nach wie vor. AK-Präsident Andreas Stangl fordert sofortige Maßnahmen, bevor es zum Kollaps in den oberösterreichischen Krankenhäusern kommt.

Im Oktober wurde eine Studie der Karl Landsteiner Universität Krems (MISSCARE-Austria (univie.ac.at) präsentiert, die die Erkenntnisse und Forderungen der AK Oberösterreich bestätigt: 84 Prozent der Befragten, die auf Allgemeinstationen in heimischen Krankenhäusern arbeiten, gaben an, dass sie oder ihr Team in den vergangenen zwei Wochen mindestens eine für die Patientenversorgung notwendige Tätigkeit weglassen mussten. 67,5 Prozent sagen, es wird auf emotionale Unterstützung verzichtet, gefolgt von Gesprächen mit Patienten und Patientinnen sowie deren Angehörigen (60,6 Prozent). Auch das zeitnahe Reagieren auf die Glocke (39,2 Prozent), das zeitgerechte Verabreichen von Medikamenten (27,6 Prozent) und das Messen von Vitalparametern (26,5 Prozent) bleibt öfter auf der Strecke. 75 Prozent der Befragten haben die Absicht, den Pflegeberuf zu verlassen. Ein Verbleib im Beruf bis zur Pension ist auch laut Arbeitsklima Index der AK Oberösterreich kaum vorstellbar.

Die von den politisch Verantwortlichen immer wieder genannten Maßnahmenpakete sind Alibiaktionen und bringen keine Entlastung für die Beschäftigten. Zunehmend erreichen Hilferufe aus den Krankenhäusern, egal welcher Trägerschaft, die AK.

Ein wichtiger Grund für die hohe Arbeitsbelastung, von der alle Berufsgruppen im Krankenhaus betroffen sind, ist die nach wie vor fehlende verbindliche Personalberechnung. Derzeit macht der Gesetzgeber nur vage Vorgaben. Die Pflege-Personal-Rechnung wurde in den 1990er-Jahren für alle oberösterreichischen Spitäler erarbeitet. Seither wurde sie nicht mehr verändert. Oft fehlt Zeit für eine qualitätsvolle Pflege. Immer mehr Dienstposten können nicht nachbesetzt werden, weil die Attraktivität von Pflegeberufen sinkt. AK-Präsident Andreas Stangl fordert: „Es braucht jetzt Maßnahmen, um die Kolleginnen und Kollegen zu entlasten und die Versorgungsqualität in den oberösterreichischen Krankenhäusern zu gewährleisten.“

Die Zeit drängt: Bis 2030 fehlen in den Krankenhäusern alleine 6.000 Beschäftigte, um Pensionierungen und den steigenden Bedarf in der Gesundheitsversorgung decken zu können (Gesundheit Österreich GmbH). Die AK erneuert daher ihre Forderungen:

  • Sofortige Entlastungsmaßnahmen, wie z.B. den vermehrten Einsatz von Unterstützungskräften, Abteilungshilfen und Stationssekretariaten zur Entlastung der Pflege.
  • Es braucht eine echte Ausbildungsstrategie für die Spitäler, inklusive arbeitsmarktpolitischer Initiativen für Ein-, Um- und Wiedereinsteiger/-innen. Dafür wird mehr Geld benötigt. Mit den geplanten Kürzungen beim AMS-Budget wird das nicht möglich sein.
  • Mittelfristige Personalaufstockung um 20 Prozent (das sind 2.500 Vollzeitäquivalente) für alle Bereiche im Krankenhaus.
  • Das Land Oberösterreich muss mehr in die soziale Infrastruktur investieren. Fokus muss auch auf Dienstpostenpläne und Arbeitsbedingungen sämtlicher Berufe im Krankenhaus gelegt werden.
  • Auf Bundesebene müssen rasch nächste Schritte gesetzt werden, die nachhaltig alle Gesundheitsberufe entlasten.
  • Leichterer Zugang zur Schwerarbeitspension für Beschäftigte in Gesundheitsberufen.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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