Bauern sind keine Preistreiber

Die größten Preistreiber der aktuell hohen Inflation von mehr als 10 Prozent werden hauptsächlich durch die immensen Preissteigerungen bei Energie, Treibstoffen und Strom verursacht. Diese Kostenexplosion zieht sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette und muss letzten Endes an den Konsumenten weitergegeben werden.

Trotz hoher Inflation und stark gestiegenen Energiepreisen sind Lebensmittel in Österreich im Vergleich zu anderen EU-Ländern noch immer deutlich günstiger. So betragen in manchen osteuropäischen Ländern die Haushaltsausgaben für Lebensmittel teilweise 20 bis 25 Prozent. In Österreich belaufen sich diese nach der letzten Konsumerhebung 2019/2020 der Statistik Austria auf 12 Prozent.

Landwirtschaft: Kein Gewinner der Teuerung

Auf den bäuerlichen Familienbetrieben arbeiten fleißige Bäuerinnen und Bauern und produzieren dabei unter den international betrachtet höchsten Standards (Tierwohl, Umweltschutz etc.) hochqualitative Lebensmittel. Wie jeder Unternehmer müssen auch sie bzw. die nachgelagerten Bereiche, wie beispielsweise Molkereien oder Bäckereien, ihre Preise an die Konsumenten weitergeben. Die Bauern bekommen dabei jedoch meist nur einen kleinen Teil des Kuchens. So bleiben den Bäuerinnen und Bauern als Urproduzenten beispielsweise von einem Kilo verkauften Brot derzeit lediglich 35 Cent (10 Prozent) und bei einer Semmel nur 2,4 Cent. Umgerechnet sind das 7 Prozent.

„Es ist folglich eine absolute Fehldarstellung, wenn es heißt die heimische Landwirtschaft ist der Preistreiber hinter den steigenden Lebensmittelpreisen. In Wahrheit sind vor allem die enormen Strom- und Treibstoffkosten dafür verantwortlich„, so OÖ Bauernbund-Landesobfrau LRin Michaela Langer-Weninger.

Wichtig ist Langer-Weninger auch hervorzuheben, dass in Österreich im Gegensatz zu anderen Ländern eine flächengebundene Landwirtschaft verankert ist: „Die Futtermittel werden dabei überwiegend auf dem eigenen Hof erzeugt. Diese Kreislaufwirtschaft ist nachhaltig, umweltschonend und krisenfester. Dadurch sind auch die Preise für Lebensmittel in Österreich weniger stark gestiegen, als etwa in Osteuropa.“

Regionalität keine Frage des Geldbörsels

Regionalität und Tierwohl sind den Konsumenten wichtig. Infolge der Rekord-Inflation denken sich viele Menschen aber, sie können sich beides nicht mehr leisten. Laut einer aktuellen Umfrage der Landwirtschaftskammer Österreich greifenfast zwei Drittel der Befragten infolge der Teuerung beim Einkauf viel stärker zu Lebensmitteln aus dem Billig-Segment. „Solange die Konsumenten dabei auf das Produkt aus der Heimat, also aus Österreich zurückgreifen, ist das per se kein Problem – denn unsere Bäuerinnen und Bauern produzieren für alle Preissegmente, von der preisgünstigsten Stufe bis hin zur Premiumstufe. Regionalität ist daher keine Frage der Börserlgröße“, betont Michaela Langer-Weninger. Oberösterreichs Bauernbund-Landesobfrau hält aber auch fest: „Ein faires bäuerliches Einkommen und das Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft dürfen nicht die ersten Bauernopfer der Teuerung sein!“

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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