Haimbuchner: Krisenfestigkeit der Gemeinden stärken & Präsentation des Blackout-Simulators „Neustart“

Ausgangslage

Das europäische Stromversorgungssystem ist das größte und verlässlichste der Welt. Die europäischen Übertragungsnetzbetreiber leisten gemeinsam mit den Kraftwerksbetrieben eine hervorragende Arbeit, um die permanent erforderliche Balance zwischen Erzeugung und Verbrauch auszugleichen und das fragile Gleichgewicht im Stromnetz aufrechtzuerhalten. Wir nehmen diese sehr hohe Versorgungssicherheit einfach als selbstverständlich hin. Dennoch steigen seit Jahren die Herausforderungen im europäischen Verbundsystem.

Nach Meinung vieler Experten ist es nicht mehr die Frage, ob es irgendwann zu einem großflächigen Ausfall, einem sogenannten Blackout, kommen wird, sondern vielmehr wann und in welchem Ausmaß. Das Thema wurde auch aufgrund der bisherigen sehr hohen Versorgungssicherheit viel zu lange stiefmütterlich behandelt und oftmals heruntergespielt. Das hat zur Folge, dass sich kaum jemand bewusst ist, welche Folgen ein überregionaler Stromausfall nach sich ziehen würde. Denn es geht dabei längst nicht nur um einen Stromausfall, sondern um einen schwerwiegenden Lieferkettenkollaps, der deutlich länger als der Stromausfall anhalten wird.

v.l. Landeshauptmann-Stv. Dr. Manfred Haimbuchner und Blackout-Experte Herbert Saurugg, MSc
 (C) Land OÖ/ Marco Ratzenböck

Umfragen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Folgen eines großflächigen und länger andauernden Stromausfalles massiv unterschätzt werden. Vom Mobiltelefon, über die Zahlungssysteme, Zapfsäulen, die Kassen in den Supermärkten, bis hin zur Wasserver- und entsorgung ist jeder Bereich betroffen. Daher wird seit geraumer Zeit eine verstärkte Bewusstseinsbildung betrieben, um die Eigenverantwortung und die Selbstversorgungsfähigkeit der Bevölkerung zu erhöhen. Die persönliche Vorsorge jedes Einzelnen ist eine zentrale Voraussetzung, um eine derart weitreichende Versorgungsunterbrechung zu überbrücken und chaotische Zustände weitestmöglich zu verhindern. Zusätzlich verschafft eine gut vorbereitete Zivilgesellschaft den Behörden und Einsatzkräften mehr Spielraum, um sich um jene kümmern zu können, die unbedingt auf fremde Hilfe angewiesen sind. Je länger und besser die Eigenversorgung funktioniert, desto größer sind die Chancen, möglichst rasch wieder ein geordnetes Leben herzustellen. Nur eine bestmöglich vorbereitete Gesellschaft, wird auch mit einem solchen Szenario umgehen können.

„Wir steuern auf einen Winter mit sehr vielen Unsicherheiten zu, insbesondere was die bisher als sicher gegoltene Energieversorgung betrifft. Auch wenn viele Experten erwarten, dass trotzdem alles gut gehen wird, sollten wir nicht blauäugig sein und uns trotzdem auf mögliche schwerwiegende Probleme vorbereiten. Wie bei einem ErsteHilfe-Kurs oder einer Versicherung, wo wir auch hoffen, dass wir sie nie benötigen werden“, sagt Herbert Saurugg, internationaler Blackout- und Krisenvorsorgeexperte sowie Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge.

Gemeinden als Rückgrat der Gesellschaft

Wie in den meisten Extremsituationen und Krisen kommt den Gemeinden, als Rückgrat der kommunalen Infrastruktur, eine besondere Bedeutung zu. Sie bilden als dezentrale kleine Einheiten die Ebene, auf welcher noch eine effektive Hilfe vorbereitet und organisiert werden kann, wenn die technische Kommunikation ausfällt und alle gleichzeitig und in gleichem Umfang betroffen sind. Dazu sind zahlreiche
Vorbereitungen erforderlich. Beginnend bei der Trinkwasserversorgung, der Abwasserentsorgung, setzt sich diese Menge an Aufgaben bis hin zur Gesundheitsund Lebensmittelnotversorgung fort. Daneben werden die Gemeinden zum Dreh- und Angelpunkt der Kommunikation. Eine klare und transparente Kommunikation ist essentiell, um Chaosphasen möglichst kurz zu halten und Gerüchten, welche mangels
Wissens schnell gestreut werden, vorzubeugen.

