Gmunden: Mit starkem Vorbehalt gegen Zweitwohnsitze

In der Traunseestadt ist in den letzten Jahren die Anzahlt der Zweitwohnsitze stark gestiegen – wie in vielen anderen Salzkammergutgemeinden auch. Der Gmundner Gemeinderat hat nun mehrheitlich einem Antrag der SPÖ-Fraktion zugestimmt: Künftig soll die Stadt Vorbehaltsgebiet und damit der Trend zum Zweitwohnsitz eingebremst werden.

„Wir haben in den letzten Jahren in Gmunden viele Zweitwohnsitze geschaffen, jetzt reicht’s. Wir brauchen keinen einzigen Zweitwohnsitz mehr in unserer schönen Stadt“, so Stadtrat und SPÖ-Parteiobmann Dominik Gessert. Laut Gessert seien Zweitwohnsitze mitverantwortlich für die hohe Leerstandsrate in Gmunden. Sie seien auch alles andere als nachhaltig, da die Ressourcen die allermeiste Zeit des Jahres ungenutzt bleiben und konterkarieren damit letzten Endes auch die Klimastrategie der Stadt. Außerdem gelten Zweitwohnsitze als zentrale Preistreiber, die die hohen Quadratmeterpreise in der Traunseestadt zumindest mit verursachen.

Die Menschen im Mittelpunkt

„Studierende, Alleinerziehende, Pensionisten und auch ganz normale Arbeiter können sich ein Wohnen in Gmunden nur mehr schwer leisten. Das ist untragbar! Die Politik hat die letzten Jahrzehnte vor allem den Interessen der Bauträger und Immobilienspekulanten bedient – jetzt sollen wieder verstärkt die Bürgerinnen und Bürger, allen voran die mit geringem Einkommen, im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen“, so Gessert. Langfristig soll auch die „Stadtflucht“, also der Wegzug vieler Gmundner in Umlandgemeinden mit zum Teil wesentlich günstigeren Preisniveaus, eingedämmt werden.

Ein erster Schritt

Dass eine Vorbehaltsgebietregelung allein die negativen Entwicklungen in Gmunden stoppen kann, ist mit Sicherheit zu viel verlangt. Sie ist jedoch laut Gessert ein erster Schritt in die richtige Richtung. „Natürlich haben wir noch sehr viel zu tun: Wir müssen mehr leistbare Wohnungen bauen, brauchen kreative Ansätze für generationenübergreifende Wohnformen und müssen die kommunale Infrastruktur weiter verbessern, um noch attraktiver für die Gmundnerinnen und Gmundner zu werden“, so Gessert.

Gemeinsamer Beschluss

Beschlossen wurde der Antrag der Gmundner SPÖ gemeinsam mit den Stimmen von Grünen, Freiheitlichen und NEOS. „Mich freut dieser Schulterschluss sehr! Vielen Dank an die Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Fraktionen – das zeigt, dass wir in zentralen Themen, die die ureigenen Interessen der Menschen in Gmunden berühren, an einem Strang ziehen. Mit Ausnahme der ÖVP. Die sieht sich, bei allem, was sie die letzten Jahre für die Stadt getan hat, bei diesem Thema einmal mehr auf der Seite der Mächtigen und der Immobilienwirtschaft“, so Dominik Gessert.

Gesetzliche Regelung

Vorbehaltsgebiete sind im oberösterreichischen Grundverkehrsgesetz geregelt. Sie dienen vorrangig dem Schutz von Grundstücksreserven und der Bekämpfung von Grundstücksspekulation, da sie Zweitwohnsitze nur in ausgewiesenen Teilen des Gemeindegebiets ermöglichen. Allein in Oberösterreich gibt es derzeit 18 Vorbehaltsgebietsgemeinden, darunter viele Salzkammergutgemeinden: Altmünster, Attersee, Bag Goisern, Bad Ischl, Edlbach, Gosau, Hallstatt, Innerschwand, Klaus, Mondsee, Nußdorf, Oberhofen, Obertraun, Rosenau, Roßleithen, Schörfling, Seewalchen, Steinbach, St. Lorenz, Tiefgraben, Unterach, Vorderstoder, Weyregg, und Zell am Moos.

©Dominik Gessert
©Dominik Gessert

Über den Autor

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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