Salzburg: Jazz&TheCity 2022: Gemeinsam sind wir Jazz

Das Festival Jazz&TheCity, das vom 13. bis 16. Oktober 2022 in der Altstadt Salzburg stattfand, war ein voller Erfolg und ein hoffnungsfrohes Zeitzeichen. 

Das kreative Musik- und Performanceprogramm mit rund 100 Veranstaltungen an 17 Locations begeisterte vier Tage lang rund 20.000 Besucher:innen. Das von der Altstadt Salzburg Marketing GmbH alljährlich veranstaltete Musikfestival für zeitgenössische Kunst schafft bei kostenfreiem Eintritt attraktive Anreize für Einheimische, Tagestourist:innen oder Wochenendgäste, die Stadt Salzburg zu besuchen.

Das war Jazz&TheCity 2022
An vier sonnigen Herbsttagen lud das Festival Jazz&TheCity vom 13. bis 16. Oktober 2022 rund 20.000 Besucher:innen bei freiem Eintritt zu über 100 Konzerten und Performances mit mehr als 150 Musiker:innen und Künstler:innen aus der ganzen Welt in die Salzburger Altstadt. Dieses immer auch interaktive Festival zeigt, dass die Stadt so viele Facetten wie Traditionen aufzuweisen hat. Es bietet Möglichkeiten, die Stadt neu zu erfahren und zu entdecken. Für den Altstadtverband Salzburg als Auftraggeber ist Jazz&TheCity die logische Fortsetzung der barocken Stadtgeschichte, der Idee der Verspieltheit – das Augenzwinkernde, das doppelte Spiel hinter den Mauern und Hecken, nimmt dieses Musikfestival lustvoll und zeitgenössisch auf – nicht programmatisch, sondern gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstlern, von denen zahlreiche dem Festival schon seit Jahren verbunden sind und immer wieder gerne kommen. „Jazz&TheCity ist mittlerweile zu einer großen Familie geworden, die alle einlädt, sich an der Hand zu nehmen und mitzumachen, die Stadt zu formen“, sagte Tina Heine über diese gelungene sechste Ausgabe unter ihrer Festivalleitung. „Dafür braucht es die Zeit und Mut, sich auch kritisch und aktiv mit den Fragen unserer Zeit auseinanderzusetzen.“ Das ganze Festival war mehr als die Summe seiner Teile, die „offene“ Stadt ein Füllhorn an gelebten und erlebten Möglichkeiten, immer nach dem omnipräsenten Motto von George Gershwin: Life is a lot like Jazz … it’s best when you improvise.

Internationales Festival mit vielfältigem Programm
Unterhaltsamer und gefühlvoller hätte schon der Auftaktabend am Donnerstag nicht beginnen können als mit dem walisischen Sänger Ian Shaw, der am Klavier Platz nahm, um zu Herzen gehende Pop- und Jazzsongs nicht nur selbst zu singen, sondern sich vom Publikum in der bis auf den letzten Platz gefüllten SZENE Salzburg unterstützen zu lassen. Wie ein guter Entertainer animierte er das Publikum zum Mitsingen. Selbst Salzburgs Bürgermeister DI Harald Preuner stimmte bei „Blowin‘ In The Wind“ mit ein. Schräger dann eine der wichtigsten Persönlichkeiten der europäischen Jazzszene. Die portugiesische Sängerin Maria João verführte das Publikum mit junger, auch auf elektronische Verfremdung setzender Band ständig die Rollen wechselnd. Wie spannend es werden kann, wenn Altmeisterinnen des experimentierfreudigen Jazz junge Begleiter wählen, demonstrierte am Klavier tags darauf ebenfalls die japanische Wahlberlinerin Aki Takase, herausgefordert von Daniel Erdmann, eben jenem Saxophonisten, der das Publikum am Samstag mit einem der seltenen Auftritte seines Trios Das Kapital gründlich überraschte. Revolutionäre Arbeiterlieder, von Hanns Eisler Komponiertes, von Bertolt Brecht Getextetes gab es mit ebenso viel Respekt wie Spielwitz und Freude an diesen genialen Songs der bewusst schlichten Art vom Chanson bis zu den Moorsoldaten. Hasse Paulsen scheute als Gitarrist auch vor klassischen Bluesriffs nicht zurück, und Edward Perraud bediente das Schlagzeug so gestenreich und humorvoll, dass die Salzburger:innen ihn feierten, wie man das nur mit Virtuosen tut, die einem unwiderstehlich ans Herz wachsen. Wobei hier auch eine Virtuosin zu erwähnen ist, der gesanglich nichts zu schwierig ist, die aber auf lustig-charmante Art das meist ganz straighte Musikmachen vorzog: Camille Bertault im Duo mit dem Festivalstammgast David Helbock am Piano im Marionettentheater, das sich auch beim polnisch-japanisch-israelischen Trio Silent Witness, bei den unterschiedlichen Klaviertrios von Myele Manzanza aus Neuseeland, Gauthier Toux aus Lausanne, Jordina Millà aus Spanien oder den Briten von Mammal Hands als besonders stimmungsvoller Spielort bewährte.

Das coole Quartett des Norwegers Marius Neset, des vermutlich wichtigsten unter den jungen europäischen Saxophonisten, hatte Spaß an rhythmischem Irrwitz und komplexen Kompositionen zu später Stunde am Samstag in der SZENE Salzburg und begeisterte das Publikum. Tags darauf ebendort war auch ein Politjazz-Großensemble namens Kuhle Wampe aus Wien zu erleben.

Egal ob melodieverliebt und nahezu magisch wie beim jungen schottischen Ausnahmepianisten Fergus McCreadie, der nicht nur im Markussaal mit seinem Trio, sondern besonders beim Midnight Lullaby in der Kollegienkirche begeisterte, avantgardistisch wie bei der Premiere der Berliner Supergroup Gruppentraining oder groovy bei den Konzerten von Leon Phal oder dem Matti Klein Trio vor der Open Air Bühne auf dem Residenzplatz – das Publikum nahm die Vielfalt und Offenheit des Festivals dankbar auf und an. Auch deshalb war Jazz&TheCity, heuer erstmals seit 2019 wieder ganz ohne Restriktionen, ein voller Erfolg: Ein Festival der wiederentdeckten Freude und der gespürten Gemeinsamkeiten, das alle Beteiligten inspiriert und optimistisch gestimmt hat.

©Henry Schulz

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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