Mit Neustart die eigene Resilienz testen

Wie oben angeführt, sind es die Gemeinden und Behörden, welchen die Aufgabe des ordnenden Elementes zukommt. Die zu erfüllenden Aufgaben sind komplex und erfordern eine enge und reibungslose Zusammenarbeit aller beteiligten Organisationseinheiten. Grundsätzlich gibt es in Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben klar definierte Krisenstrukturen und Abläufe, die klaren Mustern, Vorgaben und Führungsgrundsätzen folgen. Diese werden auch eingesetzt und trainiert. In kleinen Gemeinden fehlen jedoch häufiger die Ressourcen, um sich damit umfassender zu beschäftigen. Zwar gibt es auf Initiative der Zivilschutzverbände eine Blackout-Arbeitsmappe für Gemeinden, in welcher die vielschichtigen Herausforderungen adressiert werden, jedoch müssen diese Abläufe auch geübt
werden, damit die Umsetzung im Ernstfall auch funktioniert.
Etablierte Führungsprozesse erleichtern die Krisenbewältigung deutlich und eingespielte Krisenstäbe sind Voraussetzung dafür, rasch ins Handeln zu kommen. Wenn erst in der Krise die notwendigen Personen identifiziert und zusammengetrommelt werden müssen, oder die erforderliche materielle Ausstattung
erst organisiert werden muss, ist bereits wertvolle Zeit verstrichen. Das notwendige Wissen und eingeübte Führungs- und Entscheidungsprozesse helfen dabei, rasch und effizient arbeiten zu können. Ansonsten besteht die Gefahr sich zu verzetteln. Wissen schafft auch die Basis dafür, unter Druck zu agieren, anstatt bloß zu reagieren und so Probleme nicht zu Krisen werden zu lassen.

Die Blackout-Simulation „Neustart“ macht es möglich auf einfache und praxisorientierte Weise frühzeitig die unterschiedlichen Fähigkeiten und Reaktionen von Personen zu erkennen und einzuordnen. Die als Spiel konzipierte Simulation hilft dabei, die eigenen Stärken und Schwächen besser zu erkennen und daraus abzuleiten, wo Handlungsbedarf besteht und auch die personelle Zusammensetzung von Krisenstäben kritisch zu hinterfragen. Abläufe können eingeübt, optimiert und gefestigt werden, Verantwortlichkeiten sind klar verteilt und im Anlassfall wissen alle Beteiligten was wann und wie zu tun ist.

„Wir haben die Blackout-Simulation Neustart mit dem Ziel entwickelt, ein einfacheTrainingswerkzeug für kommunale Krisenstäbe zur Verfügung zu stellen, wo die Komplexität eines Blackouts hautnah und trotzdem ressourcenschonend erlebt werden kann. Neustart kann aber auch als generelles Trainingswerkzeug für Krisenstäbe oder auch einfach als unterhaltsames Gesellschaftsspiel genutzt werden. Der Einstieg kann durchaus, ähnlich wie jede Krisensituation, eine erste Herausforderung sein. Aber nur Übung macht den Meister“, so Herbert Saurugg.


„Ich halte die Blackout-Simulation Neustart nicht nur für überaus gelungen, sondern auch für überaus wichtig. Nur wenn ich meine Stärken und Schwächen kenne und Abläufe eingeübt sind, kann ich in der Krise bestehen. Schlimmer als Unsicherheit und Unwissen sind Scheinsicherheit und Scheinwissen. Daher war es mir ein Anliegen, Herbert Saurugg bei der Produktion von Blackout-Simulation Neustart zu unterstützen. Zivilschutz, insbesondere Blackout-Vorsorge, ist eine komplexe Materie, mit welcher man sich rechtzeitig vertraut machen muss. Wenn ich erst dann zu denken anfange, wenn die Krise bereits da ist, kann es schon zu spät sein. Wissen und Erfahrung schaffen den notwendigen Vorsprung, der für eine erfolgreiche Krisenbewältigung ausschlaggebend ist. Die Hauptverantwortung in einer solchen Situation kommt den Gemeinden zu. Daher brauchen sie auch das bestmögliche Rüstzeug, um ihrer Verantwortung für die Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürger gerecht werden zu können. Gemeindeaufsicht ist für mich mehr, als nur zu schauen, ob alles richtig gelaufen ist, sondern vielmehr den Gemeinden Instrumente in die Hand zu geben, ihrer Verantwortung auch gerecht werden zu können. Die Blackout Simulation ´Neustart´ kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten“, betont der für die Gemeindeaufsicht zuständige Landeshauptmann-Stv. Dr. Manfred Haimbuchner.


Die Blackout-Simulation Neustart wird den oberösterreichischen Gemeinden zeitnahe
zur Verfügung gestellt.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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