Wärmster Oktober der Messgeschichte 

Vorläufige Monatsbilanz der ZAMG: Im Tiefland, gleichauf mit 1795, und auf den Bergen Österreichs wärmster Oktober seit Messbeginn. Niederschlag um 33 Prozent unter dem vieljährigen Mittel, Sonnenscheindauer um 18 Prozent über dem Mittel.

„Wir haben den wärmsten Oktober der Messgeschichte erlebt“, sagt Alexander Orlik, Klimatologe der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). „Der Oktober 2022 lag im Tiefland Österreichs um 2,8 Grad über dem Durchschnitt der jüngeren Vergangenheit (Klimamittel 1991-2020), auf den Bergen war er um 4,0 Grad wärmer. Im Vergleich zur Klimaperiode 1961 bis 1990, lag der Oktober 2022 im Tiefland um 3,4 Grad über dem Mittel und auf den Bergen um 4,2 Grad.“ 

Die Messreihe der ZAMG reicht im Tiefland Österreichs bis 1767 zurück, auf den Bergen bis 1853. 

Am Sonnblick erstmals Oktober-Mittel über 0 Grad 

Auch die regionale Auswertung zeigt wie extrem dieser Oktober war. An vielen Wetterstationen der ZAMG war ein Oktober noch nie so warm wie heuer, zum Beispiel: Bregenz, Feldkirch (alle Vorarlberg), Innsbruck, Kufstein, Obergurgl, Patscherkofel, Lienz (alle Tirol), Stadt Salzburg, Schmittenhöhe, Sonnblick (alle Salzburg), Bad Ischl, Feuerkogel (alle Oberösterreich), Waidhofen/Ybbs, Reichenau/Rax (alle Niederösterreich), Hall/Admont (Steiermark), Klagenfurt, Millstatt, Villacher Alpe (alle Kärnten). In Wien war es „nur“ der zehntwärmste Oktober der Messgeschichte. 

Am Sonnblick, in rund 3100 Meter Seehöhe, gab es in diesem Oktober mit +0,1 Grad erstmals in einem Oktober ein Monatsmittel (Mittelwert aller Tages- und Nachttemperaturen) über 0 Grad. Die Messreihe am Sonnblick reicht bis 1886 zurück. 

Erstmals gab es in einem Oktober auch eine Tropennacht in Österreich (Tiefstwert nicht unter 20 Grad): Von 29. auf 30. Oktober 2022 lag der Tiefstwert an der Wetterstation Kolomansberg (Salzburg) bei 20,3 Grad. 

Teils wieder sehr trocken 

Die Auswertung der Niederschlagsmengen zeigt sehr große regionale Unterschiede. Im Westen Österreich gab es im Oktober 2022 um etwa 25 bis 45 Prozent mehr Niederschlag als im vieljährigen Mittel. Im Süden und Osten Österreichs fiel dagegen in vielen Regionen um 50 bis 85 Prozent weniger Niederschlag als in einem durchschnittlichen Oktober. 

Der Oktober 2022 im Detail 

Hinweis: Die textliche Beschreibung und die Tabellenwerte beziehen sich auf die neue Klimanormalperiode 1991-2020, sofern nicht explizit auf eine andere Klimanormalperiode hingewiesen wird. 

Temperatur 

In diesem Oktober bestimmten entweder milde Luftmassen vom Atlantik oder aus dem Mittelmeerraum das Wettergeschehen im Großteil Österreichs. Dazwischen stellte sich immer wieder Hochdruckeinfluss über Mitteleuropa ein, der dann zum Monatsende hin für typisch nebeliges Wetter im Flachland des Ostens und sonnig warmes Wetter in den Voralpen und Alpen sorgte. Als Folge daraus lag die Temperatur räumlich wie zeitlich stets über dem Niveau, das typischerweise im Oktober vorherrscht. Da auch noch polare Kaltluftvorstöße ausblieben, entwickelte sich dieser Oktober in fast allen Landesteilen zum wärmsten der Messgeschichte Österreichs. Nur im Osten und Südosten des Landes setzte hartnäckiger Nebel und Hochnebel den extrem hohen Oktobertemperaturen etwas entgegen. 

Zusammengefasst war der Oktober 2022 mit einer Abweichung zum Mittel 1991-2020 im Tiefland (HISTALP-Datensatz) von +2,8 °C gemeinsam mit 1795 der wärmste Oktober der Messgeschichte. Auf den Bergen war die Anomalie mit +4,0 °C nochmals deutlich höher und es reichte hier deutlich für den ersten Platz. Das spiegelt sich auch in den Mitteltemperaturen des Oktobers 2022 wider, die unter anderem am Sonnblick, Patscherkofel, Feuerkogel sowie auf der Schmittenhöhe und Villacher Alpe neue Rekorde aufweisen. Am Sonnblick gab es mit einem Monatsmittel von +0,1 °C (Abw. +3,2 °C) zum ersten Mal in der Messgeschichte des Observatoriums (seit 1886) eine positive Oktobermitteltemperatur. Stationsrekorde in Tieflagen traten hauptsächlich in den westlichen und südlichen Bundesländern auf. Dazu gehören Bregenz (13,2 °C, Abw. +2,3 °C, 1869), Innsbruck-Uni (12,8 °C, Abw. +2,8 °C, 1777), Klagenfurt (12,1 °C, Abw. +2,9 °C, 1813). Aber auch in Reichenau an der Rax, wo seit dem Jahr 1865 eine Temperaturmessreihe existiert, wurde mit 12,1 °C der alte Oktoberrekord von 11,7 °C aus dem Jahr 1907 überboten. 

In den meisten Landesteilen lagen die Temperaturanomalien zwischen +2,5 °C und 3,5 °C. Geringer fielen die Abweichungen im Weinviertel, Wien, Burgenland und der Südoststeiermark aus. Hier war der Oktober gegenüber dem Mittel 1991-2020 um 1,8 bis 2,5 °C wärmer. Auf den Bergen im Allgemeinen und punktuell in den tieferen Lagen, wie im Rheintal oder im Rax-Semmering-Wechselgebiet erreichten die Temperaturabweichungen +3,5 bis +4,6 °C.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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