Schwierige Zeiten fürs Gewerbe und Handwerk

Pecherstorfer: Hohe Kosten für Energie und Materialien drücken auf die Stimmung — Energiekostenzuschuss nur wichtiger erster Schritt

„Die nächsten Monate werden für das Gewerbe und Handwerk alles andere als einfach. Energiepreisexplosion, die allgemeinen Teuerungen bei Rohstoffen und Materialien, noch immer löchrige Lieferketten, Arbeitskräftemangel und ein drohendes Schrumpfen der Wirtschaft drücken auf die Stimmung in den 46.000 oö. Gewerbe- und Handwerksbetrieben mit ihren 160.000 Beschäftigten“, fasst Michael Pecherstorfer, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der WKOÖ, die aktuelle Problemlage zusammen. Pecherstorfer weiß von Strompreisen für Unternehmen zu berichten, die sich verzehnfacht haben, von Unternehmen, die keinen Stromlieferanten mehr finden, von Rohstoffen, Vormaterialien oder Zwischenprodukten, die nicht zeitgerecht oder nur zu überhöhten Preisen zu haben sind, von Unternehmen, die die Preissteigerungen nicht in ihren Verkaufspreisen unterbringen können, von Betrieben, die seit Monaten erfolglos Arbeitskräfte suchen.

Schwierige Lage ist mit Mut und Zuversicht zu meistern
Dennoch bleibt der Gewerbeobmann zuversichtlich, dass diese multiplen Verwerfungen zu bewältigen sind: „Wir werden einen langen Atem und eine breite Unterstützung auf nationaler und europäischer Ebene brauchen, bis sich die Teuerungen auf ein vernünftiges Maß eingependelt haben und bis Konsum- und Investitionsbereitschaft sowie Plan- und Kalkulierbarkeit wieder zurückkehren. Aber mit Mut und Zuversicht ist das zu meistern.“ Für Pecherstorfer klar sei, dass man die Schlüsselrolle des Gewerbe und Handwerks als stabiler Partner und verlässlicher Lieferant für Wirtschaft und Gesellschaft stärker ins Blickfeld rücken müsse — auch um die alternativlose Weitergabe der horrenden Kostenbelastungen argumentieren zu können.

Vom Energiekostenzuschuss für Unternehmen, der vergangene Woche im Ministerrat beschlossen wurde, erwartet Pecherstorfer die dringend benötigte Entlastung. Pecherstorfer: „Das ist ein richtiger erster Schritt, dem weitere folgen müssen. Ganz wichtig wird sein, dass das Geld rasch bei den Unternehmen ankommt und die Unterstützung ausreichend dotiert ist.“ Pecherstorfer bemängelt in diesem Kontext, dass viele typische Gewerbebetriebe beim Energiekostenzuschuss durch den Rost fallen werden. Unter anderem weil nur jene in den Genuss kommen, deren jährliche Energiekosten sich auf mindestens drei Prozent belaufen. Pecherstorfer: „Wer bereits Energie gespart hat, wird bestraft. Das kann nicht sein.“ Mit der zuvor schon beschlossenen Strompreiskompensation für Haushalte wurde ein erstes großes Paket gesetzt. Pecherstorfer: „Gerade für die konsumnahen Branchen war dieses wichtig, weil es den Bürgern die Last der Strom- und Gaspreissteigerungen zumindest teilweise abnimmt und ihnen so mehr zum Konsumieren lässt.“

Strompreis vom Gaspreis abkoppeln
Was es aus Sicht von Pecherstorfer auf Europaebene unbedingt und rasch braucht, ist „die Entkoppelung der europaweit irrationalen Strompreise vom Gaspreis“. Er spricht sich ebenso wie WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer für ein europäisches Strompreissystem aus, das sich zumindest vorübergehend an den tatsächlichen Produktionskosten orientiert. Was die EU-Energieminister vergangenen Freitag vereinbart haben, sei jedenfalls zu wenig. Die beschlossene Übergewinnsteuer bekämpfe nur die Symptome und nicht den Brandbeschleuniger der ausufernden Strom- und Gaspreise, so Pecherstorfer.

„Die Betriebe gehen aufgrund dieser schwer kalkulierbaren Ausgangslage mit viel Unsicherheit in die nächsten Monate“, so Pecherstorfer. Das zeigt sich auch in der aktuellen Konjunkturerhebung der KMU Forschung Austria für das 4. Quartal. Demnach erwarten nur noch 21 Prozent der Betriebe ein Plus bei Auftragseingängen bzw. Umsätzen (Vorjahr: 27 Prozent), aber 33 Prozent Rückgänge (Vorjahr: 12 Prozent). Mit Ausnahme der Gewerbesegmente Kreativ/Design sowie Lebensmittel, die noch leicht positiv gestimmt sind, erwarten alle anderen Bereiche teils kräftige Rückgänge bei Umsätzen und Auslastung. Besonders schlecht sind die Erwartungen im Baugewerbe, wo 39 Prozent der Betriebe mit einem Sinken der Auftragseingänge rechnen, im Bereich Holz/Kunststoff, wo 41 Prozent Rückgänge erwarten, und im Bereich Kfz/Mechatronik, wo fast die Hälfte der Betriebe (47 Prozent) von einem Minus bei Umsätzen und Aufträgen ausgeht.

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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